Längere Geburt durch PDA

Nina Reese

Periduralanästhesie verlängert Geburt um zwei bis drei Stunden

18.02.2014

Schmerzen unter der Geburt sind ganz natürlich und erfüllen daneben eine wichtige Funktion, indem sie offenbar die Bindung zwischen Mutter und Kind begünstigen können. Wird der Schmerz jedoch unerträglich für die Frau oder kommt die Geburt zum Stillstand, besteht die Möglichkeit einer Periduralanästhesie (PDA), bei der mittels eines örtlichen Betäubungsmittels der Schmerz in den gewünschten Bereichen des Körpers vorübergehend „ausgeschaltet“ werden kann. Dadurch wird die Geburt zwar für die Frau erleichtert – dauert aber offenbar auch weitaus länger.

Wehenschmerzen unter der Geburt „natürlich“ und sinnvoll
Intensive Wehenschmerzen unter der Geburt sind ganz normal und erfüllen einen wichtigen Sinn, denn durch den Ausstoß von Endorphinen kann die enge Bindung zwischen Mutter und Kind begünstigt werden. Der Grund: Gerade während der letzten, sehr schmerzhaften Phase der Geburt werden die so genannten „Glückshormone“ ausgeschüttet, die – wie Opiate auch – eine angstlösende und schmerzlindernde Wirkung haben. Ist das Kind schließlich geboren, lassen die Schmerzen schlagartig nach, der Endorphinspiegel bleibt jedoch noch stark erhöht, was dazu führt, dass sich die Mutter wie in einem „Rausch“ fühlt und die Bindung zwischen Mutter und Kind dadurch begünstigt werden kann.

„PDA“ schaltet Schmerzen aus
Werden die Schmerzen für die werdende Mutter jedoch unerträglich oder kommt es zum Geburtsstillstand, besteht die Möglichkeit, während der Geburt eine sogenannte „PDA“ (Periduralanästhesie) zu legen. Bei dieser spritzt der Arzt ein örtliches Betäubungsmittel in den sogenannten „spinalen Periduralraum“ (Epiduralraum) der Wirbelsäule, wodurch der Schmerz in der gewünschten Körperregion vorübergehend gedämpft bzw. nahezu „ausgeschaltet“ werden kann. Dadurch wird die Geburt für die Frau zwar etwas erleichtert – doch wie ein US-amerikanisches Forscher-Team nun herausgefunden hat, dauert diese offenbar auch weitaus länger als wenn die Frau die „ganz normalen“ Schmerzen erlebt hätte. Demnach würde sich die Geburt bei Erstgebärenden um zwei Stunden oder sogar mehr verlängern, wenn Frauen eine PDA in Anspruch genommen hätten, so die Wissenschaftler der University of California in San Francisco unter der Leitung von Yvonne W. Cheng im Fachmagazin „Obstetrics & Gynecology“.

Differenz von bis zu 2 Stunden und 54 Minuten
Das Team hatte für die Studie Daten von rund 42.000 Frauen ausgewertet, die ihre Kinder auf natürlichem Weg zu Welt gebracht hatten und kamen zu dem Ergebnis, dass die Geburt bei Erstgebärenden ohne örtliche Betäubung deutlich schneller gegangen war: „Im Vergleich zu Frauen ohne epidurale Anwendung, dauerte es bei den erstgebärenden Frauen mit einer Periduralanästhesie 336 Minuten bis 95% ihre Kinder zur Welt gebracht hatten. Ohne epidurale Anwendung waren es 197 Minuten, was einer Differenz von 2 Stunden und 19 Minuten entspricht. Bei den Mehrgebärenden dauerte es mit Periduralanästhesie 255 Minuten und ohne Betäubung 81 Minuten, bis 95% der Geburten beendet waren – eine Differenz von 2 Stunden und 54 Minuten“, so die Forscher im Abstract zu ihrer Studie.

Frauen sollten sich über Nebenwirkungen und Risiken der PDA genau informieren
Bislang waren Experten davon ausgegangen, dass eine PDA die Geburt um etwa eine Stunde verlängert. Die Gefahr: Wird das Betäubungsmittel zu stark dosiert, hat die Gebärende kein Gefühl mehr für die Wehen und verliert die Fähigkeit zum Pressen. Ist dies der Fall, kommen Hilfsmittel wie die Saugglocke zum Einsatz. Dementsprechend sollten sich Frauen über eine mögliche PDA stets sorgfältig informieren, denn neben dem Risiko der Überdosierung gibt es noch eine Reihe weiterer möglicher Nebenwirkungen wie zum Beispiel Blutergüsse, Infektionen oder Blutdruckabfälle, allergische Reaktionen oder ein verlangsamter Puls (Bradykardie) während der PDA. (nr)

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