Lachen hilft gegen Schmerzen

Fabian Peters

Gemeinsames Lachen reduziert das Schmerzempfinden

14.09.2011

Herzhaftes Lachen gilt seit langem als äußerst förderlich für die Gesundheit. Wissenschaftler der Universität Oxford haben nun in einer umfassenden Studie nachgewiesen, dass Lachen auch zur Reduzierung von Schmerzen beiträgt. In der britischen Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“ berichten die Forscher, dass Lachen die Reizschwelle gegenüber physischem Schmerz deutlich erhöht.

Mehr zum Thema:

Lachen hat auf den menschlichen Organismus eine Vielzahl positiver Effekte, wie zum Beispiel das Lösen verkrampfter Muskeln in Schultern und Nacken, die Förderung der Durchblutung sowie eine entsprechende Reduzierung des Risikos von Herz- und Kreislaufbeschwerden, erklären Robin Dunbar vom „British Academy Centenary Research Project“ an der Universität Oxford und Kollegen. Entspanntes gemeinschaftliches Lachen löst Gefühle des „Wohlbefindens“ aus, die durch die Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn bedingt werden, so die Aussage der britischen Wissenschaftler. Den Experten zufolge hat Lachen jedoch nicht nur eine wesentliche Bedeutung für die zwischenmenschliches Kommunikation, sondern spielt auch in Hinblick auf die Gesundheit eine erhebliche Rolle.

Lachen erhöht die Reizschwelle gegenüber physischen Schmerzen
Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher der Universität Oxford die Schmerzempfindlichkeit von freiwilligen Probanden, die entweder ein lustiges Video oder einen informativen Dokumentarfilm ansahen und zeitgleich einem zunehmenden Schmerzimpuls ausgesetzt wurden. So konnten die Wissenschaftler zum Beispiel mittels Manschetten zur Blutdruckmessung, die immer weiter aufgepumpt wurden, bestimmen, ab welchem Druck die Probanden die Manschetten als unangenehm beziehungsweise schmerzhaft empfanden. Dabei stellten Robin Dunbar und Kollegen fest, dass Studienteilnehmer, die gemeinsam mit anderen lustige Videos ansahen und entsprechend viel lachten, eine deutlich höhere Reizschwelle gegenüber physischen Schmerzen aufwiesen, als die Probanden der Dokumentarfilm-Gruppe. Entsprechend früher empfanden die Studienteilnehmer aus der letzteren Gruppe das Aufpumpen der Manschette an ihrem Oberarm als unangenehm, berichten die britischen Wissenschaftler.

Ausschüttung von Endorphinen bedingt eine erhöhte Schmerzresistenz
Als Begründung für die erhöhte Schmerzresistenz beim gemeinschaftlichen Lachen nennen Robin Dunbar und Kollegen die erhöhte Ausschüttung von Endorphinen. Die auch als Glückshormone bekannten Endorphine haben eine besondere Bedeutung für die Schmerzverarbeitung sowie die Bewältigung von physischem und psychischem Stress, berichten die Forscher der University of Oxford. Bei vermehrter Ausschüttung werde offenbar die Reizschwelle reduziert und die Betroffenen seien deutlich resistenter gegen Schmerzen, so die Aussage der Experten. Die britischen Forscher vermuten, „dass die körperliche Aktion beim Lachen die Aktivierung des Endorphin-Systems in Gang setzt“ und so eine erhöhte Schmerztoleranz mit sich bringt. Vergleichbare Effekte seien in der Vergangenheit bereits bei großer physischer Belastung, wie zum Beispiel beim Ausdauersport nachgewiesen worden. Den Grund für die erhöhte Endorphin-Ausschüttung beim Lachen sehen die Wissenschaftler in dem anhaltenden Ausatmen, ohne zwischendurch Luft zu holen. Hierdurch trete ein ermüdender Effekt ein, der letztendlich die Ausschüttung der Endorphine zur Folge hat, erklärten Robin Dunbar und Kollegen. Besonders stark sei dieses Phänomen bei den Probanden gewesen, die sich gemeinsam mit anderen die lustigen Videos ansahen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Gemeinsam werden lustige Dinge einfach noch komischer und entsprechend ausgeprägter lachten die Probanden über die vorgeführten Videos.

Lachtherapien helfen bei zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden
So genannte Lachtherapien sind in der Naturheilkunde und unter Psychotherapeuten schon seit längerem bekannt und wurden in der Vergangenheit bereits zur Behandlung von Patienten mit emotionalen Problemen, massivem psychischen Stress und chronischer Appetitlosigkeit eingesetzt. In Zukunft könnte die Lachtherapie angesichts der aktuellen Studienergebnisse nun möglicherweise auf ein weiteres Behandlungsfeld ausgeweitet werden. So scheint laut Aussage der Experten ein Einsatz bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen durchaus erfolgversprechend. (fp)