Krebs-Nachsorge muss unbedingt maßgeblich verbessert werden

Alfred Domke
Nachsorge für Krebs-Patienten soll intensiviert werden
Gesundheitsexperten haben in den vergangenen Jahren ein besonderes Augenmerk auf die Krebsvorsorge gelegt. Durch die Untersuchungen kann Krebs in vielen Fällen frühzeitig diagnostiziert und besser behandelt werden. Nun verweisen Fachleute darauf, dass auch die Nachsorge nach überstandener Krankheit unbedingt verbessert werden muss.

Nachsorge für Patienten intensivieren
In Deutschland gibt es immer mehr Krebsneuerkrankungen. Die Zahl der Neudiagnosen hat sich hierzulande seit 1970 fast verdoppelt. Allerdings ist die Lebenserwartung mit Krebs europaweit gestiegen. Diese Entwicklung hängt auch mit dem Fortschritt in der Behandlung und Diagnostik zusammen. Maßnahmen wie Darmspiegelungen sind sehr effektiv zur Krebsvorsorge. Nun will die deutsche Krebsforschung auch die Nachsorge für Patienten intensivieren.

Gesundheitsexperten weisen darauf hin, dass die Nachsorge nach überstandener Krebserkrankung unbedingt intensiviert werden muss. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Jährlich rund eine halbe Million Neuerkrankungen
Wie die „Pharmazeutische Zeitung“ (PZ) berichtet, erklärte Volker Arndt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg vor dem Weltkrebstag am 4. Februar: „In den vergangenen zehn Jahren ist das Bewusstsein gewachsen, Patienten über eine Heilung hinaus länger zu versorgen.“

Den Angaben zufolge werden in Deutschland jedes Jahr etwa 500.000 Neuerkrankungen registriert. Derzeit leben hierzulande rund 3,5 bis vier Millionen Menschen mit der Diagnose Krebs. Laut Arndt sei ein Patient nach Überwindung der Krankheit aber nicht automatisch gesund.

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Zwar lautet die Faustregel schon seit langem, dass Menschen, die fünf Jahre krebsfrei sind, als gesund gelten, doch dies hänge Arndt zufolge von der Tumorart ab.

„Bei vielen Tumorarten, zum Beispiel Brust- und Prostatakrebs, weisen auch fünf Jahre nach der Diagnose Patienten schlechtere Überlebenschancen auf als nicht Betroffene. Auch treten manche Spätfolgen erst viele Jahre nach Abschluss der Therapie auf“, erläuterte der Experte.

Herzprobleme nach Chemotherapie
Früher hatten Ärzte nach überwundener Krebserkrankung häufig nur die Blutwerte geprüft und auf Vorliegen eines möglichen Rezidivs untersucht. Doch laut Arndt würde eine Reihe von Untersuchungen zeigen, dass ehemalige Krebspatienten Probleme haben, die sich von den Beschwerden kurz nach Diagnose und Therapie unterscheiden.

So könnten etwa bei Brustkrebspatientinnen nach einer Bestrahlung oder Chemotherapie Herzprobleme auftreten. Bei anderen Patienten komme es mitunter zu Schlafstörungen oder einer chronischen Erschöpfung.

Nachsorgepass für Patienten
Wolfgang Hiddemann vom Klinikum der Universität München erklärte laut PZ, dass es vom „Risikoprofil“ des Patienten abhänge, wie die Nachsorge aussehen sollte. Er warnte davor, bei der Nachsorge ausschließlich auf Apparate-Medizin zu setzen. Der Dialog zwischen Arzt und Patient sei mindestens ebenso wichtig.

Mediziner sollten geheilten Krebspatienten mit Sensibilität, aber nicht mit übertriebener Zurückhaltung begegnen. „Nicht all diese Menschen sind traumatisiert“, so Arndt. „Es ist natürlich ein Einschnitt, aber viele sagen, dass sie das Leben neu schätzen gelernt haben. Für diese Erkenntnis haben sie einen hohen Preis gezahlt.“

Von manchen Krankenkassen gibt es einen Nachsorgepass, der Betroffenen helfen soll, nach Chemotherapien oder Bestrahlungen an die notwendigen Kontrollen zu denken – und den Überblick über solche Behandlungen und Termine zu behalten. (ad)

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