Krebsauslösend: Foodwatch-Warnung vor krebserregendem Arsen in Babynahrung

Alfred Domke

Foodwatch: Baby-Lebensmittel aus Reis oft mit krebserregendem Arsen belastet

Immer wieder weisen Fachleute auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Arsen in Nahrungsmitteln hin. Der krebserregende Stoff ist vor allem in Reisprodukten zu finden. Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch hat in einer aktuellen Untersuchung festgestellt, dass Reisflocken und Reiswaffeln für Babys häufig übermäßig mit Arsen belastet sind.

Arsen in Nahrungsmitteln

Gesundheitsexperten warnen seit Jahren vor Arsen in unserer Nahrung. Selbst in deutschem Bier ist der gefährliche Stoff schon festgestellt worden. Vor allem aber Reis und Reisprodukte enthalten häufig viel Arsen. Dies zeigt auch eine neue Untersuchung von Foodwatch. Die Verbraucherorganisation hat bei einem Labortest von Reisflocken und Reiswaffeln für Babys in allen untersuchten Proben krebserregendes Arsen nachgewiesen.

Reisflocken und Reiswaffeln für Babys sind häufig übermäßig mit Arsen belastet. Das hat die Verbraucherorganisation Foodwatch in einer aktuellen Untersuchung festgestellt. (Bild: Daorson/fotolia.com)

In allen untersuchten Produkten fand sich anorganisches Arsen

Foodwatch hat 18 Reisprodukte für Babys von Alnatura, Bebivita, dm, Hipp, Holle, Rossmann und Sunval getestet.

In allen untersuchten Proben der fünf Reisflocken-Produkte zur Zubereitung von Säuglingsbrei und 13 Reiswaffeln, die für Babys „ab dem 8. Monat“ vermarktet werden, fand sich anorganisches Arsen.

Wie die Verbraucherorganisation in einer Mitteilung schreibt, waren dabei einige deutlich stärker belastet als andere:

So enthielt beispielsweise eine Probe des „Bio-Babybrei Reisflocken“ des Herstellers Holle fast viermal so viel Arsen wie der „Sun Baby Bio Reisbrei“ von Sunval.

Die „Hipp Apfel Reiswaffeln“ waren fast dreimal so stark belastet wie die „Reiswaffeln Apfel-Mango“ der Hipp-Tochterfirma Bebivita.

Alle Testergebnisse finden sich hier.

Belastung lässt sich nicht gänzlich vermeiden

Zwar lässt sich bei Reis eine Arsenbelastung nicht gänzlich vermeiden, die deutlichen Unterschiede zeigen laut Foodwatch jedoch, dass es die Hersteller in der Hand haben, die Belastung zu minimieren.

„Babys und Kleinkinder müssen vor krebserregenden Stoffen wie anorganischem Arsen bestmöglich geschützt werden“, so Johannes Heeg von Foodwatch.

„Die Hersteller von Babynahrung sind in der Verantwortung, die Belastung mit Arsen auf ein unvermeidbares Minimum zu reduzieren. Es ist inakzeptabel, dass einige Produkte drei- bis viermal so viel Arsen enthalten wie andere.“

Gesundheitliche Risiken von Arsen

Wie Foodwatch in einem Hintergrundpapier erklärt, ist anorganisches Arsen krebserregend.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erläutert zudem: „Eine chronische Aufnahme kleinerer Mengen von anorganischen Arsenverbindungen über einen längeren Zeitraum kann zu Hautveränderungen, Gefäß- und Nervenschädigungen führen, sowie Herzkreislauferkrankungen fördern und reproduktionstoxisch (fruchtschädigend) wirken.“

Leichte Arsenvergiftungen können laut Gesundheitsexperten auch bei Erwachsenen zu Beschwerden wie Krämpfen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und auch Nierenversagen führen. Noch gefährlicher ist es für Kinder.

Da Arsen sich in Reis nicht vollständig vermeiden lässt, vertritt das BfR die Auffassung, dass die Hersteller die Belastung so niedrig wie möglich halten sollen.

Eltern empfiehlt das Institut, Lebensmittel aus Reis wie Reiswaffeln oder Reisbrei nur in Maßen zu füttern und mit reisfreien Produkten abzuwechseln. Foodwatch forderte die Hersteller auf, auf der Verpackung über die Verzehrempfehlung des BfR zu informieren.

Reisprodukte in Großbritannien enthalten weniger Arsen

Die Europäische Union schreibt Grenzwerte für anorganisches Arsen in Reis und bestimmten Reisprodukten vor.

„In für die Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder bestimmtem Reis dürfen maximal 0,1 mg/kg anorganisches Arsen enthalten sein“, heißt es auf der Foodwatch-Webseite.

Die von der Verbraucherorganisation untersuchten Produkte waren zum Teil höher belastet.

„Baby-Lebensmittel aus Reis stellen in Deutschland eine unnötige Gesundheitsgefahr dar“, sagte Professor Andrew Meharg vom Institut für Globale Lebensmittelsicherheit an der Queen‘s Universität Belfast, der den Test im Auftrag von Foodwatch durchgeführt hat.

„Niedrige Werte sind machbar: Auf dem britischen Markt weisen Baby-Reisprodukte nur sehr geringe Belastungen mit Arsen auf. Es gibt keinen Grund, warum deutsche Hersteller nicht in der Lage sein sollten, ebenso niedrige Werte zu erreichen.“

Arsen ist von Natur aus in der Erdkruste vorhanden. Über das Grundwasser kann Arsen ins Trinkwasser gelangen und von Pflanzen aufgenommen werden. Reis nimmt besonders viel Arsen auf. (ad)