Krebsrisiko durch Quecksilber: Mehrere Untersuchung der Böden im Umfeld der Erdgasförderplätze

Fabian Peters
Erdgasförderung Ursache für erhöhte Quecksilber-Belastung und vermehrte Krebserkrankungen?
Nachdem eine Auswertung der Daten des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) im vergangenen Jahr deutlich vermehrte Krebserkrankungen in der Gemeinde Bothel im Landkreis Rotenburg festgestellt hatte und hier ein Zusammenhang mit der Freisetzung von Quecksilber bei der Erdgasförderung vermutet wurde, sollen nun die Böden im Umfeld der Erdgasförderstätten eingehend auf mögliche Schadstoffbelastungen untersucht werden.

Am Montag hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) laut Mitteilung des „Norddeutschen Rundfunks“(NDR) mit der Untersuchung der Böden im Landkreis Rotenburg begonnen. Sieben Proben seien im Umfeld der Förderstätte bei Bothel genommen worden. Die Proben werden nun auf Schadstoffe wie Quecksilber, Blei, Benzol und Dioxinen untersucht, berichtet Björn Völlmar vom LBEG gegenüber dem „NDR“. Auch werde nach Spuren von Radioaktivität in der Nähe der Bohrstellen gefahndet. Die Bodenuntersuchungen hatten das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie das Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz beauftragt. Die Untersuchungen beschränkten sich dabei nicht auf die Gemeinde Bothel, sondern insgesamt sollen an 200 der 455 niedersächsischen Förderstellen Proben genommen werden, so die Mitteilung des „NDR“. Im Herbst können voraussichtlich die ersten Ergebnisse vorgelegt werden.

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Der Boden im Umfeld der niedersächsischen Erdgasförderstellen wird auf Belastungen mit Quecksilber und anderen Schastoffen untersucht. (Bild: goghy73/fotolia.com)

Systematische Untersuchung der Böden im Umfeld der Erdgasförderung
Für die Bodenuntersuchungen werden im Umfeld der Förderstellen Bodenproben aus bis zu 30 Zentimeter Tiefe genommen, die anschließend im Labor untersucht werden können. Sollten an einer Stelle erhöhte Werte auftreten, „dann werden wir dort sofort mit weiteren Detail-Untersuchungen beginnen“, erläutert Björn Völlmar. „Die Sorgen der Bürger werden sehr ernst genommen“, ergänzt der LBEG-Präsident Andreas Sikorski in dem Beitrag des „NDR“. Kathrin Otte vom Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke betont indes, dass die systematische Untersuchung der Förderplätze ein längst überfälliger Schritt sei. Erst die erhöhten Krebsraten in Bothel haben die Behörden zu diesem veranlasst. Das EKN hatte bei Männern in Bothel ein deutlich gehäuftes Auftreten von Leukämien und Lymphomen festgestellt. Dem „NDR“ zufolge wurden auch in der angrenzenden Kreisstadt Rotenburg kürzlich erhöhte Krebsrate nachgewiesen. Inwiefern ein Zusammenhang mit den Erkrankungen in Bothel besteht, ist allerdings noch unklar. Die laufenden Untersuchungen sollen hier Aufschluss über die Ursachen der erhöhten Krebsraten bringen.

Weitere Bodenproben werden laut Angaben des „NDR“ in den kommenden Monate auch in den Landkreisen Aurich, Celle, Cloppenburg, Diepholz, Emsland, Grafschaft Bentheim, Heidekreis, Leer, Nienburg, Oldenburg, Vechta und Verden sowie in der Stadt Emden und der Region Hannover genommen. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden dabei mit Spannung erwartet, zumal hier gegebenenfalls umfassende Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung über Jahre hinweg unbeachtet blieben. (fp)