Krebserregende Schadstoffe im Kräutertee

Nina Reese

Bundesinstitut für Risikobewertung findet krebserregende Schadstoffe in Tee

16.07.2013

Tee ist möglicherweise doch nicht so gesund, wie gemeinhin angenommen wird – denn wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt, wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts vor allem in Kräutertees krebserregende Stoffe gefunden, wodurch unter Umständen „ein Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung, insbesondere bei Kindern, Schwangeren und Stillenden, bestehen“ könne, so eine aktuelle Pressemitteilung des BfR.

BfR untersucht verschiedenen Teesorten auf Pyrrolizidinalkaloide
Tee gilt im Allgemeinen als gesundheitsförderlich – doch nun hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in verschiedenen Teesorten krebserregende Stoffe gefunden. So waren im Rahmen des derzeit laufenden Forschungsprojekts zum Thema „Bestimmung von Pyrrolizidinalkaloiden in Lebens- und Futtermitteln“ zunächst verschiedene handelsübliche Kräutertee- und Teeproben sowie Teedrogen untersucht worden – mit dem Ergebnis, dass in „einigen Proben unerwartet hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in den Kräutertee- und Teeproben gemessen“ wurden, so der BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Das Riskante daran: Die Pyrrolizidinalkaloide (PA) hätten sich laut dem BfR im Tierversuch als krebserregend erwiesen und sollten dementsprechend gesenkt werden.

Unter anderem Babyfencheltee, Fencheltee, Kamillentee untersucht
Wie das BfR betont, würden "die Ergebnisse bisher jedoch noch keine allgemeingültigen Aussagen zulassen, denn im Rahmen des Forschungsprojekts wurden 221 verschiedene handelsübliche Kräutertee- und Teeproben sowie Teedrogen auf den Gehalt an PA" untersucht, diese wurden jedoch „nicht durch eine repräsentative Stichprobenziehung entsprechender auf dem deutschen Markt befindlicher Produkte erhalten“, so die Stellungnahme des BfR. Laut dem Institut habe es sich bei den analysierten Teesorten um Babyfencheltee, Fencheltee, Kamillentee, Kräutertee, Pfefferminztee, Brennnesseltee, Melissentee gehandelt – Grüner Tee, Roibuschtee und Schwarzer Tee waren zwar zusätzlich auch untersucht worden, konnten aber laut dem Institut aufgrund der insgesamt zu geringen Probenzahl bei der Gesamtbeurteilung nicht berücksichtigt werden.

Bislang noch keine gesicherten Aussagen zum Gesundheitsrisiko möglich
Bei der Analyse hatte das BfR zunächst in einigen Proben unerwartet hohe PA-Gehalte gefunden, da es bei den Werten jedoch große Schwankungen gab – zum Teil sogar innerhalb der gleichen Teesorte – könnten laut dem BfR bislang noch keine gesicherten Aussagen zum Gesundheitsrisiko getroffen werden – stattdessen müssten die bisher erhobenen Daten des Forschungsprojekts beispielsweise im Rahmen des „Lebensmittel-Monitorings“ verifiziert werden.

Überdurchschnittlich hohe Mengen könnten gesundheitliches Risiko bedeuten
Dennoch rät das BfR zur Vorsicht, denn auch wenn eine „akute Gesundheitsschädigung bei kurzfristiger Aufnahme für Erwachsene und Kinder unwahrscheinlich“ sei, könnte bei einem „längerfristigem Verzehr überdurchschnittlich hoher Mengen von Produkten mit den derzeit gemessenen mittleren und hohen Gehalten an Pyrrolizidinalkaloiden“ vor allem bei Kindern, Schwangeren und Stillenden ein gesundheitliches Risiko bestehen – sofern sich die ersten Daten der Untersuchung bestätigen würden.

„Kräutertees abwechselnd mit anderen Getränken konsumieren“
Als „überdurchschnittlich hoch“ könne laut dem BfR dabei eine Menge ab fünf Teebeuteln pro Erwachsenem und Tag gerechnet werden – daher sollten „Eltern ihren Kindern nicht ausschließlich Kräutertees und Tee anzubieten“ und „auch Schwangere und Stillende sollten Kräutertees und Tee abwechselnd mit anderen Getränken konsumieren“, so die Empfehlung des BfR. Zudem sollten laut BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel die PA-Gehalte möglichst gesenkt werden – dazu würden außerdem „Kontrollen der Kräutertee- und Teechargen vor der Vermarktung und eine Erforcchung der Ursache seitens der Wirtschaftsbeteiligten“ gehören, so die Mitteilung des Instituts weiter.

Pyrrolizidinalkaloide werden zum Schutz vor Fraßfeinden gebildet
Pyrrolizidinalkaloide sind so genannte „sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe“, die laut dem BfR von einer Vielzahl weltweit vorkommender Pflanzenarten zum Schutz vor Fraßfeinden gebildet werden. Das Vorkommen von PA unterscheidet sich dabei stark nach Pflanzenart und Teil der Pflanze und wird zudem von weiteren Faktoren wie z.B. dem Klima oder der Bodenbeschaffenheit beeinflusst. Pyrrolizidinalkaloide können potenziell gesundheitsschädlich sein und in hoher Dosierung zum Beispiel zu akuten Leberschädigungen führen – daher seien „insbesondere 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Lebens- und Futtermitteln gesundheitlich bedenklich“, so die Information des BfG.

Auch Honig kann belastet sein
Hierzulande gehören zu den entsprechenden Pflanzen zum Beispiel das Jakobskreuzkraut, das Gemeine Geiskraut oder der Natternkopf, aber auch Honig kann mit sekundären Pflanzenstoffen belastet sein. Dementsprechend „rät das BfR zu Abwechslung und Vielfalt bei der Auswahl von Lebensmitteln, um einseitigen Belastungen mit verschiedenen potenziell gesundheitsgefährdenden Stoffen, mit deren vereinzeltem Vorkommen in Lebensmitteln gerechnet werden muss, vorzubeugen“, so die Stellungnahme des Instituts.

Tee dennoch bewährtes Heilmittel
Auch wenn der übermäßige Verzehr von Kräutertee also möglicherweise langfristig gesundheitliche Risiken birgt, ist Tee in Maßen genossen ein wahrer Genuss und bieten zudem in vielen Fällen eine natürliche Hilfe im Bereich der Gesundheit, denn ja nach Inhaltsstoffen können die Tees beruhigend oder belebend wirken, Schmerzen lindern oder eine schonende Entgiftung des Körpers bewirken. So hat sich bereits in mehreren Studien bestätigt, dass Grüntee-Extrakte eine gesundheitsfördernde Wirkung haben und beispielsweise Darmkrebs vorbeugen können. Eine weitere Möglichkeit, Tee gesundheitsfördernd einzusetzen ist zudem die Zubereitung eines Magentee, der bei leichten Magenproblemen häufig für Linderung sorgt – wichtig ist hier allerdings, dass die Zutaten genau auf die jeweiligen Beschwerden abgestimmt werden und bei stärker werdenden bzw. wiederkehrenden Schmerzen in jedem Fall ein Arzt aufgesucht wird. (nr)

Bild: Dirk Schelpe / pixelio.de