Kritiker fordern die Abschaffung der Zusatzbezeichnung Homöopathie

Alfred Domke

Zusatzbezeichnung Homöopathie soll abgeschafft werden

Während manche Menschen Homöopathie geradezu vergöttern, bezeichnen Kritiker die Behandlungsmethode als Scharlatanerie beziehungsweise „esoterische Heilslehre“. Experten fordern nun die Abschaffung der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“.


Wirkt Homöopathie?

Homöopathie – Heilung oder Humbug? Diese Frage spaltet Anhänger und Kritiker des von Samuel Hahnemann begründeten Heilverfahrens seit Jahren. Wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit der kleinen weißen Kügelchen sind kaum zu finden. Zwar weisen manche Mediziner darauf hin, dass Homöopathie laut Studien beispielsweise bei Schmerzen wirksam ist, doch ein australisches Forscherteam stellte in einer Untersuchung fest, dass solche Präparate nicht besser als Placebos wirken. Deutsche Kritiker setzen sich nun dafür ein, dass Ärzte künftig nicht mehr mit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ werben können.

Befürworter und Kritiker streiten seit Jahrzehnten über die Wirksamkeit von Homöopathie. Nun gibt es neuen Zündstoff: Experten fordern die Abschaffung der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ für Ärzte. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Anhänger versus Kritiker

Das Thema Homöopathie spaltet die Gemüter.

Anhänger der vor über 200 Jahren von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) begründeten Heilslehre sind fest überzeugt von den therapeutischen Erfolgen der extrem verdünnten Wirkstoffe, die über Globuli, Pillen oder Lösungen verabreicht werden.

Sie sprechen von einer ganzheitlichen Methode ohne Nebenwirkungen, die oft sogar helfe, wenn die Schulmedizin keine Lösung mehr hat.

Außerdem verweisen sie darauf, dass die Wirksamkeit der Homöopathie durch Studien belegt sei.

Dies habe unter anderem mit dem sogenannten Placebo-Effekt zu tun – der Glaube an die Wirkung allein wirkt. Zudem gehen Homöopathen meist intensiv auf ihre Patienten ein.

Menschen möchten an Wunder glauben

Kritiker sprechen jedoch von fehlenden wissenschaftlichen Belegen zur Wirkung der Homöopathie. Anwendern sind diese aber häufig egal: Ihnen sind Erfahrungen wichtiger als Studien.

„Menschen möchten an Wunder glauben“, meint auch Dr. Natalie Grams. Die Ärztin, die eine homöopathisch ausgerichtete Praxis betrieben hatte und ein kritisches Buch über Homöopathie („Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft“) verfasste, sagte in einer kritischen Diskussion mit „Heilpraxisnet“:

„Menschen neigen nicht unbedingt in erster Linie zur Rationalität. Wir glauben gerne an Wunder, wir finden tolle Versprechungen anziehender als kritisches Denken und konsequentes Hinterfragen – wir alle. “

Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ soll abgeschafft werden

Der seit Jahren andauernde Streit um Anwendung und Wirksamkeit von Homöopathie hat nun neuen Zündstoff erhalten.

Denn Kritiker möchten erreichen, dass Ärzte die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ nicht mehr auf dem Praxisschild führen dürfen.

Laut dem Münsteraner Kreis handele es sich bei Homöopathie um eine „esoterische Heilslehre“, die das Patientenvertrauen untergrabe. Die Zusatzbezeichnung gebe der Lehre den Anstrich wissenschaftlicher Seriosität.

Der Münsteraner Kreis ist nach eigenen Angaben „ein informeller Zusammenschluss von Expertinnen und Experten, die sich kritisch mit der komplementären und alternativen Medizin (KAM) auseinandersetzen.“

Wirkung lasse sich nicht auf pharmakologische Mechanismen zurückführen

Der Münsteraner Kreis fordert die Delegierten des 121. Deutschen Ärztetages, der vom 8. bis 11. Mai in Erfurt stattfindet, auf, die Zusatzbezeichnung Homöopathie abzuschaffen, heißt es in einer Mitteilung der Kritiker.

Zur Begründung ihrer Forderung haben sie ein Memorandum verfasst, in dem sie schreiben, dass die Homöopathie die Wirkung ihrer „Arzneien“ nicht auf pharmakologische Mechanismen zurückführe, „sondern auf den heilsamen Einfluss immaterieller, geistartiger Wirkkräfte.“

„Wenn die Musterweiterbildungsordnung für die Vergabe der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ den Erwerb einer „fachlichen Kompetenz in Homöopathie“ fordert, dann fordert sie nichts anderes als eine „Kompetenz“ im Umgang mit geistartigen Kräften“, kritisiert der Kreis.

Und: „Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wäre es dann ebenso gerechtfertigt, eine Zusatzbezeichnung „Gesundbeten“ für die „Kompetenz“ zu vergeben, welche Gebete zu welchen Heiligen bei welchen Krankheiten zur Anwendung kommen sollen.“

Zusatzbezeichnung hat sich seit Jahrzehnten bewährt

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) wies die Forderung des Münsteraner Kreises zurück.

„Die von den Ärztekammern verliehene Zusatzbezeichnung Homöopathie hat sich seit Jahrzehnten in der deutschen Ärzteschaft bewährt. Immer mehr Ärzte führen sie, aktuell sind es rund 7000 Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, in Grund- und Regelversorgung“, sagte Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des DZVhÄ.

Laut der Expertin sei die Nachfrage nach ärztlicher Homöopathie in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen.

„Mit Blick auf die Qualitätssicherung und die Patientensicherheit ist die Zusatzbezeichnung Homöopathie ein Garant für eine gute und sichere Versorgung der Patienten“, so Bajic.

„Darüber hinaus ist die Homöopathie im Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) rechtlich verankert. Die mit der Bundesärztekammer eng abgestimmten Lehrinhalte gewährleisten eine kompetente Behandlung der Patienten.“

Homöopathische Ärzte bekennen sich zur Wissenschaftlichkeit

Die Vorsitzende des DZVhÄ verweist zudem darauf, dass sich homöopathische Ärzte zur Wissenschaftlichkeit bekennen und eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung hinreichend belegt.

„Die ärztliche Homöopathie ist wirksam und evidenzbasiert. Das ist durch zahlreiche Studien belegt“, sagte Bajic.

„In ärztlicher Hand ist sie ein wichtiger Bestandteil einer Integrativen Medizin, die das Beste aus der konventionellen Medizin und der ärztlichen Homöopathie zum Wohle des Patienten verbindet.“ (ad)