Lange Arbeitszeiten fördern Alkoholabhängigkeit

Fabian Peters

Risiko der Alkoholabhängigkeit steigt mit zunehmenden Arbeitszeiten

09.08.2011

Mit zunehmender täglicher Arbeitszeit steigt die Anfälligkeit für Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht. Neuseeländische Forscher kommen in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass lange Wochenarbeitszeiten das Risiko der Alkoholabhängigkeit verdreifachen können.

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Studienleiterin Sheree Gibb von der Universität der Region Otago und Kollegen haben in ihrer Studie an mehr als 1.000 freiwilligen Probanden im Alter von 25 bis 30 Jahren mögliche Zusammenhänge zwischen der Wochenarbeitszeit und dem Risiko des Alkoholmissbrauchs untersucht. Dabei stellten die neuseeländischen Wissenschaftler fest, dass Personen, die mehr als 50 Stunden pro Woche arbeiten, bis zu 3,3 Mal häufiger unter einer Alkoholsucht leiden, als Menschen, die keiner Beschäftigung nachgehen. Dabei seien sowohl Frauen als auch Männer gleichermaßen betroffen.

Arbeitszeiten beeinflussen das Risiko der Alkoholabhängigkeit
Die Neuseeländischen Forscher haben im Rahmen ihrer Untersuchung nachgewiesen, dass mit zunehmender Arbeitszeit, bei den 25- bis 30-Jährigen die Wahrscheinlichkeit des Alkoholmissbrauchs und das Risiko der Alkoholabhängigkeit deutlich steigen. Eine Verdreifachung der Alkoholsucht bei Wochenarbeitszeiten von mehr als 50 Stunden, sollte allen Workaholics zu denken geben. Als Begründung für die signifikante Erhöhung der Anfälligkeit gegenüber Alkohol nannte die Untersuchungsleiterin Sheree Gibb vor allem den Einsatz des Alkohols zur Stress-Kompensation. Den neuseeländischen Forschern zufolge ist davon auszugehen, dass Alkohol von den besonders viel arbeitenden Personen vor allem zum Stressabbau konsumiert wird. Allerdings könnten auch die soziale Kontakte im Arbeitsumfeld zu mehr Alkoholkonsum anregen, denn „wo lange Arbeitszeiten zum Alltag gehören, kann eine geselligere Atmosphäre entstehen, in der mehr Alkohol getrunken wird“, erklärte die Studienleiterin. Die Forscher planen die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse in dem britischen Wissenschaftsjournal „Addiction“.

Stress und Leistungsdruck als Ursache der Alkoholabhängigkeit?
Mögliche Zusammenhänge mit dem wachsenden Leistungsdruck in der Gesellschaft wurden schon in der Vergangenheit zur Erklärung des erheblich gestiegenen Alkoholmissbrauchs herangezogen. Dabei sei Deutschland im Hinblick auf den Verzehr reinen Alkohols pro Kopf im internationalen Vergleich trauriger Spitzenreiter, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), bei Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2011 im Mai. Die Bundesdrogenbeauftragte bewertete den Alkoholkonsum in Deutschland mit rund zehn Litern reinem Alkohol pro Kopf als äußerst kritisch. Etwa 1,3 Millionen Menschen leiden dem Bericht zufolge derzeit in Deutschland an einer Alkoholabhängigkeit, erklärte die Drogenbeauftragte. Als Ursache der stark verbreiteten Alkoholabhängigkeit vermuten Experten dabei bereits seit längerem einen Zusammenhang zwischen der individuellen Belastung und dem Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum. Die Zunahme des sogenannten Komasaufens unter Jugendlichen, das in den letzten Jahren eine stetig steigende Zahl alkoholbedingter Krankenhauseinlieferungen unter den Heranwachsenden zur Folge hatte, führen die Experten auch auf den wachsenden Stress in der Schule, mit den Eltern, Freunden oder der Freundin zurück. (fp)