Lebensgefährliche Sepsis: Infektionen bei Kindern erfolgen häufig in Kliniken

Fabian Peters
Blutvergiftungen laut Schweizer Studie häufig Folge einer Klinikinfektion
Blutvergiftungen werden schnell lebensbedrohlich und gerade bei Kleinkindern bilden sie eine der häufigsten Todesursachen. Viele dieser Infektionen entstehen im Krankenhaus, so das Ergebnis einer aktuellen Studie an Schweizer Kinderkliniken.

In der nationalen Sepsisstudie haben Schweizer Wissenschaftler das Auftreten von Blutvergiftungen bei Kindern untersucht. Erstmals konnten die Forscher zeigen, „welche Kinder erkranken, an welchen Keimen sie erkranken, wie schwer die Infektionen verlaufen und was die Folgen sind“, so die Mitteilung des Universitätsspitals Bern. Die Studie wurde in dem Fachmagazin „The Lancet Child & Adolescent Health“. veröffentlicht.

Blutvergiftungen zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. Nicht selten erfolgt eine Infektion bei Klinikaufenthalten, so das Ergebnis einer aktuellen Schweizer Studie. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Millionen Kinder sterben jährlich an Blutvergiftungen
Eine Blutvergiftung (Sepsis) ist eine schwere bakterielle Infektion, die unbehandelt rasch zum Versagen lebenswichtiger Organe und zum Tod führen kann, erläutern die Schweizer Mediziner. Mehrere Millionen Kinder sterben jährlich daran, so die Experten weiter. Im Schnitt erkranke jeden Tag in der Schweiz ein Kind an der lebensbedrohlichen Infektion. Erst im Mai 2017 habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf eine Resolution verabschiedet, welche die unterzeichnenden Länder zu verbesserter Sepsis-Prävention verpflichtet.

Sepsis-Fälle in der Schweiz untersucht
In der aktuellen Studie haben die zehn größten Kinderkliniken der Schweiz über einen Zeitraum von vier Jahre gemeinsam die Ursachen und Auswirkungen von Blutvergiftungen bei Kindern untersucht. In dem Studienzeitraum sind laut Aussage der Forscher mehr als 1.200 Kinder in der Schweiz an einer Sepsis erkrankt. Einerseits seien vorher gesunde Kinder von Blutvergiftungen betroffen – mit zum Teil sehr schweren Verläufen, andererseits gehe ein Drittel aller Sepsisfälle auf Bakterien zurück, mit denen die Kinder bei Klinikaufenthalten infiziert wurden, berichtet Dr. med. Philipp Agyeman, Oberarzt an der Universitätsklinik für Kinderheilkunde am Inselspital Bern.

Viele Blutvergiftungen durch bessere Prävention vermeidbar?
Besonders häufig beobachteten die Mediziner Klinikinfektionen und eine anschließende Sepsis bei Frühgeborenen, Kindern unter Chemotherapie und schwerkranken Kindern, die auf einer Intensivstation hospitalisiert waren. Von den betroffenen Kindern seien sieben Prozent trotz bestmöglicher medizinischer Versorgung verstorben. Viele der Sepsisfälle wären vermutlich durch eine bessere Prävention vermeidbar gewesen, berichten die Forscher mit Blick auf die Erfahrungen anderer Länder. „Besonders bei Früh- oder Neugeborenen oder bei Kindern mit einer Grunderkrankung muss hier angesetzt werden“, betont Professor Dr. Christoph Berger, Co-Leiter Infektiologie und Leiter Spitalhygiene am Kinderspital Zürich.

Analyse des Erbgutes
Ein deutlich erhöhtes Risiko der Klinikinfektion und damit der Sepsis-Entstehung liegt zum Beispiel bei häufigen Klinikaufenthalten oder bei einem eingebrachten Venenkatheter vor, berichten die Wissenschaftler. Die aktuelle Studie widmete sich allerdings nicht nur den Infektionswegen, sondern auch den Ursachen für ein erhöhtes Sepsis-Risiko. Im Zuge der Studie wurde eine nationale Datenbank mit Blutproben zur kindlichen Sepsis aufgebaut und anhand einer „genetischen Analyse des Erbguts der betroffenen Kinder können wir Immundefekte identifizieren, die Kinder besonders anfällig für eine Sepsis machen“, erläutert der Studienleiter Professor Dr. med. Luregn Schlapbach vom Inselspital Bern.

Laut Mitteilung des Universitätsspitals Bern sollen gemeinsam mit der EPFL Lausanne nun weitere Untersuchungen zu den genetischen Ursachen folgen, die eine Sepsis bei Kindern begünstigen. So könne die Prävention und Therapie der Sepsis in Zukunft deutlich verbessert werden, hoffen die Forscher. (fp)