Krebsexperte warnt vor Brustimplantaten

Heilpraxisnet

Krebsexperten schlagen Alarm bei Brustimplantaten

18.03.2015

Experten schlagen wegen der auffälligen Zunahme einer speziellen Krebsart bei Frauen mit Brustimplantaten Alarm. Die Gesundheitsbehörden in Frankreich prüfen nun ein generelles Verbot dieser Implantate. Eine vorsorgliche Entfernung wird derzeit nicht empfohlen.

Mehrere Krebs-Fälle in den letzten Jahren
Französische Gesundheitsbehörden prüfen laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP wegen der auffälligen Zunahme einer speziellen Krebsart bei Frauen mit Brustimplantaten ein generelles Verbot dieser Implantate. „Es gab einen ersten Fall 2011, dann zwei 2012, vier 2013 und elf 2014. Ein Mensch ist gestorben“, teilte der Vize-Direktor der französischen Behörde für Medikamentensicherheit (ANSM), François Hébert, der Zeitung „Le Parisien“ mit. Mit Blick auf die Brustimplantate fügte er hinzu: „Wenn wir Maßnahmen ergreifen müssen, wenn wir sie verbieten müssen, dann werden wir es tun.“

Neue Krebsart nur bei Frauen mit Brustimplantaten
Erst vor kurzem hatte das französische Krebsinstitut Alarm geschlagen. Experten hatten auf eine neue Krebsart hingewiesen, ein Lymphdrüsenkrebs (LAGC-AIM), der mit den Brustimplantaten in Verbindung gebracht wird. Wie „Le Parisien“ berichtete, gebe es weltweit schon 173 Fälle. Allerdings gebe es keinen einzigen Fall bei Frauen, die kein Brustimplantat haben. Experten sprechen sich demnach dafür aus, die neue Krankheit in die Liste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufnehmen zu lassen. Inzwischen werden in Frankreich Frauen und Ärzte auf das neue Risiko hingewiesen. „Wir sind besonders aufmerksam bei der Angelegenheit der Brustimplantate, weil die Gesundheit der Frauen auf dem Spiel steht“, erklärte Hébert. Für Ende März ist dazu eine Expertenrunde vorgesehen.

Schärfere Kontrollen seit Skandal
Die französischen Experten tauschten sich laut „Le Parisien“ auch mit ihren Kollegen in den USA aus. 14 der 18 Fälle in Frankreich sind der französischen Behörde für Medikamentensicherheit zufolge bei Prothesen einer bestimmten Firma aufgetreten. Allerdings hätten Kontrollen in deren Labors bisher keine Auffälligkeiten erbracht. Wie es heißt, sind die Kontrollen in Frankreich seit dem Skandal um die minderwertigen Brustimplantate der südfranzösischen Firma PIP verschärft worden. Das Unternehmen hatte weltweit hunderttausende Implantate verkauft, die mit billigem Industrie-Silikon und nicht dem eigentlich vorgesehenen Spezialsilikon gefüllt waren. Den Angaben zufolge reißen diese Kissen schneller und können Entzündungen auslösen.

Vorsorgliche Entfernung der Implantate wird nicht empfohlen
Bei den PIP-Implantaten konnte aber nie ein generell erhöhtes Krebsrisiko nachgewiesen werden. Der Skandal wurde durch den Fall einer Frau vom November 2011, die die nun untersuchte neue Krebsart hatte, ins Rollen gebracht. Auch in Deutschland sind tausende Frauen von dem Skandal betroffen. Obwohl bisher nur vergleichsweise wenige Fälle der neuen Krebsart aufgetreten sind, sind die Experten doch wachsam. Das französische Krebsinstitut schätzt derzeit das Risiko über einen Zeitraum von zehn Jahren auf ein bis zwei Frauen pro 10.000 Brustimplantate-Trägerinnen, die diese Krebsart entwickeln. In ihrer Expertise heben die Spezialisten zugleich hervor, dass sie im Moment eine vorsorgliche Entfernung aller Brustimplantate nicht empfehlen.

Unterart eines seltenen aber bösartigen Lymphdrüsenkrebses
Eine internationale Forschergruppe berichtete bereits im vergangenen Jahr nach Analyse zahlreicher weltweit verfügbarer Studien und Daten, dass Brustimplantate eine neue Unterart des seltenen, aber bösartigen Lymphdrüsenkrebses ALCL (Anaplastic Large Cell Lymphoma) auslösen können. ALCL betrifft in der Regel Lymphknoten in der Haut, der Lunge, der Leber und des Weichgewebes, nicht aber jene in der Brust. Im Brustbereich gibt es ALCL den Wissenschaftlern zufolge fast ausschließlich bei Patientinnen mit Brustimplantaten und entwickelte sich bei den Betroffenen rund zehn Jahre nach der Implantation. Die Tumore wuchsen dabei im Narbengewebe rund um das Implantat. Allerdings teilten die Forscher damals mit, dass die tatsächlichen Gründe, warum Implantate zu Lymphomen führen können, noch unklar seien. (ad)

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>Bild: Peter Smola / pixelio.de