Künstliche Schädeldecke aus dem 3D-Drucker

Alfred Domke

Schädeldecke aus 3D-Drucker erfolgreich implantiert

29.03.2014

In den Niederlanden haben Ärzte einer 22-jährigen Patientin eine komplette Schädeldecke aus dem 3D-Drucker implantiert. Die Frau leidet an einer seltenen Erbkrankheit. Die Operation vor drei Monaten verlief so erfolgreich, dass die Niederländerin bereits wieder arbeiten kann.

Weltweit bislang einmalige Operation
Am Universitätskrankenhaus im niederländischen Utrecht ist es Ärzten gelungen, einer 22-jährigen Frau eine künstliche Schädeldecke einzusetzen, die vollständig aus dem 3D-Drucker stammt. Wie das Klinikum laut zahlreichen Presseberichten mitteilte, sei eine Operation dieser Art weltweit bislang einmalig gewesen. Der Eingriff der Neurochirurgen dauerte 23 Stunden und wurde bereits vor drei Monaten durchgeführt. Wie berichtet wird, habe die Patientin keine Symptome mehr und gehe bereits wieder arbeiten.

Schädeldecke drückte auf das Gehirn
Die Operation war nötig geworden, da die Frau unter der seltenen Erbkrankheit Engelmann-Syndrom leidet. Es handelt sich dabei um eine Form der Osteosklerose, bei der es zu einer Knochenverhärtung kommt. Bei der Erkrankung können in den verschiedenen Stadien unterschiedliche Knochen betroffen sein. Zunächst sind dies meist Röhrenknochen wie Schienbein, Oberschenkelknochen, Speiche oder Elle. Doch im weiteren Krankheitsverlauf weiten sich die Beschwerden, wie Knochenschmerzen, auf andere Knochen aus und es zeigen sich vermehrt begleitende Beeinträchtigungen der umliegenden Muskulatur. Bei der Niederländerin war die Schädeldecke immer dicker geworden und drückte auf ihr Gehirn. Obwohl circa 1,5 Zentimeter normal seien, sei die Schädeldecke der Patientin bereits fünf Zentimeter dick gewesen. Die Folgen waren ein eingeschränktes Sehvermögen und schwere Kopfschmerzen.

Schädeldecke aus Plastik
Die Mediziner entschieden sich dazu, den ganze Knochen durch eine Plastikschädeldecke zu ersetzen. Normalerweise würden solche Teile per Hand aus einem zementähnlichen Material gefertigt werden. Doch im Falle der 22-Jährigen entschied man sich für eine 3D-Variante, die von einer australischen Firma hergestellt wurde. Dieses Plastikimplantat ließ sich auch genau der Kopfform der Patientin anpassen. Bei anderen Patienten seien bislang nur kleine Teile des Schädels ausgedruckt und implantiert worden, doch noch nie ein so großer Teil. Laut dem behandelnden Neurologen erhole sich durch das Plastikimplantat auch das Gehirn der Patientin besser als mit der alten Methode.

Hoffnung auf weitere Einsatzmöglichkeiten
Der leitende Chirurg, Dr. Bon Verweij, der bereits zuvor Implantate aus dem 3D-Drucker verpflanzt hatte, meinte, es sei kaum zu erkennen, dass die Patientin je eine Operation hatte. Noch sei allerdings nicht klar, ob der Plastikschädel in Zukunft ausgetauscht werden muss oder ob er ein Leben lang halten wird. Die Mediziner hoffen nun, dass die Technik möglicherweise auch bei anderen Krankheiten oder Problemen mit den Knochen eingesetzt werden kann. So könnten etwa Patienten mit Verwachsungen von Knochen oder nach der Entfernung eines Gehirntumors entsprechende Implantate erhalten. (ad)

Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de