Krebsmedikament stoppt Alzheimer

Fabian Peters

Vielversprechende Wirkung eines Krebsmittels gegen Alzheimer

13.02.2012

US-Forscher konnten durch eine Behandlung mit dem Krebsmedikament Bexaroten Alzheimer bei Mäusen stoppen. Die Wissenschaftler um Paige E. Cramer vom Department of Neurosciences an der Case Western Reserve University School of Medicine in Cleveland sprechen von einem Durchbruch in der Alzheimer-Behandlung.

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Der bereits zur Behandlung von Krebs zugelassene Wirkstoff Bexaroten hat innerhalb kürzester Zeit zu einer maßgeblichen Reduzierung der krankheitsauslösenden Eiweißablagerungen im Gehirn der Mäuse geführt und einen Rückgang der für Alzheimer typischen kognitiven Ausfälle bewirkt, schreiben die US-Forscher in dem Fachmagazin „Science“ der American Association of Cancer Research. Das Krebsmedikament zeigte bei den Mäusen eine gute Wirksamkeit gegen Alzheimer, die auf ähnliche Erfolge bei menschlichen Alzheimer-Patienten hoffen lassen, so die Aussage der US-Wissenschaftler.

Wirkstoff Bexaroten reduziert schädliche Eiweiß-Plaques im Gehirn
Im Rahmen ihrer Studie hatten die US-Forscher die Wirkung des Krebsmedikaments Bexaroten auf die Symptome einer Alzheimer-Erkrankung bei Mäusen untersucht. Dabei stellten sie fest, dass der Wirkstoff die sogenannten Plaques (Eiweißablagerungen im Gehirn, die für Alzheimer verantwortlich gemacht werden) innerhalb von nur 72 Stunden um mehr als 50 Prozent reduziert. Nach einer zweiwöchigen Behandlung mit dem Krebsmedikament wiesen Tiere einen um 75 Prozent reduzierten Anteil der Amyloid-Plaques auf, wodurch ein weiterer Abbau der Gehirnmasse verhindert und die Ausbreitung der Alzheimer-Erkrankung gestoppt werden konnte. Da die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen durch den Abbau der Plaques schon in den ersten Stunden nach der Einnahme deutlich verbessert wurde, nahmen auch die geistigen Fähigkeiten der Tiere in kürzester wieder wesentlich zu. Bexaroten stimulierte „die schnelle Aufhebung der kognitiven, sozialen und olfaktorischen Defizite und verbesserte die neuronale Schaltkreis-Funktion“, schreiben die Forscher um Paige E. Cramer. Nur 72 Stunden nach der ersten Verabreichung von Bexaroten, konnten die Mäuse bereits wieder Nester aus Papierschnipseln bauen und absolvierten Gedächtnistests ähnlich gut wie gesunde Tiere, so die Aussage der US-Forscher.

Einzigartige Effektivität des Wirkstoffs bei der Alzheimer-Behandlung
Nach Ansicht von Paige E. Cramer sind die aktuellen Ergebnisse „ein beispielloser Fund“, denn eine vergleichbar schnelle und effektive Wirkung, sowohl in Bezug auf die Reduzierung der Plaques, als auch in Bezug auf die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit, sei bisher einzigartig. Die bis dato besten Alzheimer-Medikamente, konnten erst nach Monaten einen Effekt auf die Eiweiß-Plaques im Gehirn entfalten und zeigten keine mit Bexaroten vergleichbare Wirkung, schreiben die US-Forscher. Das Krebsmedikament wirke auf eine Andockstelle im Zellkern, welche ihrerseits die Produktion des Apolipoprotein E (ApoE) beeinflusst. Dieses ApoE-Protein übernimmt im Gehirn eine wesentliche Funktion bei der Beseitigung schädlicher Eiweißplaques. Alzheimer-Patienten weisen in der Regel einen gestörten Abbau der Amyloid-Plaques auf, weshalb sich Ablagerungen im Gehirn bilden, die langfristig zu den schwerwiegenden Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit führen. Bexaroten erhöht nach Ansicht der US-Forscher durch seine Wirkung auf die Andockstelle im Zellkern die ApoE-Produktion und ermöglicht so eine erfolgreiche Behandlung der Alzheimer-Symptome – zumindest bei Mäusen. Da das Mittel die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, sei es auch dazu in der Lage, seine Wirkung direkt im Gehirn zu entfalten.

Weitere Forschungen zur Alzheimer-Behandlung mit Bexaroten erforderlich
Ob das seit dem Jahr 2002 in Deutschland zur Behandlung von Krebs (insbesondere bestimmten Formen von Lymphdrüsenkrebs) zugelassene Bexaroten auch bei Menschen eine erfolgreiche Alzheimer-Behandlung ermöglicht, ist laut Aussage der Forscher bislang nicht geklärt. Allerdings seien die Ergebnisse bei den Mäusen durchaus vielversprechend. Auch bestünden generell weniger Bedenken gegenüber dem bereits als Krebsmedikament bekannten Wirkstoff, als gegenüber völlig neuen Substanzen. Denn die Nebenwirkungen und Risiken bei Bexaroten seien bereits bekannt und relativ überschaubar. So hoffen die Forscher auf die zeitnahe Zulassung einer klinische Studie zu den Möglichkeiten der Alzheimer-Behandlung mit Bexaroten beim Menschen. „Vieles deutet darauf hin, dass dieser Ansatz in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit erfolgreich sein könnte“, begründete der Co-Autor Daniel Wesson von der Case Western Reserve University School of Medicine den Bedarf nach weiteren Forschungen. (fp)