Krankheiten durch Rauchen zu oft unterschätzt

Heilpraxisnet

Krankheiten durch Rauchen unterschätzt

15.04.2015

Seit langem ist bekannt, dass durch Tabakkonsum zahlreiche Krankheiten ausgelöst werden können. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass Rauchen die Gesundheit noch viel umfassender schädigt als bislang angenommen.

Eine Milliarde Tote durch Tabakkonsum
In diesem Jahrhundert werden Schätzungen zufolge etwa eine Milliarde Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben. Dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, ist lange bekannt, doch offenbar sind die Risiken noch größer als bislang angenommen. Eine Studie, die im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass immerhin 17 Prozent der bei Rauchern erhöhten Sterberate auf Erkrankungen zurückzuführen sind, die bisher nicht mit dem blauen Dunst in Verbindung gebracht wurden.

Rauchen löst zahlreiche Krankheiten aus
Man war bislang davon ausgegangen, dass die ums Zwei- bis Dreifache höhere Mortalität bei Rauchern auf jene 21 häufigen Erkrankungen zurückzuführen ist, die in den offiziellen Statistiken der USA als Rauchererkrankungen erfasst sind. Diese Krankheiten hatte der Surgeon General, in den USA die oberste Instanz in Public Health-Angelegenheiten, im Jahr 2014 anlässlich des 50. Jahrestages aufgelistet. Dazu gehören zwölf Arten von Krebs wie Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Arterienerkrankungen wie Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD (Raucherlunge).

Nicht nur Lungenkrebs
„Die gesundheitlichen Schäden durch Rauchen sind vielfältig und gehen über das klassische abschreckende Bild vom Lungenkrebs weit hinaus“, sagte Michael Hallek von der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln, berichtet der österreichische „Standard“. Die Liste der Folgeerkrankungen des Rauchens muss nun aufgrund der Erkenntnisse der Studie um etliche Posten ergänzt werden. Die Studienautoren um Dr. Brian Carter von der US-amerikanischen Krebsgesellschaft erfassten die Zusammenhänge anhand der Langzeitdaten von knapp einer Million Teilnehmern an fünf Kohortenstudien.

Höheres Risiko für Nierenversagen und Infektionen
So fanden die Wissenschaftler heraus, dass etwa das relative Risiko, an Nierenversagen zu sterben, bei Rauchern 1,7 bis 2,3 Mal höher ist. Und das Risiko, an einer Infektion zu sterben, ist 2 bis 2,7 Mal höher. „Zwar ist das relative Risiko bei klassischen Tabak-assoziierten Erkrankungen bis zu 25 Mal höher“, sagte Thomas Zander von der Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), „aber angesichts der neuen Zahlen wird augenfällig, dass Tabakkonsum maßgeblich an vielen anderen Erkrankungen beteiligt ist.“

Es lohnt sich immer mit dem Rauchen aufzuhören
Die Studie macht laut dem Internisten aber auch Hoffnung: „Interessanterweise nimmt nach einem gänzlichen Rauchstopp bersonders bei diesen – jetzt neu dem Rauchen zugeordneten – Erkrankungen das Risiko wieder ab“, so Zander. Den Angaben zufolge sank das erhöhte Risiko für diese Erkrankungen bei ehemaligen Rauchern proportional zur Anzahl der rauchfreien Jahre. „Diese Erkenntnisse bestätigen einmal mehr, dass es sich jederzeit lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören“, kommentierte Professor Dr. Michael Hallek, der nicht an der Studie beteiligt war. (ad)

>Bild: Bruno Glätsch / pixelio.de