Künftig honorarpflichtige Beratung von Apothekern?

Astrid Goldmayer

Apotheker wollen honorarpflichtige Beratung und systematische Therapiebegleitung anbieten

18.09.2013

In Deutschlands Apotheken soll es zukünftig auch honorarpflichtige Beratungen geben. Das erklärte Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, am Dienstag anlässlich des Deutschen Apothekertags in Düsseldorf, bei dem rund 300 Delegierte der Apothekerkammern und -verbände über die Zukunft des Berufs diskutieren. So soll unter anderem eine systematische Therapiebegleitung angeboten werden. Doch dafür müssten ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, so Schmidt.

Intensive Beratung von Apothekern ist mehr gefordert denn je
Im Zuge des demographischen Wandels benötigen Patienten häufiger und eingehendere Beratungen über Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten und Therapiemaßnahmen, berichtet der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Wir wollen gemeinsam in eine Debatte mit Politik und Gesellschaft zu der Frage eintreten, welche Funktionen Apotheker in der öffentlichen Apotheke in Zukunft übernehmen sollen“, erklärte Schmidt. So müssten Apotheker ihre Kunden regelmäßig über die Ergebnisse von Therapien befragen und einen Abgleich über Medikamente durchführen, die von verschiedenen Ärzten verordnete wurden. Ein derartig umfangreiches Angebot könne jedoch nicht kostenlos sein.

Durch eine intensive Beratung könnten auch Fehler durch Selbstmedikation vermieden werden. Einer bundesweiten Erhebung in Apotheken zufolge ist etwa jede fünfte Selbstmedikation von unerwünschten Nebenwirkungen begleitet. Zu den Ursachen gehören eine fehlerhafte Dosierung, eine zu hohe Dauer der Anwendung des Medikaments sowie Medikamentenmissbrauch. 90 Prozent dieser Fälle konnten jedoch in der Apotheke erfolgreich geklärt werden.

Statistisch gesehen nimmt jeder Deutsche rund 1.200 einzelne Arzneieinheiten pro Jahr zu sich wie die Apothekerverbände mitteilen. Jedem gesetzlich Krankenversicherten wurden 2012 im Schnitt 14 Arzneimittel von Ärzten verordnet. Für frei verkäufliche Arzneimittel gaben die Deutschen 3,6 Milliarden Euro aus.

Apothekerverbände fordern mehr Entscheidungsfreiraum für Apotheker
In den vergangenen Jahren hätten Apotheker verstärkt mit Fremdbestimmung und Überbürokratisierung zu kämpfen gehabt, berichtet Schmidt. Angebote wie die Therapiebegleitung könnten auch die Zufriedenheit im Beruf erhöhen.

Ein weiteres Problem der Apotheker bestehe in Betriebsschließungen. Im ersten Halbjahr seien 150 Apotheken betroffen gewesen. Seit 2010 sank die Zahl der in öffentlichen Apotheken beschäftigten Pharmazeuten um knapp 300 auf rund 48.500. In etwa 70 Prozent der Fälle seien Apothekerinnen betroffen, da sie keine für selbständige Apotheker aber übliche 60-Stunden-Woche arbeiten wollten, erläuterte Schmidt. Es bestehe ein massives Nachwuchsproblem, das es notwendig mache, die Zahl der Studienplätze zu erhöhen.

„Trotz des Rückgangs der Zahl an Apotheken ist bisher nirgendwo in Deutschland der pharmazeutische Notstand ausgebrochen“, wird Schmidt in einer Pressemitteilung der Bundesvereinigung zitiert. „Wer neue Versorgungsformen wie die ‚Videoapotheke‘ oder den ‚Apothekenbus‘ propagiert, nimmt die Menschen in den betroffenen Regionen auf die Schippe. Es gibt in diesen Regionen kein logistisches, sondern ein ‚humanitäres‘ Problem. Alte Menschen, die unter Immobilität und Krankheit leiden, brauchen jemanden, der ihre Verhältnisse kennt, mit ihnen spricht, den Kontakt zu Arzt und Pflegedienst hält. Die nächstgelegene Apotheke ist die einzige vernünftige Antwort auf das Problem der Demografie und der Landflucht.“ (ag)

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Bild: Marco Petig / pixelio.de