Krebsforschung: Krebstumore konnten innerhalb von wenigen Tagen vernichtet werden

Alexander Stindt
Studie: In Mäusen wurden Tumore innerhalb von zehn Tagen vernichtet
Forschern gelang es jetzt leistungsfähige Nanodiscs zu entwickeln, welche einen individuell angepassten therapeutischen Impfstoff liefern können. Dadurch konnten krebsartige Tumore in Mäusen innerhalb von zehn Tagen zerstört werden. Auch eine späteres Wachstum wurde durch diese Art der Behandlung verhindert.

Die Wissenschaftler der amerikanischen University of Michigan stellten bei einer Untersuchung fest, dass durch die Verwendung von sogenannten Nanodiscs spezielle Impfstoffe effektiv zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden können. Bei Tests an Mäusen tötete diese Art der Behandlung krebsartige Tumore in einem Zeitraum von zehn Tagen ab und verhinderte auch ein späteres Wachstum. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Nature Materials“.

Krebs ist eine Erkrankung, welche nicht selten zum Tode der Betroffenen führt. Durch eine neue Behandlungsmethode mit sogenannten Nanodiscs könnten Tumore in Zukunft effektiver bekämpft werden. (Bild: vitanovski/fotolia.com)

Behandlung brachte bereits erste Erfolge bei Mäusen
Bei der aktuellen Untersuchung gab es bereits erste Erfolge an Mäusen. Mit Hilfe der Nanodisc-Technologie konnte effektiv ein Impfstoff für die Behandlung von Darm- und Melanomkrebstumoren geliefert werden, erklären die Forscher.

Nanodiscs helfen dem Immunsystem bei der Bekämpfung von Krebs
Im Grunde erziehen wir das Immunsystem mit diesen Nanodiscs dazu, dass es mit der Hilfe von Immunzellen die Krebszellen in einer personalisierten Weise angreift, erklären die Experten in einer Pressemitteilung. Die sogenannte personalisierte Immuntherapie ist ein sehr schnell wachsendes Forschungsgebiet im Kampf gegen den Krebs.

Behandlung nutzt Tumor-Neoantigene
Der therapeutische Krebsimpfstoff verwendet Nanodiscs, welche mit sogenannten Tumor-Neoantigenen beladen sind, sagen die Mediziner. Diese einzigartigen Mutationen können in Tumorzellen gefunden werden, erläutern die Experten. Durch eine Erzeugung von T-Zellen, welche diese spezifischen Neoantigene erkennen können, zielt die Technologie auf Krebsmutationen ab und hilft, die Krebszellen zu eliminieren und das Tumorwachstum zu verhindern, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Behandlung tötet Tumore innerhalb von zehn Tagen in Mäusen ab
Die Nanodisc-Technologie wurde bereits an Mäusen mit etablierten Melanomen und Darmkrebs-Tumoren getestet. Nach einer Impfung bekämpften 27 Prozent der T-Zellen im Blut der Mäuse die Tumore. In Kombination mit sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren, einer bereits bestehenden Technologie, tötete die Nanodisc-Technologie die Tumore innerhalb von zehn Tagen in der Mehrheit der Mäuse ab, erklären die Mediziner.

Erneutes Wachstum von Tumoren wird verhindert
Nach einem Zeitraum von 70 Tagen injizierten die Forscher den Mäusen erneut die gleichen Tumorzellen. Doch diesmal wurden die Tumore vom Immunsystem bekämpft und wuchsen nicht. Dies deutet auf eine langfristige Immunität hin, weil das Immunsystem sich sozusagen an die Krebszellen erinnert, erläutern die Wissenschaftler.

Ergebnisse sind sehr vielversprechend
Das Besondere an der Krebs-Immuntherapie ist, dass Tumore ohne eine systemische Toxizität beseitigt und deren zukünftiges Wachstum verhindert werden kann. Die aktuelle Studie hat bereits sehr vielversprechende Ergebnisse bei Mäusen produziert, sagen die Autoren.

Behandlung steigert Reaktion der T-Zellen und verbessert die Wirksamkeit
Die neue Technologie besteht aus extrem kleinen, synthetischen Lipoproteinen mit einer Dichte von etwa 10 Nanometern. Ein menschliches Haar hat zum Vergleich eine Breite von 80.000 bis 100.000 Nanometern, erläutern die Experten. Die Studie zeigt, dass die leistungsstarke Impfstoff-Technologie die Impfstoff-Komponenten effizient an die richtigen Zellen liefert. Dies führt zu einer gesteigerten Reaktion der T-Zellen und einer verbesserten Wirksamkeit, fügen die Wissenschaftler hinzu. Als nächster Schritt sollte die Nanodisc-Technologie an größeren Tieren getestet werden, so die Forscher weiter. (as)