Künftig ein normales Alter: Wie leben Hundertjährige in Deutschland

Fabian Peters
Tagung zum Thema Langlebigkeit: Charité-Wissenschaftler berichten von neusten Erkenntnissen
Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutschlandweit kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Menschen erreichen ein extrem hohes Alter. Wissenschaftler der Charité-Universitätsmedizin Berlin erörtern auf einer Tagung zum Thema Langlebigkeit, wie sich die Lebensperspektiven und die Versorgungssituation bei sehr alten Menschen in Deutschland gestaltet.

Anhand mehrerer durchgeführter Studien werden die Charité-Wissenschaftler auf der heutigen Tagung die Entwicklung der Lebensperspektiven von Hundertjährige, deren Versorgungssituation und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Lebenssituation der Angehörigen darlegen, berichtet die Charité-Universitätsmedizin Berlin. Die Tagung „Langlebige – Gesundheit und Teilhabe einer Bevölkerungsgruppe mit Zukunft“ findet im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt.

Immer mehr Menschen erreichen ein Alter über 100 Jahre. Wie ihre Lebensperspektiven sich entwickeln und wie ihre medizinische Versorgungssituation aussieht, erörtern Charité-Wissenschaftler auf einer Tagung zum Thema Langlebigkeit. (Bild: athomass/fotolia.com)

Über 1.800 Hundertjährige allein in Berlin
Den Angaben der Charité zufolge leben derzeit „allein in Berlin mehr als 1.800 Menschen, die das 100. Lebensjahr erreicht haben.“ In der Forschung finde diese überwiegend weibliche Gruppe der Hundertjährigen bisher allerdings wenig Beachtung. Und das, obwohl sie laut Aussage der Experten „die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe in Deutschland darstellt.“ In einer Reihe von Studien haben Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité daher die Lebensperspektive sehr alter Menschen untersucht, und zwar aus Sicht der Versorger, der Angehörigen und aus Sicht der Langlebigen selbst. Auf der heutigen Tagung werden drei dieser Studien vorgestellt.

Expertiseträger am äußersten Rand der Lebensspanne
Bei den ersten beiden Studien, die vom Zentrum für Qualität in der Pflege gefördert wurden, standen laut Angaben der Charité Interviews mit Hundertjährigen und ihren Angehörigen im Mittelpunkt. Die Leiterin des Bereichs Alternsforschung am Institut für Medizinische Soziologie, Dr. Dagmar Dräger, betont, dass „die Lebenserfahrung eines ganzen Jahrhunderts, ergänzt durch langjährige Erfahrungen mit gesundheitlichen Einschränkungen bei sich und anderen sowie Sterben und Tod in sozialen Netzwerken, Hundertjährige zu besonderen Expertiseträgern am äußersten Rand der menschlichen Lebensspanne“ machen. Anhand der Befragung der Angehörigen wurde laut Aussage der Charité-Expertin auch ein Einblick „in generationenübergreifende Beziehungen, die Versorgungssituation Hundertjähriger und die daraus entstehenden Belastungen und Bedürfnisse“ eröffnet.

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Ethische und gesellschaftliche Perspektiven der Langlebigkeit
Für die dritte durchgeführte Studie, welche von der Knappschaft Krankenkasse gefördert wurde, analysierten die Wissenschaftler die Krankenkassendaten, um Informationen zu Diagnosen und zur Gesundheitsversorgung sehr alter Menschen zu erhalten, welche zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen leben. Mit der aktuellen Tagung, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, soll laut Angaben der Charité ein interdisziplinärer Diskurs zu ethischen und gesellschaftlichen Perspektiven der Langlebigkeit befördert werden. (fp)