Krebs-Gefahr durch umstrittene Alkoholtests

Fabian Peters

Umweltschützer warnen vor krebserregenden Substanzen in Alkoholtests

18.07.2012

In Frankreich müssen Autofahrer in Zukunft ein Gerät für Alkoholtests mitführen. Durch die ständige Verfügbarkeit des Alkoholtests sollen die Möglichkeiten der Selbstkontrolle verbessert und somit alkoholbedingte Unfälle verhindert werden. Doch wie so häufig ist gut gemeint hier offenbar das Gegenteil von gut gemacht. Denn die verfügbaren Alkoholtests enthalten krebserregende Substanzen, die vor allem bei der Entsorgung der Pusteröhrchen zu einem erheblichen Problem werden können, so die aktuelle Mitteilung der französischen Sektion der Umweltschutzorganisation Robin Wood.

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Im Land der Weintrinker sind Autofahrern seit Kurzem zum Mitführen von Alkoholtestgeräten verpflichtet. Vor Fahrtantritt können Autofahrer ihren Alkoholpegel mit Hilfe des Tests einfach kontrollieren und im Zweifelsfall das Fahrzeug stehen lassen. Die verbesserten Möglichkeiten der Selbstkontrolle sollen dazu führen, dass sich weniger Menschen alkoholisiert hinters Steuer setzten. Auf diese Weise hofft der Gesetzgeber in Frankreich die Zahl der tödlichen Autounfälle deutlich zu reduzieren, denn bei fast einem Drittel dieser tragischen Ereignisse ist Alkohol im Spiel. Zum Vergleich: In Deutschland geschehen lediglich rund zehn Prozent der tödlichen Autounfälle unter Alkoholeinfluss.

Mitführen des Alkoholtests zur Selbstkontrolle
Seit dem ersten Juli 2012 müssen Motorrad- und Autofahrer in Frankreich stets ein Gerät zum Alkoholtest im Fahrzeug mitführen. Der Gesetzgeber setzt auf eine verbesserte Selbstkontrolle der Fahrzeugführer, wobei jedoch durchaus umstritten ist, ob sich dies tatsächlich positiv auf die zukünftigen Unfallstatistiken auswirken wird. Gegner der neuen Regelung gehen davon aus, dass die Maßnahme in Bezug auf die Unfälle kaum einen Effekt haben wird. Nicht zuletzt da den meisten Autofahrern früher auch ohne den Test klar war, wann sie zu viel Wein, Bier oder Schnaps Intus hatten. Sie haben dies damals schlichtweg ignoriert und ein solches Verhalten ist auch beim Mitführen eines Alkoholtests nicht ausgeschlossen. Hier würde nur eine technische Lösung helfen, die das Starten des Fahrzeugs unmöglich macht, sobald der zulässige Alkoholpegel überschritten wird. Davon sind die Automobilersteller und auch die Vorschläge der französischen Gesetzgebers jedoch weit entfernt.

Krebserregende Substanzen im Alkoholtest
Stattdessen hofft die Politik in Frankreich auf freiwillige Selbstkontrolle. Die Verpflichtung zum Mitführen der Alkoholtestgeräte, welche auch für ausländische Autofahrer gilt, hatte tatsächlich zur Folge, dass Anfang des Monats die rund 1,50 Euro teuren Pusteröhrchen vielerorts komplett ausverkauft waren. Supermärkten, Tankstellen und Apotheken, kamen mit den Nachbestellungen kaum hinterher. Laut Medienberichten sollen zudem auch bei den Lieferanten bereits erste Engpässe aufgetaucht sein. Dies könnte sich in den kommenden Tagen nun jedoch schlagartig ändern, nachdem die Umweltschutzorganisation Robin Wood vor möglichen Gesundheitsgefahren durch die Alkoholtests gewarnt hat. Dem Präsident der französischen Sektion von Robin Wood, Jacky Bonnemains, zufolge enthalten „die Schnelltests Kaliumdichromat, eine Substanz, die als krebserregend eingestuft und sehr giftig für im Wasser lebende Organismen ist.“

Auch wenn beim Gebrauch der Alkoholtests möglicherweise noch kein Gesundheitsrisiko besteht, stellt sich spätestens danach die Frage der Entsorgung. Denn gelangen die enthaltenen krebserregenden Substanzen in die Umwelt, drohen erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen für Mensch und Tier. Daher müssen sich die Behörden fragen, wo die schätzungsweise rund 80 Millionen Alkoholtests pro Jahr in Frankreich angemessen entsorgt werden können, erläuterten die Experten von Robin Wood.

Entsorgung gesundheitsgefährdender Substanzen in Frankreich unklar
Den französischen Behörden ist das Gesundheitsrisiko durch die enthaltenen Substanzen der Alkoholtests schon seit längerem bewusst. Nicht ohne rund haben sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese keineswegs in Kinderhände gelangen und daher im Auto sicher verwahrt werden sollten. Am besten im Kofferraum und nicht im Handschuhfach.

Doch über das Problem der Entsorgung der gesundheitsgefährdenden Substanzen wurde offenbar nicht weiter nachgedacht. So hat sich das französischen Umweltministerium erst nach den Hinweisen von Robin Wood nun des Themas angenommen und prüft derzeit, ob die Tests als Sonderabfall behandelt werden müssen. Sollte dem so sein, könnte dies die Behörden laut Berichten von „SPIEGEL Online“ jedoch vor neue Herausforderungen stellen, da das Entsorgungssystem für gesundheitsgefährdende Haushaltsabfälle sich in Frankreich noch im Aufbau befindet. Auf welche Weise Abfälle wie Lacke, Lösemittel, Farben oder möglicherweise auch die Alkoholtests entsorgt werden sollen, ist in bei unseren französischen Nachbarn bislang noch nicht eindeutig geregelt. (fp)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de