Krankheitstage wegen Schlafmangel immer häufiger

Fabian Peters

Krankheitstage wegen Erkältungen und Schlafmangel immer häufiger.

(22.09.2010) Die Anzahl der Erkältungen und die durch Schlafmangel verursachten Verletzungen und Krankheitstage nehmen zu. Dies Annahmen legt der aktuellen Gesundheitsreport der DAK für Thüringen nahe, wobei die Fachleute insbesondere in der Unterschätzung des durch Schlafmangel verursachten Gesundheitsrisikos ein ernstes Problem erkennen.

Patienten in Nordhausen und dem Kyffhäuserkreis werden in Thüringer überproportional häufig wegen Erkältungen behandelt, wobei der Krankenstand generell jedoch unter dem Landesdurchschnitt liegt Insgesamt ist der Krankenstand in Thüringen 2009 auf 4,2 Prozent gestiegen, wohingegen in Nordhausen und im Kyffhäuserkreis die Zahl der Krankmeldungen sogar um 0,1 Prozentpunkte zurückging. Bundesweit liegt der Schnitt momentan bei rund 3,4 Prozent. Den niedrigste Wert in Thüringen erreichte Eichsfeld mit 3,8 Prozent, der höchste Krankenstand lag mit jeweils 4,6 Prozent in Gera, Eisenach und dem Wartburgkreis vor.

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Die Zahl der Atemwegserkrankungen wie starke Erkältungen oder Bronchitis ist in Thüringen seit dem letzten Gesundheitsreport um etwa 22 Prozent gestiegen, Infektionen haben sogar um fast 42 Prozent zugenommen, wobei letztere insgesamt jedoch relativ selten auftraten. Die Anzahl der Verletzungen und Vergiftungen ging hingegen um fast 23 Prozent zurück, die von Muskel-Skelett-Krankheiten wie zum Beispiel Rückenschmerzen um 19 Prozent.

„Die Höhe des Krankenstandes (…) zeigt Handlungsbedarf auf“, erklärte Dietmar Barke von der DAK die Ergebnisse des Gesundheitsreports. „Wer sich zum Beispiel richtig ernährt, entspannt und bewegt, macht einen wichtigen Schritt zu einem gesünderen Leben“, so der Fachmann und „auch die Arbeitgeber können viel dafür tun, um den Krankenstand in ihrem Unternehmen möglichst niedrig zu halten“, betonte Barke weiter. Die DAK hat im Rahmen des Gesundheitsreports auch ein erhebliches Problem beim Schlafmangel der Versicherten erkannt und daher eine spezielle Informations- und Aufklärungskampagne zum Thema Schlafstörungen ins Rollen gebracht.

„In Thüringen quälen sich fast täglich mehr als 450.000 Erwerbstätige übermüdet durch ihren Arbeitsalltag. Die Menschen leisten dadurch nicht nur weniger. Sie verursachen auch mehr Unfälle und gefährden ihre Gesundheit“, erläutert Barke das Problem des Schlafmangels. Daher sollten Schlafprobleme medizinisch untersucht werden, sobald sie länger als maximal einen Monat andauern, mindestens dreimal in der Woche auftreten oder sich störend auf den Beruf auswirken. Etwa zehn Prozent der Erwerbstätigen sind nach Ansicht des Fachmanns von solch hochgradigen Schlafprobleme belastet, wobei sich längst nicht alle Betroffenen ärztlich behandeln oder krankschreiben lassen.

Fast jeder zweite Berufstätige kann laut dem Gesundheitsreport der DAK in Thüringen schlecht einschlafen oder nicht durchschlafen. Die hierdurch bedingten Krankmeldungen sind in Thüringen zwischen 2005 und 2009 um über 30 Prozent gestiegen. Wobei die Ursachen der Schlafprobleme äußerst unterschiedlich sein können. Am häufigsten wird jedoch Stress und psychische Belastung als Ursache für die Schlafstörungen benannt (ca. 40 Prozent der Fälle). Dabei sind die Belastungen auf der Arbeit bzw. die Sorge um den Arbeitsplatz immer öfter Auslöser des schlafraubenden Stresses. Nach Aussage der DAK ist rund ein Viertel der Betroffen Nachts mit seinen Ängsten und Sorgen beschäftigt, anstatt zu schlafen. Zudem werden Schmerzen und Lärm als relativ häufige Ursache für die Schlafstörungen benannt. Barkes Fazit: „In unserer 24-Stunden-Gesellschaft mit Zeitdruck, Zwang zur Flexibilität im Beruf und den Anforderungen der Familie kommen viele nachts nicht mehr zur Ruhe.“

Da chronisch schlechter Schlaf und Müdigkeit zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen erheblich erhöht, sollte die Bevölkerung die Gefahr chronischer Schlafstörungen nicht länger unterschätzen, betont der DAK-Fachmann. Viel zu häufig würden in Eigentherapie freiverkäufliche Schlafmittel eingenommen und der Arztbesuch gemieden.

„Gesunder Schlaf ist nicht nur der Schlüssel für Top-Leistungen am Arbeitsplatz sondern auch für ein zufriedeneres Familienleben“ erklärt Barke und empfiehlt gleichzeitig, Schlafmittel nicht über einen zu langen Zeitraum einzunehmen, sondern stattdessen den Ursachen der Schlafstörungen auf den Grund zu gehen. So könne der Biorhythmus durch feste Einschlaf- und Aufwachzeiten auf bestimmte Ruhephasen eingestellt werden und Entspannungsübungen wie zum Beispiel Autogenes Training bieten den Patienten eine zusätzliche Möglichkeit mit ihren Schlafstörungen umzugehen. (fp)