Krebstumore in Zukunft mit fokussiertem Ultraschall therapierbar?

Fabian Peters
Fokussierter Ultraschall bietet neue Hoffnung bei der Behandlung von Tumoren
Die Behandlung von bösartigen Leberzell- und inoperablen Bauchspeicheldrüsentumoren sowie gutartigen Gebärmuttertumoren mit hoch-intensivem fokussierten Ultraschall könnte die Therapieaussichten der Betroffenen in Zukunft deutlich verbessern, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) habe das Potential erkannt und nun für die Ultraschall-Behandlung von Gebärmuttermyomen und Lebertumoren ein Bewertungsverfahren gestartet.

Die DEGUM begrüßt das eingeleitet Bewertungsverfahren durch den G-BA ausdrücklich, fordert jedoch darüber hinaus die Anerkennung anderer sinnvoller Einsatzgebiete des hoch-intensiven fokussierten Ultraschalls wie beispielsweise bei symptomatischem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Mit dem fokussierten Ultraschall könne die Behandlung der genannten Tumorarten in Zukunft deutlich verbessert werden, so die Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin.

Hoch-intensiver fokussierter Ultraschall könnte die Behandlungsoptionen bei inoperablem Leberkrebs künftig deutlich verbessern. (Bild: blueringmedia/fotolia.com)

Unterschied zum diagnostischen Ultraschall
Hoch-intensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) erzeugt im Unterschied zum diagnostischen Ultraschall viel höhere Energien, die auf wenige Millimeter große Körperstelle fokussiert werden können. Der Ultraschallkopf bündelt die hochenergetischen Schallwellen, was eine therapeutische Anwendung ermöglicht. „Durch den hoch-intensiven fokussierten Ultraschall entstehen Temperaturen von bis zu 80 Grad, wodurch Tumorzellen effektiv abgetötet werden können“, erläutert der DEGUM-Experte Professor Dr. med. Holger Strunk von der Radiologischen Universitätsklinik Bonn.

Bewertungsverfahren des G-BA
Die Bewertung durch den G-BA ist Voraussetzung für die Aufnahme einer neuen Behandlungsmethoden in den Leistungskatalog der Krankenkassen. So werden die Kosten für eine Behandlung mit dem hoch-fokussierten Ultraschall erst nach Abschluss des Bewertungsverfahrens für das jeweilige Einsatzgebiet übernommen. Bei Gebärmuttermyomen und Lebertumoren könnte dies möglicherweise schon bald der Fall sein. Doch sieht der „G-BA leider nur zwei der beantragten Einsatzgebiete des Ultraschall-gesteuerten hoch-intensiven fokussierten Ultraschalls (USg-HIFU) als vielversprechend an“, so der DEGUM-Experte Professor Strunk.

Aussichtsreiches neues Therapieverfahren
„Der hoch-intensive fokussierte Ultraschall ist ein aussichtsreiches Verfahren, mit dem diese Tumorarten, ganz ohne Operation behandelt werden können“, erläutert Professor Strunk, Oberarzt in der Radiologischen Universitätsklinik Bonn. Den Angaben des Experten zufolge hat sich die Methode in vielen klinischen Studien, vorwiegend aus dem ostasiatischen Raum, als sicher, wirksam und in der klinischen Anwendung praktikabel erwiesen. In Deutschland sei das Verfahren allerdings erst seit 2014 verfügbar, weshalb hier momentan noch ein Mangel an Studienerkenntnissen vorliege. „Wir benötigen dringend mehr finanzielle Unterstützung für weitergehende, deutsche oder europäische Untersuchungen zu der Methode“, so Prof. Strunk.

Nicht-invasive Behandlung bei Tumoren
Ein wesentlicher Vorteil des fokussierten Ultraschalls ist laut Aussage des Experten, dass im Gegensatz zu einem chirurgischen Eingriff, der zum Beispiel meistens bei der Behandlung von gutartigen Gebärmuttergeschwülsten erfolge, kein Schnitt notwendig ist. Auch würden keine Sonden, Nadeln oder Instrumente in den Körper eingebracht. Laut Professor Strunk gehen die Mediziner „nach aktuellem Kenntnisstand davon aus, dass das umgebende Gewebe durch dieses Ultraschallverfahren geschont wird, so dass es auch bei Kinderwunsch eingesetzt werden kann.“ Bei nicht operablen Leberzelltumoren biete die Methode den Vorteil, dass sie sogar dann angewendet werden kann, „wenn der Tumor direkt an größere Gefäße angrenzt – denn diese werden dadurch nicht verletzt“, so Strunk.

Einsatz auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs möglich?
Der DEGUM-Experte bedauert, dass der G-BA für andere Einsatzgebiete des fokussierten Ultraschalls kein Potential gesehen hat, obwohl die neue Methode beispielsweise auch für den symptomatischen Bauchspeicheldrüsenkrebs einen Nutzen habe. So sei in Studien nachgewiesen worden, „dass Patienten, die auf diesem Wege behandelt wurden, eine verbesserte Lebensqualität und auch eine potentiell verlängerte Lebenszeit hatten.“ (fp)