Krebsgefahr: Sonnenbrand-Tattoos gefährden die Gesundheit

Sebastian
„Sunburnart“: Gefährlicher Trend zu Sonnenbrand-Tattoos
Viele Menschen lieben es zwar, sich zu Sonnen, wollen es aber in der Regel vermeiden, die Haut dabei verbrennen zu lassen. Doch seit einiger Zeit hat sich unter jungen Leuten der Trend zu sogenannter „Sunburnart“ verbreitet: Dabei legt man sich mit einer Schablone auf der Haut in die Sonne und lässt sich Muster in die Haut brennen. Das kann gefährlich werden.

Absichtlich die Haut verbrennen lassen
Zwar sind die Temperaturen derzeit teilweise so hoch, dass man die Sonne ohnehin besser meidet, doch an anderen Tagen lieben es die meisten Menschen, sich bräunen zu lassen. Gesundheitsexperten weisen in diesem Zusammenhang immer wieder darauf hin, dass man nicht beim Eincremen sparen sollte, da sonst die Gefahr besteht, sich die Haut zu verbrennen und jeder einzelne Sonnenbrand wird auf dem eigenen Haut-Konto addiert. Seit einiger Zeit hat sich aber ein Trend unter jungen Menschen breit gemacht, bei dem man sich absichtlich verbrennen lässt und zwar mit einer Schablone auf der Haut, so dass dort dann Muster oder Symbole wie etwa ein kleines Herzchen oder ein riesiges „Batman“-Logo „eintätowiert“ werden. Unter dem Hashtag „#sunburnart“ (Sonnenbrand-Kunst) werden dann Fotos der Ergebnisse veröffentlicht. Hautärzte warnen vor den Gesundheitsgefahren die sich dadurch ergeben.

Gefährlicher Trend: Sonnenbrand Muster. Bild: lavizzara-fotolia

Schablonen werden im Internet verkauft
„Den Trend stellt man spätestens dann fest, wenn man in Mallorca mal am Strand spazieren geht“, sagte der Dermatologe Prof. Thomas Dirschka aus Wuppertal laut einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa. „Man sieht immer mehr Menschen, die versuchen, sich über einen Sonnenbrand eine permanente Pigmentierung an der Haut zuzulegen.“ Entsprechende Schablonen werden beispielsweise von Anbietern wie „Funtantattoo“ über das Internet in Dutzende Länder verkauft. Dirschka erklärte, welche Schattenseiten der Trend mit sich bringt: „Das ist die entscheidende Frage, mit der wir zunehmend konfrontiert werden“, so der Mediziner. „Das Problem ist, dass es im Rahmen von solchen kräftigen Sonnenbränden auch zu Mutationen an genetischen Sequenzen kommt, die für die Unterdrückung von Tumor-Reaktionen verantwortlich sind.“

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Risiko für Hautkrebs wird erhöht
Er wies darauf hin, dass jeder Sonnenbrand das Risiko für Hautkrebs erhöhe. Selbst ein kleines Herzchen auf dem Bauch sei dabei nicht ausgenommen. „Viele sagen, ich mache das nur an Stellen, wo ich noch nie Sonne hingekriegt habe“, warnte Dirschka. „Da ist die Haut natürlich besonders reizbar. Zum Beispiel an den Unterarmen oder am Gesäß.“ Häme gibt es auf Twitter, wo Fotos der sogenannten Sonnenbrand-Tattoos kursieren. „Das ist nicht #sunburnart. Das ist Hautkrebs“, schreiben etwa US-Dermatologen in dem Kurznachrichtendienst. In manchen Fällen bekamen Menschen offenbar ganz unfreiwillig ein Sonnenbrand-Tattoo: „Sprüh-Sonnencreme im Wind aufzutragen, hat mir den idiotischsten Sonnenbrand überhaupt beschert“, so die Nutzerin Gretchen Eberl. „Die Leute müssen denken, ich unterstütze #sunburnart“.

Warum fügen sich Menschen freiwillig Schmerzen zu?
Dirschka hat auch eine Erklärung dafür, warum sich Menschen überhaupt freiwillig einen Sonnenbrand holen. „Die Haut ist natürlich eine soziokulturelle Projektionsfläche“, so der Dermatologe gegenüber der dpa. „Ich glaube, dass die Motive in die Richtung gehen, dass man versucht, eine Individualität zu erzeugen.“ Sonnenbrand-Symbole hätten in dieser Hinsicht etwas mit tatsächlichen Tattoos gemeinsam. Grünes Licht gibt es von Experten auch nicht für diejenigen, die sich eincremen, bevor sie sich mit der Schablone auf der nackten Haut in die Sonne legen. Zwar zeigt der UV-Index das Sonnenbrandrisiko, doch: „Es gibt keinen kompletten UV-Schutz“, erläuterte Dirschka. Man muss beim Sonnenschutz auf den Hauttyp achten. „Julio Iglesias kann den ganzen Tag mit nacktem Oberkörper in der Sonne sitzen – dem passiert nicht so viel. Aber wenn Boris Becker das Gleiche macht, hat er ein ganz hohes Risiko“, sagte Dirschka. „Aber ein dunkler Hauttyp bedeutet nicht, dass man das sorglos machen kann.“ Sonnenbrand-Tattoos bedeuten letztendlich eines: Grundloser Schmerz. „Natürlich tut das weh. Das ist blasig, das ist entzündet, das schwillt an, das dauert lange, bis es abheilt, dann brennt jedes Duschen hinterher“, erklärte der Dermatologe. „Warum jemand sowas macht, weiß ich nicht. Vernünftige Gründe scheint es dafür nicht zu geben.“ (ad)

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