Krankenstand: Müllwerker sind häufig krank

Heilpraxisnet

Aktuelle Studie zeigt leichten Anstieg beim Krankenstand

02.04.2015

Wer in körperlich belastenden Berufen wie z.B. Entsorgung oder Metallverarbeitung arbeitet, ist deutlich häufiger krank als andere Arbeitnehmer. Dies zeigt ein aktuelles Ranking des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Demnach fehlten z.B. Müllwerker im Jahr 2014 im Durchschnitt 30,8 Tage aufgrund einer Krankschreibung, während Ärzte durchschnittlich nur sieben Tage ausfielen.

Müllwerker fehlen 2014 durchschnittlich 30,8 Tage
Menschen, die in Bereichen der Ver- und Entsorgung arbeiten, weisen mehr krankheitsbedingte Fehltage auf als andere Arbeitnehmer. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO). Demnach haben beispielsweise Müllwerker 2014 durchschnittlich 30,8 Tage gefehlt. Auf Platz zwei und drei folgen Berufe der industriellen Gießerei mit 29,5 und Straßen- und Tunnelwärter mit 27,3 Krankheitstagen. Darüber waren unter anderem Bus- und Straßenbahnfahrer/innen (26,9 Tage) sowie Arbeitnehmer aus den Bereichen spanlose Metallbearbeitung (26,9), Altenpflege (26,7) und Metallumformung (26,6) häufiger krank als andere Berufsgruppen, so die Pressemitteilung der AOK.

Hohe körperliche Arbeitsbelastungen führen zu Muskel-Skelett-Erkrankungen
Die Gründe für die vergleichsweise hohen Ausfallzeiten lägen der AOK nach in erster Linie in den „berufsspezifischen Anforderungsprofilen“. Dementsprechend würden Arbeitnehmer wie beispielsweise in den Bereichen Ver- und Entsorgung oder der industriellen Gießerei mit hohen körperlichen Arbeitsbelastungen konfrontiert, wodurch es in der Folge besonders häufig zu Muskel-Skelett-Erkrankungen komme. Demgegenüber zeigten sich in den dienstleistungsorientierten Berufen eher psychische Erkrankungen als häufiger Grund für eine Krankschreibung. Hier waren laut der AOK insbesondere Berufe im so genannten „Dialogmarketing“ (z.B. Callcenter) auffällig, in denen Arbeitnehmer in 19 Prozent der Fälle aufgrund psychischer Gründe gefehlt haben.

Mitarbeiter in der Altenpflege erleben hohe psychische Belastungen
Auch in der Altenpflege entfiel ein relativ hoher Teil der Krankentage auf eine psychische Erkrankung (16%), wobei beide Berufsgruppen mit 26,4 beziehungsweise 26,7 Fehltagen pro Arbeitnehmer ohnehin zu den Bereichen mit hohem Krankenstand zählen. „Diese Ergebnisse machen deutlich, welchen spezifischen Krankheitsrisiken die Beschäftigten mit ihren jeweiligen beruflichen Situationen ausgesetzt sind. Präventionsangebote sollten somit immer auf die jeweilige Berufsgruppe bezogen werden, um erfolgreich sein zu können“, so der stellvertretende Geschäftsführer des WidO, Helmut Schröder.

Ärzte, Softwareentwickler und Wissenschaftler sind hingegen nur selten krank
Deutlich weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten wiesen hingegen Arbeitnehmer in der Hochschullehre und -forschung (3,9 Tage), Softwareentwickler (7,1) und Ärzte (7) auf. „Bildung scheint ein wesentlicher Einflussfaktor für die Gesundheit zu sein. Besser gebildete Beschäftigte verhalten sich in der Regel gesundheitsbewusster. Zudem werden ihnen größere Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten bei ihrer beruflichen Tätigkeit eingeräumt“, erklärt Schröder weiter. Insgesamt lag der Krankenstand laut der Kasse im Jahr 2014 bei den 11 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern bei 5,2 Prozent, was einen minimalen Anstieg von 0,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dementsprechend habe jeder Beschäftigte durchschnittlich 18,9 Tage aufgrund eines ärztlichen Attests gefehlt. (ag)

>Bild: Ligamenta Wirbelsäulenzentrum / pixelio.de