Lebensbedrohlicher Lippenherpes: Infekt kann bei Kleinkindern tödlich enden

Alfred Domke
Lippenherpes kann gefährlich werden: Bei Säuglingspflege Mundschutz tragen
Laut Gesundheitsexperten sind zwei von drei Menschen mit Herpesviren infiziert. Haben Betroffene Kontakt zu Babys, kann dies auch für die Kleinen gefährlich werden, teilweise sogar lebensbedrohlich. Bei der Säuglingspflege sollte daher immer ein Mundschutz getragen werden.

Viele wissen nichts von ihrer Infektion
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind mehr als 85 Prozent der Deutschen mit Herpesviren infiziert, der Großteil merkt es nicht einmal. Die Viren werden häufig erst durch bestimmte Einflüsse wie Stress oder starke Sonneneinstrahlung aktiv und führen zu Herpes im Mund. Bei manchen Menschen ist dann besondere Vorsicht geboten. Erwachsene mit Lippenherpes sollten beim Kontakt mit kleinen Kindern sehr vorsichtig sein. Denn schon ein Kuss von ihnen könnte für Babys tödlich enden, wie ein Fall aus Großbritannien zeigte. Infizierte sollten bei der Säuglingspflege stets einen Mundschutz tragen.

Eltern, die unter Lippenherpes leiden, sollten bei der Säuglingspflege stets einen Mundschutz tragen. Das Virus kann bei Neugeborenen lebensbedrohliche Situationen auslösen. (Bild: blackday/fotolia.com)
Eltern, die unter Lippenherpes leiden, sollten bei der Säuglingspflege stets einen Mundschutz tragen. Das Virus kann bei Neugeborenen lebensbedrohliche Situationen auslösen. (Bild: blackday/fotolia.com)

Besondere Vorsicht im Umgang mit Babys
Wenn Eltern unter Lippenherpes leiden, sollten sie im Umgang mit ihrem Neugeborenen oder Säugling, aber auch mit immungeschwächten Kindern besonders vorsichtig sein, schreibt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) auf seiner Webseite „kinderaerzte-im-netz.de. Der Verzicht auf Küsse und ein Mundschutz bewahren den Säugling oder gefährdete Kinder vor einer Infektion. Betroffene sollten darüber hinaus auf besondere Hygiene achten und ihre Hände häufig sorgfältig waschen und desinfizieren.

Das Virus kann eine lebensbedrohliche Situation auslösen
„Bei Neugeborenen kann das Virus schnell eine lebensbedrohliche Situation auslösen, indem es das zentrale Nervensystem, die Leber, die Lunge, die Haut und die Augen angreift. Nach einer Infektion können auch dauerhafte Hirnschäden zurückbleiben“, erklärte Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin und Mitglied des Expertengremiums vom BVKJ.

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Wenn sich eine Gehirnentzündung (Herpes-Enzephalitis) entwickelt, dann können die Krankheitszeichen zunächst einer Grippe ähneln. Der Säugling bekommt demnach eine fahle Hautfarbe, wirkt teilnahmslos oder unruhig, ist zittrig oder krampft. Zudem kann es zu Fieber kommen. In solchen Fällen ist laut den Experten eine rasche Behandlung mit antiviralen Medikamenten und intensivmedizinische Betreuung erforderlich.

Bei befallenen Brustwarzen auf das Stillen verzichten
Sind die Brustwarzen befallen, muss eine Mutter unbedingt auf das Stillen verzichten. „Die Bläschen sollten Erkrankte nicht berühren. Das bedeutet auch, dass sie die Kruste nicht abkratzen dürfen. Gerät die Bläschenflüssigkeit beispielsweise in die Augen, kann dies zu einer bleibenden Hornhauttrübung und verminderten Sehkraft führen“, so Dr. Niehaus.

Entwickelt ein Neugeborenes im ersten Lebensmonat einen Hautausschlag, Fieber oder eine Reizung der Augenlider oder in den Augen, sollten Eltern umgehend ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen.

Herpes möglichst frühzeitig behandeln
Bei Erwachsenen raten Gesundheitsexperten, Lippenherpes möglichst frühzeitig zu behandeln. Bei normalem Verlauf werden häufig Arzneimittel eingesetzt, die die Virusvermehrung hemmen sollen. Die Infektion muss aber nicht immer mit antiviralen Medikamenten behandelt werden. Manchmal reichen auch Hausmittel gegen Herpes, wie Manuka-Honig oder Teebaumöl. Vom Herpes-Ausbruch bis zum Abheilen können bis zu zwei Wochen vergehen. (ad)