Lärmbelastungen begünstigen Schlaganfall

Sebastian

Ständige Lärmbelastungen über Jahre hinweg lassen das Schlaganfall-Risiko signifikant ansteigen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen und Bewohner von Städten.

26.01.2011

Vor allem in Städten sind Menschen einer andauernden Lärmbelastung ausgesetzt. Der ständige Verkehrslärm wirkt sich wissenschaftlich bestätigt negativ auf den menschlichen Organismus aus. Forscher haben nun nachgewiesen, dass bereits minimale Schallwerte nicht nur ein Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck bedeuten. Beinahe jeder zwölfte Schlaganfall wird mittlerweile durch ständigen Lärm ausgelöst.

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Lärm in den Großstädten schädigt die Gesundheit
Menschen in Großstädten sind einer ständigen Lärmbelastung ausgesetzt. Von allen Seiten werden die Bewohner mit Lärm und Schall belästigt. Gerade Anwohner von Hautverkehrsstraßen erleben jeden Tag aufs neue steigende Schallhöchstwerte. In der Vergangenheit hatten einige Studien bereits darauf hingewiesen, dass ständiger Lärm eine gesundheitsgefährdende Wirkung entfalten kann. Bisher war bekannt, dass das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden signifikant ansteigt, je lauter es ist. Forscher der Dänischen Krebsgesellschaft haben nun anhand einer Studie heraus gefunden, dass das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden ebenfalls ansteigt, wenn Menschen einem ständigen Lärm ausgesetzt sind.

Studiendaten von über 50.000 Menschen ausgewertet
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler die Daten von über 50.000 Probanden. Dabei stellten sie fest, dass bereits 10 Dezibel Verkehrslärm ausreichen, um das Risiko für einen Schlaganfall um 14 Prozent ansteigen zu lassen. Bei einer genaueren Prüfung stellten die Forscher fest, dass das Risiko bei Studienteilnehmer unter 65 Jahre nicht bedeutend erhöht war. Vielmehr waren Menschen über dem 65 Lebensjahr betroffen. Pro 10 Dezibel Lärm stieg das Schlaganfall-Risiko um 27 Prozent. Je lauter der Lärmwert war, je höher stieg auch das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden. Dabei waren die Geräuschpegelstände nicht sehr stark ausgeprägt. 60 Dezibel entsprechen der Lautstärke einer Stereoanlage bei gedämpfter Zimmerlautstärke.

Andere Risikofaktoren wurden ausgeschlossen
Um weitere Risikofaktoren auszuschließen, berücksichtigten die Forscher zusätzliche Belastungen wie Umweltverschmutzungen, Lärm durch Züge und Flugzeuge sowie ungesunde Lebensweisen wie Rauchen, Alkohol und Übergewicht. Für die Auswertung verwendeten die dänischen Wissenschaftler eine spezielles Berechnungssystem, das zwischen den einzelnen Regionen, deren Schallbelastungen und dem gesundheitlichen Zustand und Alter des Teilnehmers unterscheiden und differenzieren konnte. Über mehrere Jahre hatten die Forscher zudem den Schallpegel einzelner Regionen beobachtet. Dabei unterschieden sie zwischen Verkehrsaufkommen, Fahrgeschwindigkeit, Straßenbeschaffenheit sowie Höhe und Entfernung der Wohngebiete und Häuser. Als minimalen Schallwert legte das Forscherteam 42 Dezibel fest. Der maximale Wert betrug 82 Dezibel. Rund 35 Prozent der Probanden waren einer höheren Belastung von über 60 Dezibel ausgesetzt. Rund zwei Drittel der belasteten Teilnehmer wechselte während der Studienzeit nicht seinen Wohnort.

19 Prozent alle Schlaganfälle gehen auf das Konto der ständigen Lärmbelästigung
Die Daten können allerdings nicht als Allgemeinwert verwendet werden, da sich die Lärmbelastung Orts- und Zeitabhängig ständig verändert. Zudem untersuchten die Wissenschaftler vor allem Lärmpegelwerte in skandinavischen Großstädten. Dennoch resümieren die Wissenschaftler in dem Wissenschaftsmagazin „European Heart Journal“, die Daten zeigen deutlich, dass Menschen über 65 Lebensjahre unter ständiger Lärmbelastung höhere Schlaganfall-Risikowerte verfügen.“Acht Prozent aller Schlaganfälle und 19 Prozent aller Schlaganfälle von Menschen über 65 gehen auf das Konto von Verkehrslärm.“ erläuterte die Studienleiterin Mette Sorensen in dem Journal abschließend. Nach wie vor ist allerdings unklar, warum dauerhafter Lärm zu einer Häufung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Hierzu müssten weitere medizinische Studien folgen. (sb)