Antibiotika-Verordnung unwirksam gegen Langzeitsymptome einer Borreliose-Infektion

Eine Behandlung mit Antibiotika hilft nicht bei einer Lyme-Borreliose. Die Therapie bringt aber unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. (Bild: Michael Tieck/fotolia.com)
Alexander Stindt
Langfristige Einnahme von Antibiotika bringt keine Vorteile bei Borrelien-Infektionen
Auch bei zwölfwöchiger Einnahme hat sich eine Antibiotika-Therapie als unwirksam erwiesen, um die langfristige Symptome von einer sogenannten Lyme-Borreliose zu behandeln, stellten Wissenschaftler in einer aktuellen Untersuchung fest. Somit scheint Antibiotika nicht das richtige Medikament zu sein, um Patienten mit Langzeitbeschwerden einer Borrelien-Infektion zu helfen.

Menschen mit einer Borrelien-Infektion leiden oft unter starken Folgebeschwerden wie beispielsweise Muskel- oder Gelenkschmerzen. Mediziner suchen schon seit längerer Zeit nach Mitteln, die hier eine effektive Behandlung ermöglichen. In einer aktuellen Untersuchung fanden Forscher des Radboud University Medical Center in Nijmegen heraus, das eine Behandlung mit Antibiotika keine richtige Wirkung erzielt. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“.

Eine Behandlung mit Antibiotika hilft nicht bei Langzeitbeschwerden einer Lyme-Borreliose und die Therapie bringt unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. (Bild: Michael Tieck/fotolia.com)
Eine Behandlung mit Antibiotika hilft nicht bei Langzeitbeschwerden einer Lyme-Borreliose und die Therapie bringt unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. (Bild: Michael Tieck/fotolia.com)

Mediziner testen zwei verschiedene Antibiotika-Anwendungen
Viele Menschen mit einer Lyme-Borreliose leiden unter schweren Nachwirkungen der Erkrankung. Aus diesem Grund suchen Mediziner schon länger nach Mitteln und Wegen, um die Erkrankung besser behandeln zu können. Im Laufe ihrer Untersuchungen stellten die Wissenschaftler jetzt fest, dass eine Behandlung mit Antibiotika unwirksam ist. Auch nach einer zwölf Wochen langen Behandlung konnten keine nennenswerten Verbesserungen nachgewiesen werden, erläutern die Experten. Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher die Daten von 280 Probanden. Die neue Studie war die größte bislang größte Untersuchung bei Patienten mit chronischen Symptomen nach einer Borrelien-Infektion. In ihr wurde getestet, ob eine von zwei verschiedenen Antibiotika-Anwendungen helfen kann, die Erkrankung erfolgreich zu behandeln. Beide Anwendungen waren erfolglos, fügen die Mediziner hinzu.

Antibiotika-Behandlung hat ähnliche Ergebnisse wie der Einsatz von Placebo
Nach 12 Wochen der Therapie mit dem Antibiotikum Doxycyclin beantworteten 86 Freiwillige einen Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand mit der Bewertung von 35, wobei die Skala von 15 bis 61 Punkte reichte und 61 für die höchste Lebensqualität stand, erklären die Wissenschaftler. Eine zwölf Wochen lange Behandlung von 96 Patienten mit einer Kombination von Clarithromycin und Hydroxychloroquin brachte es auf einen Punktewert von 35,6. Die Placebo-Gruppe gab nach zwölf Wochen an, das ihr Gesundheitszustand mit 34,8 Punkten zu bewerten sei, sagen die Mediziner. Diese Zahlen zeigen klar, dass auch ein längerer Gebrauch von Antibiotika nur geringe Unterschiede zu dem Einsatz von Placebo aufweist, so Professor Dr. Bart Jan Kullberg vom Radboud University Medical Center in Nijmegen.

Es müssen dringend neue Therapien entwickelt werden
Eine aktive Lyme-Infektion ist nicht die Ursache der Symptome wie Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und einem Verlust der Geistesschärfe, welche bei 10 bis 20 Prozent der Patienten mit deutlich Verzögerung auftreten. Meist werde die Krankheit bei Auftreten der BEschwerden durch eine kurzfristige antibiotische Therapie behandelt, erklären die Forscher. Wenn es aber zu persistierenden Symptomen kommt, wissen wir nicht wirklich was die Ursache dieses Syndroms ist, so Prof. Kullberg gegenüber dem Nachrichtenportal Reuters Health. Die richtige Reaktion sei jedoch offenbar nicht das Verschreiben einer verlängerten Behandlung mit Antibiotika. Frühere Studien hatten bereits ähnliche Ergebnisse gezeigt. Es muss ein neuer Weg gefunden werden, der das disregulierte Immunsystem kontrollieren kann, sagen die Mediziner. Es sei mehr Forschung erforderlich, um herauszufinden wie Patienten mit einer solchen Erkrankung am besten behandelt werden können.

Antibiotika-Anwendungen sind unwirksam und verursachen Nebenwirkungen
Zu Beginn des Tests erhielten alle Probanden zwei Wochen eine intravenöse Antibiotika-Therapie mit dem Arzneimittel Ceftriaxon, um alle aktiven kurzfristigen Infektionen zu vernichten, erklären die Experten. Die Patienten hatten sich zuvor üblicherweise bereits zwei Behandelungen durch eine Antibiotika-Therapie unterzogen. Die Studie teilte alle Patienten in drei Gruppen auf. Alle drei Gruppen berichteten weniger Müde zu sein und sich körperlich und geistig besser zu fühlen, sagen die Forscher. Aber diese Verbesserungen waren in den beiden Gruppen mit aktiven Medikamenteneinsatz nicht signifikant größer, als in der Gruppe, die nur Placebo erhielten, sagt Prof. Kullberg. Darüber hinaus seien keine wesentlichen Veränderungen im Laufe der 26 Wochen langen Nachuntersuchung zu beobachten gewesen. Die einzigen ernsthaften Nebenwirkungen zeigten sich, während der ersten zwei Wochen der Verwendung von Ceftriaxon. Obwohl die Nebenwirkungen meist gering waren, erlebten 68,6 Prozent der Patienten mindestens eine Nebenwirkung, sagen die Mediziner. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Mediziner keine längeren Anwendungen von Antibiotika bei Lyme-Borreliose verschreiben sollten, so das Fazit der Wissenschaftler. (as)

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