Landleben schützt Kinder vor Asthma

Fabian Peters

Das Landleben schützt Kinder vor Asthma: Bakterien und Pilze schützen Bauernhofkinder.

24.02.2011

Kinder, die auf dem Land groß werden, sind besser vor Asthma geschützt. Ein internationales Forscherteam um Markus Ege vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München hat festgestellt, dass die Landkinder einer größeren Zahl von Mikroorganismen ausgesetzt sind und daher vermutlich seltener an Asthma bronchiale erkranken als Stadtkinder.

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Kinder kommen auf dem Land weit häufiger mit Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen in Kontakt als in der Stadt. Dies ist vermutlich der Grund dafür, dass Landkinder seltener an Autoimmunerkrankungen und Asthma leiden, berichten die Forscher um Markus Ege in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „The New England Journal of Medicine". Verschiedene Studien hatten bereits in der Vergangenheit ergeben, dass Kinder, die auf dem Land groß werden, einem geringeren Allergie-Risiko unterliegen.

Zwei Studien zu Asthma-Erkrankungen bei Kindern ausgewertet
Gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU München, der Universität Ulm und Forschungseinrichtungen in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den Niederlanden haben Ege und sein Team zwei groß angelegten Studien ausgewertet, die sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Landleben und Asthma-Erkrankungen beschäftigen. Die Wissenschaftler analysierten im Rahmen ihrer Untersuchung die Daten der PARSIFAL–Studie mit 6.963 teilnehmenden Kindern aus Süddeutschland im Alter zwischen 6 und 13 Jahren und nahmen bei einer Teilstichprobe von 489 Kindern eine Blutprobe sowie eine Staubprobe ihrer Matratze. Außerdem wurden im Rahmen der Untersuchung die Daten der GABRIELA-Studie mit 9.668 teilnehmenden Kindern aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz im Alter von 6 bis 12 Jahren ausgewertet. Auch hier wurde bei 444 Kindern eine Staubprobe ihrer Matratze genommen und außerdem die Lungenfunktion gemessen.

Landkindern kommen in Kontakt mit mehr Mikroorganismen
Bei der Untersuchung des Erbgutes der im Hausstaub gefundenen Bakterien und Pilze, stellten die Forscher um Markus Ege fest, dass die Konzentration der Mikroorganismen im Hausstaub der vom Bauernhofkinder deutlich höher lag als in der Stadt. Gleichzeitig hätten die auf dem Land lebenden Kinder erheblich weniger Asthma-Erkrankungen aufgewiesen, was die Vermutung nahe lege, dass die Mikroorganismen eine schützende Wirkung gegenüber Asthma-Erkrankungen haben, berichten die Forscher. Es seien auch mehrere Bakterienarten identifiziert worden, die möglicherweise zur Reduzierung des Asthma-Risikos beitragen, betonten Markus Ege und Kollegen. Wie dies funktioniert, konnten auch die Experten noch nicht abschließend klären. Beispielsweise „könnte (es) sein, dass eine bestimmte Kombination von Mikroorganismen das angeborene Immunsystem stimuliert und so der Entwicklung von Asthma entgegenwirkt.“ Auch wäre denkbar, „dass es zwar Keime gibt, die Asthma verursachen, aber eben auch gutartige Keime, die diese gefährlichen Keime dann überwuchern“, erklärten die Forscher. Zudem könnten nach Aussage der Experten die vielfältigen Mikroorganismen in der Lunge ähnlich wie im Darmtrakt dazu beitragen, dass sich die Keime in einem ausgewogenen Verhältnis befinden und nicht die Asthma erregenden Bakterien und Pilze dominieren. Trotz ihrer Vermutungen wissen die Wissenschaftler bisher allerdings noch nicht genau, „mit welchem Trick Bakterienzellen und Pilzsporen das Asthmarisiko verringern“, erläuterte Markus Ege.

Impfstoff gegen Asthma möglich?
Um genauer zu untersuchen welche Mikroorganismen für die Reduzierung des Asthma-Risikos verantwortlich waren, wollen die Forscher als nächstes die Wirkung der Bakterien und Pilze in Bezug auf Asthma jeweils einzeln analysieren. „Dies könnte langfristig dazu beitragen, Impfstoffe gegen Asthma zu entwickeln“, so die Hoffnung von Markus Ege. „Von besonderem Interesse sind hier bestimmte Bakterienarten der Gattungen Bacillus und Staphylococcus sowie Pilze der Gattung Eurotium“, erläuterte der Fachmann. Insgesamt bestätige ihre Studie die Vermutung, dass Kinder, die mit vielen Mikroorganismen in Kontakt kommen, einem geringeren Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen erliegen, als Heranwachsende, die nur mit wenigen Bakterien und Pilzen in Berührung kommen.

Hygiene-Hypothese bestätigt: Schadstoffbelastung der Luft außen vor?
Mit ihrer Untersuchung habe sich die sogenannte Hygiene-Hypothese, der zufolge mit sinkendem Mikroorganismen-Kontakt, das Risiko von Allergien und andere Autoimmunerkrankungen steigt, bestätigt, erklärten die Forscher. So machen die Experten indirekt auch ein Stück weit die übertriebene Hygiene insbesondere bei Kindern, dafür verantwortlich, dass Asthma eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern in Deutschland ist. Bis zu zehn Prozent der Heranwachsenden sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden hierzulande von einer Asthma-Erkrankung betroffen. Allerdings trifft der Artikel von Markus Ege und Kollegen keine Aussagen darüber, ob die allgemeine Schadstoffbelastung der Luft im Umfeld der Kinder berücksichtigt wurde. Es liegt nahe, hier zu vermuten, dass auf dem Land auch die generell besseren Luftverhältnisse in Bezug auf das geringere Asthma-Risiko eine Rolle spielen können. Bleibt abzuwarten wie die Folgeuntersuchungen an der LMU laufen werden und ob sich ein Zusammenhang zwischen einzelnen Mikroorganismen und dem Asthma-Risiko bestätigt. (fp)