Langer Winter führt zu Vitamin-D-Mangel

Heilpraxisnet

Vitamin-D-Mangel: Gelenke und Knochen durch langen Winter gefährdet

05.04.2013

Der lange Winter verursacht vermehrt Knochenbeschwerden durch Vitamin-D-Mangel. So warnt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e. V. (BDN) in einer aktuellen Pressemitteilung vor den negativen Effekten des extrem sonnenarmen, langen Winters. „In unsere Praxen kommen derzeit auffallend viele Patienten mit unklaren Knochen- oder Muskelschmerzen“, erläuterte Dr. med. Detlef Moka, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner.

Vitamin-D-Mangel ist seit langem als möglicher Auslöser für Knochenbeschwerden bekannt, doch sind in der Regel eher Kleinkinder und Heranwachsende gefährdet. Bei Erwachsenen ist das Beschwerdebild normalerweise hingegen deutlich weniger verbreitet. Doch da Vitamin D vom Körper nur bei Sonneneinstrahlung ausreichend gebildet werden kann und der aktuelle Winter zu den sonnenärmsten seit Beginn der Messungen zählt, haben derzeit laut Mitteilung des BDN auch viele Erwachsene mit einem Vitamin-D-Mangel zu kämpfen. Insbesondere älteren Menschen, „die während der Sommermonate nicht genug Sonnenlicht tanken können“, werde hier empfohlen zur Vorbeugung in den Monaten Oktober bis März Vitamin-D-Präparate einzunehmen.

Vitamin D kann nicht ausreichend über Nahrung aufgenommen werden
Vitamin D wird im Körper bei Kontakt der menschliche Haut mit UVB-Strahlung gebildet. Zwar kann auch ein gewisser Anteil über die Nahrung aufgenommen werden, doch lassen sich „höchstens 20 Prozent unseres täglichen Vitamin-D-Bedarfs über Lebensmittel decken“, betonte Dr. Moka. Als Lebensmittel mit hohem Vitamin-D-Gehalt werden vom BDN Pfifferlinge, Champignons und vor allem „Fisch wie Lachs, Makrele und Hering“ aufgeführt. Ohne eine ausreichende Dosis UVB-Strahlung kommt der Organismus jedoch nicht aus. „Wir machen Patienten mit Vitamin-D-Defiziten daher zuerst auf die Möglichkeit aufmerksam, gesunde Sonnenbäder zu nehmen“, erläuterte der Vorsitzende des BDN. Hier reiche es bereits aus, in den Monaten März bis September zwei bis drei Mal pro Woche für fünf bis 30 Minuten Gesicht und Arme oder Beine der direkten Sonne auszusetzen. Wer sich daran hält, habe „keine Schäden zu befürchten und baut ausreichend Vitamin D, auch für einen sonnenarmen Winter, auf“, so Dr. Moka. Als Alternative seien auch Kurzbesuche in modernen Solarien geeignet.

Knochenschmerzen aufgrund eines Vitamin-D-Mangels
Die Nuklearmediziner kommen vermehrt in Kontakt mit Vitamin-D-Mangel-Patienten, da „Hausärzte Patienten, die unter unklaren Knochenschmerzen leiden, häufig zu einem Nuklearmediziner“ schicken, berichtet der BDN. Hier solle beispielsweise durch eine Skelettszintigrafie untersucht werden, ob es sich um eine krankhafte Knochenveränderung handelt. Können die Nuklearmediziner „keine szintigrafisch fassbaren Knochenveränderungen“ feststellen, werde eine Blutprobe genommen und im Labor analysiert, so die Mitteilung des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner.

Mehr als ein Drittel der Patienten zeigen Vitamin-D-Mangel
„Durch den Bluttest stoßen wir häufig auf einen ausgeprägten Vitamin-D-Mangel“, erläuterte Dr. Moka. Relativ häufig leiden die Patienten laut Angaben der Experten gar nicht unter Rheuma oder entzündlichen Gelenkerkrankungen, wie zunächst vermutet, sondern an einem schweren Vitamin-D-Mangel. So habe eine Studie in der nuklearmedizinischen Praxis des BDN-Vorsitzenden in Essen mit 2.500 Patienten gezeigt, „dass 35 Prozent aller deutschstämmigen Patienten unter einem Vitamin-D-Mangel leiden.“ Patienten mit Migrationshintergrund sind laut Aussage des Experten noch häufiger betroffen. Hier liege der „Anteil sogar bei 65 Prozent – vermutlich, weil sie Sonnenlicht durch verhüllende Kleidung stärker meiden.“

Symptome eines langen, sonnenarmen Winters
Objektiv liegt laut Aussage des BDN ein Vitamin-D-Mangel vor, „wenn weniger als 25 Nanomol pro Liter (nmol/l) Vitamin D im Blut gemessen wird.“ Eine Unterschreitung dieses kritischen Wertes führe mitunter im ganze Körper zu Mangelsymptomen. Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Depressionen, Muskelschwäche, Krämpfe, Knieschmerzen, Rückenschmerzen, Hautirritationen (z. B. juckender Juckender Hautausschlag) sowie eine erhöhte Anfälligkeit für virale und bakterielle Infektion werden hier vom BDN als mögliche Beschwerden genannt. Auch neigen die Betroffenen laut BDN zu Knochenbrüchen, einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen und erkranken vermehrt an Osteoporose sowie der schmerzhaften Knochenerweichung Osteomalazie.

Behandlung des Vitamin-D-Mangels
Lässt sich der Vitamin-D-Bedarf nicht durch natürliches Sonnenlicht oder einen Gang ins Solarium beheben, kann Vitamin D laut Angaben des BDN in Form von Tabletten, Kapseln oder öligen Tropfen verabreicht werden. Bei schweren Mangelzuständen werde unter Umständen der Vitamin-D-Speicher mittels einer hoch dosierte Injektion wieder aufgefüllt. Ist das Problem erkannt, bereitet die Behandlung in der Regel keine größeren Beschwerden. Allerdings muss das Vitamin-D-Defizit zunächst registriert werden. „Treten nach einem langen und sonnenlosen Winter unklare Knochenschmerzen auf, sollten Betroffene und behandelnde Ärzte daher immer auch an einen Vitamin-D-Mangel denken und dies abklären lassen“, so der Hinweis des BDN-Vorsitzenden. (fp)

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