Kritik: Zu viel Zucker in Hipp Kinder-Instant-Tees

Sebastian

Foodwatch: Zu viel Zucker in Hipp Instant-Tee, der auch für Kleinkinder beworben wird

09.05.2012

Betreibt der größte Hersteller von Babynahrung eine Irreführung von Konsumenten? Das jedenfalls wird dem Konzern Hipp seitens der Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ vorgeworfen. Die Verbraucherschützer werfen dem Produzenten von Kindernahrungsmitteln vor, bei der Vermarktung von Instant-Tee für Kinder Eltern in Irre zu führen. Der Tee wird als Durstlöscher angeboten, enthalte aber Zuckergranulat und müsste somit nach Meinung der Verbraucherschützer als Süßware und nicht als regulärer Durstlöscher eingestuft sein.

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Instant-Tee sollte als Süßigkeit und nicht als Durstlöscher beworben werden
„Das beste aus der Natur. Das beste für die Natur. Hipp, dafür stehe ich mit meinem Namen.“ Dieser bekannte Werbeslogan soll Eltern Vertrauen in die Kinderlebensmittel des Unternehmens vermitteln. Nun aber sieht sich der Konzern massiver Kritik seitens der Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ ausgesetzt. Die Initiative wirft „Hipp“ vor, bei der Vermarktung des Instant-Tees für Kleinkinder Verbraucher in die Irre zu leiten. So wird ein Kindergetränk als „Durstlöscher“ beworben, obwohl Zuckergranulate enthalten sind. Nach Ansicht der Verbraucherschützer müsste aber das Kinderprodukt als Süßigkeit eingestuft sein. Hipp bewirbt den Tee auf Instant-Basis mit enthaltenen Zuckerarten als „erfrischenden und aromatischen Durstlöscher“, der bereist ab dem 12. Lebensmonat getrunken werden könne.
Der AID Infodienst, der vom Bundesernährungsministerium gefördert wird, stuft jedoch Instant-Tees als Süßware ein. Solche Tees sollten deshalb eben nicht als „Durstlöscher“ verwendet werden, sondern nur in Ausnahmefällen und in geringen Mengen, warnt daher Foodwatch.

Bis zu 96 Prozent aus Zucker
Das Sortiment des Herstellers ist groß. Es werden unterschiedliche Geschmacksrichtungen angeboten. So gibt es die Tees beispielsweise mit „Apfel-Melisse“, „Waldfrüchte“ oder „Früchte“ zu kaufen. Das Granulat bestehe dabei je nach Sorte zwischen 94 und 96 Prozent aus unterschiedlichen Zuckersorten, wie eine Foodwatch-Sprecherin berichtet. Diesen Umstand könnten aber Eltern auf den Nährwertangaben der Verpackungen nicht erkennen. Bei sachgemäßer Handhabung und nach Zubereitungsangaben des Herstellers würde das Getränk dann je 200 Milliliter Tee etwa 7,6 Gramm Zucker enthalten. Viel zu viel für eine gesunde Ernährung eines Kleinkindes, wenn es regulär getrunken wird, um den Durst zu löschen, meinen auch Lebensmittelexperten. Bis vor einiger Zeit seien die Hipp-Tees sogar für Kinder ab dem achten Lebensmonat beworben worden, berichten die Verbraucherschützer. So wirbt das Unternehmen für den Apfel-Melissen-Tee mit dem Slogan „Fruchtig und erfrischendes Getränk für Babys, Klein- und Schulkinder“ und es sei bereits „fertig gesüßt“.

Hipp wehrt sich gegen Kritik
Der Lebensmittelhersteller Hipp lässt die Kritik nicht gelten. Die benannten Produkte würden im Vergleich zu anderen im Handel angebotenen Kindertees ausschließlich „natürliche Kräuter- und Fruchtextrakte verwenden“, wie das Unternehmen am Mittwoch in einer Stellungnahme erklärte. Zudem würden die Tees keine zusätzlichen „künstlichen Aromen“ oder für die Zähne schädigende Säuren, wie etwa Zitronensäure enthalten. Ein Konzernsprecher betonte, Hipp würde die gesetzlichen Vorgaben Kindertees einhalten. Im Vergleich zu anderen Getränken, die auch für kleine Kinder als Durstlöscher beworben werden, wie z.B. gespritzte Fruchtsäfte, weise Hipp Kindertee nur einen geringen Zuckergehalt auf.

Vertreter von „Foodwatch“ sehen das gänzlich anders. Der Konzern würde die Tees, die auch für Kleinkinder ab dem ersten Geburtstag geeignet sein sollen, auf eine Stufe mit Mineralwasser stellen. "Tatsächlich handelt es sich bei den Instant-Tees um Zuckergranulat, das mit Tee-Extrakt versetzt ist. Pro Tasse (200 Milliliter) enthält der fertige Tee umgerechnet rund zweieinhalb Stück Würfelzucker. Als Durstlöscher für Kinder empfehlen Experten dagegen nur ungesüßte Tees und Wasser", so Foodwatch. Als Ausnahme könnten auch stark verdünnte Säfte für Kinder verwendet werden, mahnen zudem die Verbraucherschützer. Die Werbestrategien des Lebensmittelkonzerns für Kindernahrung stehen „im Gegensatz zu allen gängigen Empfehlungen für Kinderernährung“ kritisiert Markwardt. Diese würden nicht zu den „offensiv vorgetragenen Verantwortungsbekundungen des Unternehmenschefs" passen. Schließlich würden viele Eltern ein hohes Vertrauen in das Unternehmen setzen und sich auf die Aussagen des Konzernchefs Jürgen Hipp verlassen.

Protestaktion gegen Hipp Instant-Tee
Mit Hilfe einer Mailaktion sollen Eltern gegen die Praxis des Unternehmens protestieren. Auf der Seite „Abgespeist.de“ können Verbraucher Hipp auffordern, den Instant-Tee in der jetzigen Zusammensetzung aus dem Handel zu nehmen. Schließlich seien „Tees mit Zucker für Kleinkinder so überflüssig, wie ein fünftes Rad am Wagen“. Nach Ansicht von Anne Markwardt von Foodwatch gebe es eine simple Alternative: „Man nehme einen Teebeutel und gieße ihn mit kochendem Wasser auf.“ (sb)

Bild: Ruth Rudolph / pixelio.de