„Lebe Balance“ für psychisches Gleichgewicht

Astrid Goldmayer

Seminar der AOK als Präventionsprogramm gegen Burnout

18.10.2013

Einen Vorgeschmack auf das Präventionsprogramm „Lebe Balance“, das Professor Martin Bohus gemeinsam mit der AOK zur Vorbeugung von psychischem Stress entwickelt hat, durften rund 600 Gäste im CongressCentrum in Pforzheim erleben. Die Achtsamkeitsübung, bei der die Teilnehmer mit geschlossenen Augen auf der Vorderkante ihres Stuhls saßen und sich auf ihre Atmung konzentrierten, diente der Fokussierung auf den Moment.

Die Psyche ist heute viel mehr Stress ausgesetzt
Das Präventionsprogramm „Lebe Balance“ soll ab November landesweit anlaufen, um Menschen dabei zu unterstützen, alltägliche psychische Herausforderungen wie etwa Stress und Druck im Berufsleben besser zu meistern. Martin Bohus, Professor für Psychotherapie und Psychosomatik in Heidelberg und Mannheim, entwickelte die Übungen gemeinsam mit Kollegen aus der Forschung über die Widerstandsfähigkeit von Menschen (Resilienz) und der Psychotherapieforschung für die Krankenkasse AOK. „Lebe Balance ist weltweit das erste Gesundheitsprogramm, das die Erkenntnisse dieser Forschungsansätze miteinander verknüpft mit dem Ziel, die Menschen darin zu unterstützen, sich selbst und dem Leben achtsam zu begegnen und Veränderungen aktiv anzugehen“, berichtet Bohus.

„Es geht darum, es erst gar nicht zu einer stressbedingten Erkrankung kommen zu lassen“, ergänzt Siegmar Nesch, Vorstandsvize der AOK Baden-Württemberg.

Während die Arbeit früher stärker aus körperlichen Tätigkeiten bestanden habe, sei sie heute viel stärker intellektueller Natur, erläutert Bohus. Der Alltag sei insgesamt viel schneller und geistig anstrengender geworden. „Die rasante Zunahme an psychischen Erkrankungen wie Erschöpfung, Burnout oder Depression hat uns nun veranlasst, auch für die Gesunderhaltung der Psyche weit im Vorfeld einer Erkrankung ein maßgeschneidertes, wissenschaftlich fundiertes und lebensnahes Präventionsprogramm anzubieten“, erläutert Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg zum Hintergrund von „Lebe Balance“.

„Lebe Balance“ beinhaltet Achtsamkeitsübungen mit Fokus auf den Moment
Wie Bohus erläutert gehe es bei den Achtsamkeitsübungen von „Lebe Balance“ darum, den Moment intensiv zu erleben, um dann davon in Belastungssituationen zu profitieren. Denn Stress und Sorgen seien immer auf die Vergangenheit oder die Zukunft gerichtet. Im Augenblick könne kein Stress empfunden werden, berichtet der Experte. Wer sich voll und ganz auf den Moment konzentriere, sei psychisch stärker.

„Lebe Balance“ beinhaltet neben Achtsamkeitsübungen auch Seminare zu den persönlichen Werten, der Selbstfürsorge, der Analyse des eigenen sozialen Umfelds sowie der Umsetzung geplanter Veränderungen und den Hinternissen, die dabei zu bewältigen sind. In der letzten Einheit der siebenmal eineinhalb Stunden sollen dann die Erfolge bewertet und gefestigt werden.

Bohus sieht insbesondere in der Selbstfürsorge eine große Notwendig. Denn der schärfste Kritiker sei man immer selbst, so der Experte. Wer ein negatives Selbstbild habe, leide in Belastungssituation an besonders großem Stress. Auch die die persönlichen Werte seien ein wesentlicher Bestandteil einer ausgeglichen Psyche. So schöpfe der Mensch Kraft, wenn er etwas umsetze, das ihm wichtig sei. Wer seine persönlichen Werte jedoch nicht kenne, benötige dagegen viel Anerkennung und Bestätigung von außen beispielsweise im Beruf. Diese Art der Anerkennung könne aber leicht wegbrechen.

Auch das soziale Umfeld (Beruf, Familie und Partner, Freunde, Bekannte und Nachbarn) spiele Bohus zufolge eine wichtige Rolle in Bezug auf die psychische Gesundheit. Studien hätten bewiesen, dass dieser Aspekt bei der Lebenserwartung den stärksten Einfluss habe. (ag)

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Bild: twinlili / pixelio.de