Krebsrisiko steigt mit jedem Schluck Alkohol

Fabian Peters

Krebsrisiko steigt durch Alkohol

29.11.2011

Mit jedem Glas Alkohol steigt das Krebsrisiko. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist in einer aktuellen Pressemitteilung darauf hin, dass sich bereits ab einer täglichen Dosis von zehn Gramm Alkohol bei Frauen und 20 Gramm Alkohol bei Männern, die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung deutlich erhöht.

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Der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge wären bei Männern 90 Prozent und bei Frauen 50 Prozent der alkoholbedingten Krebserkrankungen und -todesfälle vermeidbar, wenn die Dosis von maximal zehn (Frauen) beziehungsweise zwanzig Gramm (Männer) täglich eingehalten würde. Zehn Gramm Alkohol stecken laut Aussage der DGE zum Beispiel in einem Glas Bier, Wein oder Schnaps. Die DGE basiert ihre Aussagen auf eine aktuelle Übersichtsstudie, die die Ergebnisse mehrerer Meta-Analysen zu den potenziell durch Alkohol bedingten Krebserkrankungen zusammenfasst. Demnach ist Alkohol schätzungsweise für zehn Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und für drei Prozent bei Frauen verantwortlich, erläutert Ernährungswissenschaftlerin Angela Bechthold in der Pressemitteilung der DGE.

Krebsrisiko steigt parallel zum Alkoholkonsum
Die DGE-Experten berichten von einer aktuellen Übersichtsstudie (C. Pelucchi, I. Tramacere, P. Boffeta et al. : Alcohol consumption and cancer risk. Nutrition and Cancer), derzufolge „bei allen untersuchten Krebslokalisationen eine Dosis-Wirkungsbeziehung“ besteht und das Krebsrisiko parallel zur aufgenommen Menge Alkohol steigt. So erhöht sich laut Aussage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zum Beispiel das „Brustkrebsrisiko pro zehn Gramm Alkohol pro Tag um jeweils sieben Prozent.“ Der DGE zufolge liegen die Referenzwerte der „noch tolerierbaren Zufuhrmenge“ bei „20 Gramm Alkohol pro Tag für gesunde Männer und zehn Gramm pro Tag für gesunde Frauen.“ Allerdings seien diese Angaben „keinesfalls als Empfehlung zu verstehen, täglich Alkohol zu trinken.“ Grundsätzlich gilt für Frauen während der Schwangerschaft oder Stillzeit ein Verzicht auf Alkohol als unerlässlich, um die ungeborenen Kinder „keinen unnötigen Gesundheitsrisiken auszusetzen“, erklärte die DGE-Expertin Angela Bechthold. Zudem sollten laut Aussage der Ernährungswissenschaftlerin „Kinder, Jugendliche, Suchtgefährdete, Personen mit Leberschäden sowie Personen, die Arzneimittel einnehmen, ebenfalls keinen Alkohol trinken.“

Massive Gesundheitsrisiken durch regelmäßige Alkoholkonsum
Zwar bestehen durchaus auch Hinweise auf eine positive Wirkung des moderaten Alkoholkonsums, zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, doch insgesamt überwiegen die negativen gesundheitlichen Folge deutlich, betonte die DGE-Expertin Bechthold. Der aktuellen Übersichtsstudie zufolge gehen mit regelmäßigem Alkoholkonsum zum Beispiel Beeinträchtigungen der Muskelleistung sowie Schädigungen der Nerven und Organe (Leber, Bauchspeicheldrüse) einher. Zudem begünstige Alkohol die Entstehung von Übergewicht, psychischen Störungen und Krebskrankheiten, so die Aussage der DGE. Dabei sei schon mit einer Menge von nur zehn Gramm Alkohol am Tag ein deutlich erhöhtes Risiko für Mund-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs verbunden. Je mehr Alkohol konsumiert wird, umso höher liegt hier auch das Krebsrisiko. Insgesamt erhöht sich das Krebsrisiko bei täglich vier oder mehr Drinks (ein Drink enthält 10 Gramm Alkohol) um 400 Prozent, wobei das Kehlkopfkrebsrisiko um etwa 150 Prozent steigt, das Bauchspeicheldrüsenkrebs Risiko um 20 Prozent und das Dickdarm- und Brustkrebsrisiko jeweils um 50 Prozent. Hinzu kommt laut DGE das schon bei einem Drink am Tag um 20 bis 30 Prozent erhöhte Risiko für Mund-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs. Darüber hinaus steigt mit dem Alkoholkonsum auch das Leberkrebs-Risiko, so das Ergebnis der aktuellen Übersichtsstudie. Am besten sollte daher der DGE zufolge gänzlich auf Alkohol verzichtet werden, denn nicht ohne Grund stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alkohol als eines der zehn weltweit bedeutendsten Gesundheitsrisiken ein.

Gesundheitsgefährdende Entwicklung des Alkoholkonsums bei Heranwachsenden
Wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrer aktuellen Pressemitteilung weiter erklärt, liegt in Deutschland zwar die durchschnittliche Alkoholzufuhr „sowohl bei Männern als auch bei Frauen im Bereich der tolerierbaren Menge“, doch rund jeder vierte Mann und jede sechste Frau nimmt mehr als die tolerierbare Alkoholmenge täglich auf. Zudem verweist die DGE auf Mitteilungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), denen zufolge „sich bei vielen Jugendlichen bis zum Alter von 16 und 17 Jahren ein Konsumverhalten entwickelt, das selbst bei Erwachsenen als gesundheitsgefährdend einzustufen ist.“ So konsumiere bei den 18- bis 25-Jährigen etwa jeder fünfte männliche und jede zehnte weibliche junge Erwachsene gesundheitlich riskante Alkoholmengen. Besonders kritisch ist laut Aussage der DGE zudem das Zusammenspiel von Alkohol und Tabak, da sich die beiden Risikofaktoren gegenseitig in ihrer krebsfördernden Wirkung verstärken. (fp)