Krebs geheilt ohne Eingriff oder Chemotherapie? Revolutionäres Forschungsergebnis in der Brustkrebsbehandlung

Neue Behandlung von Brustkrebs ist schnell wirksam und könnte vielen Frauen die Chemotherapie ersparen.(Bild:SENTELLO/Fotolia.com)
Alexander Stindt
Kombination von zwei Medikamenten wirkt schnell und effektiv gegen Brustkrebs
Brustkrebs ist die am häufigsten auftretende Krebsart bei Frauen in den westlichen Ländern und die Krebserkrankung, an der die meisten Frauen versterben. Mediziner suchen schon lange nach Möglichkeiten, wie sie Brustkrebs besser behandeln können. Jetzt stellten die Experten fest, dass eine Kombination aus zwei Medikamenten die Tumore zum schrumpfen bringen und sogar komplett zerstören kann.

Jedes Jahr sterben unzählige Frauen an den Folgen einer Brustkrebs-Erkrankung. Doch es könnte sein, dass an Krebs erkrankte Frauen bald besser behandelt werden können. Wissenschaftler stellten bei einer Untersuchung fest, dass die Kombination von zwei Medikamenten helfen kann, Tumore schnell zu bekämpfen oder diese zu zerstören. Die Mediziner präsentierten die Ergebnisse ihrer Studie bei der „10. European Breast Cancer Conference“ in Amsterdam.

Neue Behandlung von Brustkrebs ist schnell wirksam und könnte vielen Frauen die Chemotherapie ersparen.(Bild:SENTELLO/Fotolia.com)
Neue Behandlung von Brustkrebs ist schnell wirksam und könnte vielen Frauen die Chemotherapie ersparen.(Bild:SENTELLO/Fotolia.com)

Neue Behandeln könnte vielen Frauen Chemotherapie ersparen
Brustkrebs ist eine Krankheit, die besonders Frauen in den westlichen Ländern bedroht. An dieser Form von Krebs, sterben mehr Frauen als an irgendeiner anderen Krebserkrankung, sagen die Forscher. Männer sind hingegen nur selten von der Erkrankung betroffen. Mediziner suchen schon lange nach Möglichkeiten, die Krankheit effektiver zu behandeln. Jetzt stellten die Experten in einer Untersuchung fest, dass die Kombination von zwei Medikamenten helfen kann, die Erkrankung in Zukunft besser zu behandeln. Krebs-Tumore schrumpfen oder werden sogar komplett zerstört, wenn sie mit den Medikamenten behandelt werden. Das könnte in Zukunft vielen Frauen eine Chemotherapie ersparen, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Neue Therapie erzielt nach elf Tagen deutliche Ergebnisse
Die Mediziner behandelten in ihrer Untersuchung Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, mit einer Kombination aus Trastuzumab (die allgemeine Bezeichnung für Herceptin) und Lapatinib. Nach einer elftägigen Behandlung konnte deutlich beobachtet werden, dass die Tumore zu schrumpfen begannen, erläutern die Experten. In einigen Fällen verschwanden die Tumore sogar komplett. Dieses Potential der Behandlung könnte bahnbrechende Folgen für die Krebsbehandlung haben. Patienten könnten innerhalb von elf Tagen so effektiv behandelt werden, dass ihre Tumore vollständig verschwinden. Möglicherweise ist nicht mal eine anschließende Chemotherapie nötig, erläuterte Prof. Nigel Bundred von der University of Manchester bei der Präsentation der Daten.

Alle Brustkrebs-Patienten sollten Zugang auf die Medikamente bekommen
Für manche Patienten wird die Wirkung dieser Kombination von Medikamenten erstaunlich sein und bedeuten, dass sie auf eine Chemotherapie und die belastenden Nebenwirkungen ganz verzichten können, sagen die Forscher. Bei einigen Patienten werden die Tumore zwar nicht schrumpfen, aber die Mediziner würden dies schnell bemerken und somit andere Behandlungsoptionen anwenden. Natürlich müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um mehr Informationen über die Auswirkungen der Medikamente zu finden, erläutern die Wissenschaftler. Dies gelte insbesondere, weil derzeit Trastuzumab (Herceptin) nur zur Verfügung steht, wenn es zusammen mit einer Chemotherapie verwendet wird. Aber alle Krebspatienten verdienen Zugang zu solchen klinisch wirksamen Behandlungen, fügen die Experten hinzu.

Studie untersuchte 257 Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs
Es war unerwartet, innerhalb von elf Tagen eine so dramatische Reaktionen auf die Behandlung mit Trastuzumab und Lapatinib zu sehen, erläutert Koautor Prof. Judith Bliss vom Institute of Cancer Research in London. Die Studie wurde von Forschern der Universität Manchester, der Universitätsklinik von South Manchester NHS Foundation Trust und dem Institute of Cancer Research durchgeführt. Die Mediziner untersuchten 257 Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs. Zunächst wurde zufälligen Frauen entweder Trastuzamab, Lapatinib oder keine Behandlung zugeteilt. Nachdem Beweise aus anderen Studien über die Wirksamkeit der Kombination von zwei Medikamenten bekannt wurden, änderten die Mediziner das Design ihrer Studie. Frauen erhielten jetzt zusätzlich Trastuzumab, wenn sie der Lapatinib-Gruppe zugeteilt waren, sagen die Experten.

Elf Prozent der behandelten Frauen, zeigten keine biologischen Zeichen für invasive Tumore
Von den Frauen, die beide Medikamente erhielten, hatten 17 Prozent minimale Resterkrankungen. 11 Prozent der behandelten Frauen hatten keine biologische Zeichen für invasive Tumore in der Brust. Von den ausschließlich mit Trastuzumab behandelten Frauen, erreichten nur drei Prozent den Zustand einer minimalen Resterkrankung oder eine vollständige Regeneration, sagen die Mediziner. HER2-positiver Brustkrebs hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, nach der Behandlung wiederzukommen, verglichen mit anderen Arten von Brustkrebs. Die Erkrankung wird im Allgemeinen mit einer Operation, Chemotherapie, Hormontherapie und gezielten Anti-HER2-Medikamenten behandelt.

Neue Behandlung erspart Nebenwirkungen und verbessert Lebensqualität
In Großbritannien wird bei rund 53.000 Frauen pro Jahr invasiver Brustkrebs diagnostiziert und in bis zu 15 Prozent dieser Fälle ist es HER2-positiver Brustkrebs. 11.500 Frauen sterben jährlich in Großbritannien an der Krankheit. Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend, wenn sie auf lange Sicht bestehen können, erläutern die Wissenschaftler. Somit hätten wir eine einen neuen Weg gefunden, um HER2-positivem Brustkrebs zu behandeln. Dadurch könnte einigen Frauen eine Chemotherapie nach der Operation erspart bleiben. So wären sie nicht den starken Nebenwirkungen ausgesetzt und hätten eine bessere Lebensqualität, fügen die Experten hinzu. (as)

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