Lästige Besenreiser: Wann bläulich-rote Äderchen gefährlich werden könnten

Sebastian
Schönheitsmakel Besenreiser: Meist sind die bläulich-roten Äderchen harmlos
Besenreiser sind oft nicht mehr als ein einfacher Schönheitsmakel. Sie können jedoch auch ein Hinweis auf ein Venenleiden sein. Daher sollten Betroffene die Ursache für die bläulich-roten Äderchen von einem Facharzt abklären lassen. Bei Frauen treten Besenreiser deutlich häufiger auf als bei Männern.
Meist nur ein kosmetisches Problem
Vor allem an den Beine tauchen die kleinen bläulich-roten Äderchen auf, die durch die Haut schimmern. Aus der Entfernung können sie wie ein blauer Fleck aussehen. Sieht man sie sich aus der Nähe an, kann man die feinen Verästelungen erkennen. Besenreiser, die auch Besenreiservarizen genannt werden, breiten sich wie eine Art Reisigbesen unter der Haut aus und tragen daher ihre Bezeichnung. Nahezu jede zweite Frau kennt die kleinen und unschönen, meist an den Außenseiten der Oberschenkel durchschimmernden Äderchen. Männer sind deutlich weniger betroffen als Frauen. Betroffene empfinden Besenreiser oft als Schönheitsmakel. Aus medizinischer Sicht ist diese Form von Krampfadern in aller Regel harmlos und muss nicht behandelt werden. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass sich hinter Besenreisern eine ernstzunehmende Venenschwäche verbirgt. Um Gewissheit zu bekommen, sollte man sich bei einem Facharzt untersuchen lassen.

Besenreiser sind meistens harmlos, doch sie können auch ein Zeichen von schwerwiegenden Venenleiden sein. Bild: mkrberlin-fotolia
Besenreiser sind meistens harmlos, doch sie können auch ein Zeichen von schwerwiegenden Venenleiden sein. Bild: mkrberlin-fotolia

Genaue Ursachen nicht eindeutig geklärtDie genauen Ursachen von Besenreisern sind wissenschaftlich bislang nicht eindeutig geklärt. „In vielen Fällen haben Betroffene eine erblich bedingte Veranlagung zu Besenreisern“, erklärte der Gefäßchirurg Horst Peter Steffen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Steffen ist Chefarzt in der Hildener Capio Klinik im Park, dem Venenzentrum Nordrhein-Westfalen. Bei Betroffenen staut sich dann das Blut und kann nicht ungehindert weiterfließen. Die Münchner Heilpraktikerin Ursula Hilpert-Mühlig, die auch Vizepräsidentin des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker ist, erläuterte: „Besenreiser können – müssen aber nicht – Vorläufer von schwerwiegenden Krampfadern sein.“

Mehr Frauen als Männer betroffenDie Entstehung von Besenreisern wird unter anderem durch Übergewicht beziehungsweise Adipositas, Bewegungsmangel sowie durch hormonelle Umstellungen in der Schwangerschaft begünstigt. Zudem kommen sie im höheren Lebensalter häufiger vor, wie Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) laut dpa erklärte. Oft kommen dicke Beine beziehungsweise dicke Waden hinzu. Sie treten aber nicht nur an den Ober- und Unterschenkeln auf, sondern am gesamten Körper, etwa am Bauch. Wesentlich seltener gibt es auch Besenreiser im Gesicht. Laut Hilpert-Mühlig sind meistens Frauen von Besenreisern betroffen, da sie im Vergleich zu Männern ein schwächeres Bindegewebe haben. Manche von ihnen haben eine Bindegewebsschwäche. „Beschwerden lösen Besenreiser in aller Regel nicht aus, sie sind in erster Linie ein kosmetisches Problem“, so Steffen.

Besenreiser müssen nicht entfernt werdenBesenreiser können – müssen aber nicht – entfernt werden. Von ganz allein verschwinden sie jedoch nicht. Kosmetisch lassen sich Besenreiser gut abdecken. So gibt es fürs Gesicht spezielle Make-ups. „Auch für Beine existieren wasserfeste Camouflage-Produkte“, sagte Sellerberg. Es gibt auch die Möglichkeit, Besenreiser von Fachärzten entfernen zu lassen. „Als Therapiemaßnahmen stehen die Verödung oder die Lasertherapie zur Verfügung“, erklärte Steffen. Vor Therapiebeginn untersucht der behandelnde Arzt die Umgebung rund um die betroffene Körperstelle. Er lotet dabei aus, ob und wo sich in unmittelbarer Nähe zu den Besenreisern größere Venenstaus befinden, die vorrangig behandelt werden müssen, um einen weiteren Blutzufluss zu den Besenreisern zu verhindern. „Das geschieht bislang häufig per Ultraschall“, erläuterte Steffen. Dem Experten zufolge gibt es mittlerweile eine noch genauere Untersuchungsmethode – sogenannte Venen-Viewer. Dabei werden die Blutzufluss-Wege mittels Infrarotlicht lokalisiert.

Mehr zum Thema:

Keine „100-prozentige Erfolgsgarantie“Sowohl bei der Lasertherapie als auch der Verödung werden in der Regel mehrere Sitzungen vereinbart, die jeweils rund eine halbe Stunden dauern. Die Behandlung wird ambulant durchgeführt. Bei der Verödung wird nach einer örtlichen Betäubung ein Mittel in die Besenreiser gespritzt, bei der Lasertherapie lässt ein Laserstrahl den Besenreiser schrumpfen. „Eine 100-prozentige Erfolgsgarantie, dass nach der Therapie die Besenreiser dauerhaft verschwunden sind, gibt es nicht“, sagte Steffen. Nach der Entfernung von Besenreisern an Beinen müssen für eine begrenzte Zeit Kompressionsstrümpfe getragen werden. Weil es sich bei der Therapie meist um einen kosmetischen Eingriff handelt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten normalerweise nicht. Patienten müssen mit durchschnittlich 150 Euro pro Sitzung rechnen. Eine (kostengünstigere) Behandlungsmethode aus der Naturheilkunde ist die Blutegeltherapie. Doch auch hier gilt: Eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht.

Viel bewegen und Beine hoch lagernZwar geben Gesundheitsexperten Tipps, wie man Besenreisern und Krampfadern vorbeugen kann, doch gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es nach Angaben von Steffen nicht. Bei einer Neigung zu Besenreisern etwa in den Beinen wird jedoch generell empfohlen, sich viel zu bewegen, zum Beispiel in Form von Schwimmen oder Wandern. Zudem wird zum häufigen Hochlagern der Bein geraten. Laut Hilpert-Mühlig können prinzipiell auch Wasseranwendungen eine wohltuende Wirkung auf die Beine haben. Dazu zählt zum Beispiel der kalte Knieguss, ein altbewährtes Hausmittel gegen Krampfadern. „Dabei wird der Wasserstrahl vom Fußrücken zur Ferse und anschließend an der Wade entlang bis zum Knie geführt“, erklärte die Heilpraktikerin. (ad)