Krebstherapien: Experten könnten einiges von Elefanten lernen

Fabian Peters
Schlummert in Elefanten das Heilmittel gegen Krebs?
Jeder hat schon gehört, dass Elefanten nichts vergessen. Aber nur die wenigsten Menschen wissen, dass Elefanten fast nie Krebs bekommen. Nur 4,8 Prozent aller bekannten Todesfälle bei diesen Dickhäutern sind auf Krebs zurückzuführen. Im Vergleich dazu liegt dieser Wert bei Menschen viel höher. Zwischen zehn Prozent und 25 Prozent der menschlichen Todesfälle werden durch Krebs verursacht.

Die niedrige Krebsrate bei Elefanten ist sehr erstaunlich. Eigentlich müssten die Tiere öfter Krebs bekommen als wir Menschen. Der Grund dafür ist, dass Elefanten viel größer als Menschen sind. Das bedeutet, sie haben etwa hundertmal mehr Zellen als der menschliche Körper. Und die Tiere werden sehr alt, nicht selten 70 Jahre oder mehr. Im Laufe dieser langen Lebensdauer gibt es für eine große Menge von Zellen viele Chancen bösartig zu mutieren.

Bestimmte Gene schützen Elefanten vor Krebs. (Bild: donvanstaden/fotolia.com)
Bestimmte Gene schützen Elefanten vor Krebs. (Bild: donvanstaden/fotolia.com)

Studie deckt auf: Elefanten mit besonderem Schutz vor Krebs
Seit Jahren versuchen Wissenschaftler herauszufinden, warum Elefanten und andere große Säugetiere nicht häufiger Krebs bekommen als kleinere Säugetiere. Es gibt sogar einen eigenen Namen für dieses Problem – Peto Paradoxon. Jetzt ist es Wissenschaftlern gelungen, das Geheimnis der Dickhäuter zu lüften. In dem Fachmagazin „Journal of the American Medical Association“ JAMA wurde diese Woche eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht. Wissenschaftler deckten auf, dass Elefanten zwanzig Kopien eines Gens mit dem Namen TP53 haben. Dieses Gen wird von Krebsforschern wegen einer speziellen Eigenschaft besonders geschätzt: Es hat die Fähigkeit ein Protein zu produzieren, das Tumore unterdrückt. Menschen besitzen von diesem Gen lediglich eine Kopie. Das entscheidende Gen schützt Zellen auf zwei Arten vor Krebs. Wenn DNA-Schäden auftreten bewirke TP53, dass die Zellteilung anhält. Hierdurch sei es dem Körper möglich die beschädigte DNA zu reparieren, erklärte Dr. Joshua Schiffman, Co-Autor der Studie, vom „Huntsman Cancer Institute“ in Salt Lake City.

Menschen mit defekten Tp53 Gen erkranken mit Sicherheit an Krebs
Jeder Mensch erbt zwei dieser TP53 Gene. Ein Gen von der Mutter. Das zweite Gen wird vom Vater vererbt. Beide Gene müssen intakt sein und funktionieren. Sollte eines dieser Gene defekt sein wird mit Sicherheit früher oder später eine Krebserkrankung ausgelöst.

Krebserkrankungen bei Elefanten betragen unter fünf Prozent
Schiffman überlegte nun, ob Elefanten vielleicht so selten Krebs bekommen, weil sie durch viel mehr TP53 Gene geschützt werden. So stellte er ein Team zusammen und begann zu diesem Thema eine Studie durchzuführen. Als erstes war es wichtig herauszufinden, wie selten Krebs bei Elefanten wirklich ist. Diese Informationen bezog das Forscherteam aus der Elefanten Enzyklopädie. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von Informationen über in Gefangenschaft lebende Dickhäuter auf der ganzen Welt. Die Datenbank enthält Details über die Tode von 644 Elefanten. Die Forscher berechneten nun, dass nur ungefähr 3,11 Prozent der Elefanten an Krebs erkrankt waren, als sie verstorben sind. Nun wurde zusätzlich jeder Fall mit ungeklärter Todesursache ebenfalls dem Krebs zugerechnet. Das Ergebnis erhöhte sich nur minimal und betrug 4,81 Prozent.

Elefantenzellen regenerieren sich nicht schneller als die des Menschen
Der nächste Schritt war es, die Genome des afrikanischen Elefanten genauer zu betrachten. Die Forscher stellten fest, dass diese Elefanten zwanzig Kopien des TP53 Gens besaßen. Nun wurde ermittelt, ob diese Gene der Grund waren, dass Dickhäuter so selten Krebs bekommen. Die Mediziner sammelten weiße Blutkörperchen von Menschen und Elefanten. Diese wurden extremer Strahlung ausgesetzt, dadurch zerbrach ihre DNA. Die Forscher erwarteten, dass sich durch die vermehrte Anzahl von TP53 Genen die Elefantenzellen schneller regenerieren würden. Überraschenderweise war dies nicht der Fall.

Elefantenzellen regenerieren nicht, sie zerstören sich selbst
Stattdessen beobachteten Schiffmann und seine Kollegen, dass die Zellen der Elefanten mit einer viel höheren Rate als die menschlichen Zellen starben. Ein Teil der Strategie von TP53 ist es, dass beschädigte Zellen sich selbst zerstören. So ist es ihnen unmöglich, potenziell schädliche Mutationen weiterzuentwickeln. Die Taktik der Elefanten scheint plausibel zu sein. Krebs ist so gefährlich, dass es nicht riskiert werden kann, beschädigte DNA zu reparieren. Der beste Weg sei es, eine infizierte Zelle komplett zu zerstören, um Krebs zu verhindern. So würde es keine Möglichkeit geben, dass sich der Krebs weiter ausbreitet oder mutiert, erklärte der Mediziner Schiffman. In einem anderen Experiment fanden die Forscher heraus, dass bestrahlte Elefantenzellen sich mit doppelter Geschwindigkeit gegenüber menschlichen Zellen mit intakten TP53 Genen zerstören. Wenn man beim Menschen defekte TP53 Gene zum Vergleich nimmt, ist zu erkennen, dass die Selbstzerstörungsrate bei Elefantengenen mehr als fünf mal so schnell ist.

Neues Medikament nach dem Vorbild von TP53 könnte vor Krebs schützen
Diese ganzen Fakten führen zu dem Schluss, dass diese zusätzliche Kopien von TP53 sich im Laufe der Evolution entwickelt haben, um Elefanten vor Krebs zu schützen. Um diese These wirklich zu belegen müsste man aber erst einen Elefanten ohne TP53 Gene schaffen. Nur so könne man sehen ob dieser Elefant anfälliger gegenüber Krebs wäre, erklärte Dr. Schiffman. Der Mediziner berichtete weiter, dass man die Ergebnisse der Studie nutzen möchte um Krebspatienten zu helfen. Eine Möglichkeit wäre es ein Medikament zu entwickeln, das die Aktionen von TP53 nachahmt. (as)