Krebs-Tumortherapien mit T-Zellen: Behörden stoppen vorerst klinische Studien aufgrund von Todesfällen

Die US-Aufsicht FDA musste vorübergehend eine klinische Studie zur Tumortherapie mit T-Zellen abbrechen. Zuvor waren drei Probanden während des Projekts gestorben. (Bild: crevis/fotolia.com)
Nina Reese
Behandlung mit neuem „Wundermittel“ birgt offenbar Gefahren
Bei der Behandlung von Blutkrebs spielen die Strahlen- bzw. Chemotherapie eine wichtige Rolle. Gesundheitsexperten gehen aber davon aus, dass auch ein „lebendes Medikament“ große Erfolge im Kampf gegen die Leukämie erzielen kann. Die Rede ist dabei von gentechnisch modifizierten T-Lymphozyten („T-Zellen“), die den Blutkrebs aufspüren und innerhalb weniger Tage vollständig zerstören sollen. Das neue Verfahren gilt als mögliche neue „Wunderwaffe“ – ist jedoch offenbar nicht ohne Risiko. Ein klinischer Test musste aufgrund mehrerer Todesfälle sogar schon abgebrochen werden.

Neues Verfahren nutzt Abwehrzellen gegen Blutkrebs
Seit einigen Jahren wird an einer neuen Immuntherapie gegen Blutkrebs geforscht. Bei dieser so genannten „T-Zelltherapie“ werden T-Zellen des eigenen Immunsystems genutzt, um bei Patienten mit fortgeschrittener Leukämie bösartige Zellen gezielt anzugreifen. Die aus dem Blut entnommenen Zellen werden dafür im Labor gentechnisch so verändert, dass sie Blutkrebszellen aufspüren, direkt angreifen und schließlich vollständig zerstören können. Das neue Verfahren wird bereist als neues „Wundermittel“ bei aggressiven Krebsarten gehandelt – doch offenbar ist die Behandlungsmethode nicht risikolos.

Die US-Aufsicht FDA musste vorübergehend eine klinische Studie zur Tumortherapie mit T-Zellen abbrechen. Zuvor waren drei Probanden während des Projekts gestorben. (Bild: crevis/fotolia.com)
Die US-Aufsicht FDA musste vorübergehend eine klinische Studie zur Tumortherapie mit T-Zellen abbrechen. Zuvor waren drei Probanden während des Projekts gestorben. (Bild: crevis/fotolia.com)

Wie das Magazin „Technology Review“ in seiner Online-Ausgabe berichtet, musste ein klinischer Test in den USA sogar wegen mehrerer Todesfälle gestoppt werden. Demnach hatte die amerikanische Überwachungsbehörde für Lebens- und Arzneimittel „Food and Drug Administration“ (FDA) die Studie der Firma Juno Therapeutics unterbrochen, nachdem drei Patienten aufgrund toxischer Reaktionen verstorben waren.

Vorbehandlung führte zu Hirnschwellungen
Bei der Phase-2-Studie „ROCKET“ der Biotech-Firma aus Seattle sollte den Angaben zufolge die Sicherheit und Wirksamkeit der Therapie JCAR015 an mindestens 50 Probanden untersucht werden, die an akuter Lymphoblastenleukämie erkrankt sind. Die Behandlungsform wird dabei an Erwachsenen erprobt, die bereits drei oder vier Mal einen Leukämie-Rückfall erlitten haben. Die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Bekämpfung des Krebses ist in diesen Fällen sehr gering, weshalb eine risikoreiche Behandlung gerechtfertigt ist. Die drei Probanden seien jedoch nicht durch die veränderten T-Zellen gestorben, erklärte Juno Therapeutics laut dem Bericht. Stattdessen habe die Vorbehandlung mit Fludarabin zu tödlichen Hirnschwellungen geführt.

Studie wird mittlerweile weiter geführt
„Jeder hier kommt zur Arbeit, um Therapien zu entwickeln, die Menschen helfen, doch so etwas bringt uns allen hier Demut bei“, wird Juno-Chef Hans Bishop vom Magazin „Technology Review“ zitiert. Die Aktie des Unternehmens war nach Bekanntwerden der Todesfälle zwischenzeitlich um mehr als 30 Prozent gesunken. Mittlerweile habe die FDA jedoch die Weiterführung des Forschungsprojektes ROCKET erlaubt, so der Bericht weiter. Die eigentlich für 2017 geplante Zulassung sei jedoch vermutlich nicht mehr erreichbar.

Das Verfahren habe laut dem Unternehmen in bisherigen Juno-Leukämie-Studien bei 8 von 10 Patienten funktioniert. Doch die Medikation ist sehr stark und der Eingriff in das Immunsystem mit Risiken verbunden. Daher bedarf die T-Zelltherapie einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. „Ich denke nicht, dass diese Vorfälle das langfristige Potenzial genetisch veränderter T-Zellen reduzieren“, so Michel Sadelain vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York laut dem Magazin. (nr)

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