Lebensmittelkeime vermehrt antibiotikaresistent

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Heilpraxisnet
Salmonellen und Campylobacter sind zunehmend gegen Antibiotika resistent

27.02.2015

Antibiotikaresistente Keime in Lebensmitteln sind dem aktuellen Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) zufolge ein wachsendes Problem. „Aufgrund der fortschreitenden Resistenz von Bakterienarten (so genannter „Isolate“) gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen“ stünden „für die Behandlung einiger der häufigsten lebensmittelbedingten Infektionen zunehmend weniger Optionen zur Verfügung“, so die Mitteilung der EFSA.

Den Experten zufolge zeigen Salmonellen und Campylobacter-Bakterien erhebliche Resistenz gegenüber gängigen Antibiotika bei Mensch und Tier. Die Verbreitung multiresistenter Salmonella-Isolate schreite in ganz Europa weiter voran und mehre Mitgliedstaaten hätten zudem eine hohe Resistenz von Campylobacter-Isolaten gegenüber dem antimikrobiellen Wirkstoff Ciprofloxacin zu verzeichnen. Demnach drohen erhebliche Einschränkungen der Behandlungsmöglichkeiten bei entsprechenden Infektionen.

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Multiresistente Keime auf Masthähnchen
Dem aktuellen EU-Bericht zufolge war bei Salmonellen ein Anteil multiresistenter Isolate von knapp 32 Prozent bei Menschen, 56 Prozent bei Masthähnchen, 73 Prozent bei Puten und rund 38 Prozent bei Mastschweinen festzustellen. „Die für Isolate aus Menschen und Tieren berichtete anhaltende Verbreitung von besonders multiresistenten Klonen ist besorgniserregend“, warnt die ESFA. Die Isolate der Campylobacter-Bakterien zeigten laut Angaben der Behörden vor allem bei Menschen und Masthähnchen vermehrt Resistenzen gegenüber gängigen Antibiotika. So seien bei Campylobacter jejuni mehr als die Hälfte der Isolate von Menschen (54,6 Prozent) und Masthähnchen (54,5 Prozent) resistent gewesen. „Bei Campylobacter coli waren zwei Drittel der menschlichen und Masthähnchen-Isolate (66,6% beziehungsweise 68,8%) resistent“, so die ESFA weiter.

Resistenzen mindern die Behandlungsoptionen
„Die hohe Resistenz gegenüber Fluorchinolonen bei Campylobacter-Isolaten aus Menschen und Masthähnchen ist besorgniserregend, bedenkt man, dass ein Großteil der Campylobacter-Infektionen beim Menschen auf den Umgang, die Zubereitung und den Verzehr von Hähnchenfleisch zurückzuführen ist“, so Mike Catchpole, leitender Wissenschaftler beim ECDC, zu den Studienergebnissen. „Derart hohe Resistenzgrade reduzieren die Optionen zur wirksamen Behandlung schwerer Campylobacter-Infektionen beim Menschen“, berichtet der Experte weiter. In dem EU-Report werden außerdem die Resistenzen bei Escherichia coli und Enterokokken sowie bei Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) dargestellt.

Unterschiedliche Entwicklung der Resistenzen in den einzelnen Ländern
Während insgesamt europaweit ein deutlicher Anstieg der Resistenzen festzustellen ist, konnten einzelne Länder relativ gut abschneiden. Die gilt beispielsweise für Österreich, wo die gängigste Salmonellenart (Salmonella Enteritidis) noch zu 90 Prozent auf Antibiotika anspricht, während es in Spanien nur noch rund 40 Prozent seien, berichtet die Nachrichtenagentur „APA“. Insgesamt bleibt der Trend zu vermehrten Antibiotikaresistenzen bei gängigen Lebensmittelkeimen jedoch bedenklich. Einzig erfreuliche Nachricht des aktuellen Berichts bleibt, dass „für beide Bakterien die Co-Resistenz gegenüber antimikrobiellen Substanzen von entscheidender Bedeutung gering bleibt“, so die Mitteilung der ESFA. (fp)

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: Sebastian Karkus / pixelio.de