Lebensmittelqualität nicht nachvollziehbar

Fabian Peters

Mehrheit der Verbraucher hat bei Lebensmitteln Schwierigkeiten, die Qualität zu überprüfen

17.09.2012

Die Qualitätsansprüche der Verbraucher im Bereich der Lebensmittel haben sich deutschlandweit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Stand früher vor allem der Preis beim Einkaufen im Vordergrund, legen heute viele Deutsche bei den Lebensmitteln besonderen Wert auf die frische und Qualität. Doch im Supermarkt ist für die meisten Verbraucher nur schwer nachzuvollziehen, welche Qualität einzelne Lebensmittel tatsächlich haben, so das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Lebensmittelkonzerns Nestlé.

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Den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung zufolge, hat die Mehrheit der Verbraucher (58 Prozent) Schwierigkeiten, die Qualität von Lebensmitteln zu beurteilen. Insbesondere bei abgepackten Lebensmitteln, Fertiggerichten und Tiefkühlprodukten, aber auch bei Milch, Müsli, Wurst und Käse sehen viele Kunden wenig Möglichkeiten die Qualität zu überprüfen. Allerdings sind die meisten Deutschen von der grundsätzlich hohen Qualität der Lebensmittel überzeugt – 76 Prozent der Befragten bewerteten diese im Rahmen der Allensbach-Studie als „gut“ bis „sehr gut“.

Höhere Qualitätsansprüche der Verbraucher
Insgesamt wurden im Rahmen der aktuellen Studie 1.671 Verbraucherinterviews geführt und 120 sogenannte Meinungsführer sowie 31 Experten aus deutschen Handelsunternehmen befragt. Dabei zeigte sich, dass die Verbraucher heute einerseits deutlich mehr Wert auf Qualität legen, anderseits jedoch erhebliche Schwierigkeiten haben, ihre Qualitätsansprüche beim Einkaufen zu überprüfen. Mögliche Qualitätsrisiken sehen zwei Drittel der Befragten beim Anbau, der Aufzucht und der Verarbeitung. Die Bedeutung des Transports und mögliche Unterbrechungen der Kühlkette werden hingegen deutlich unterschätzt, so die Mitteilung von Nestlé zu den aktuellen Studienergebnissen.

Qualität von Fertiggerichten und Tiefkühlkost nicht überprüfbar
Die Verbraucher haben bei unterschiedlichen Lebensmittel besondere Schwierigkeiten die Qualität nachzuvollziehen. An erster Stelle wurden hier Fertiggerichte genannt. 85 Prozent der Befragten gaben an, dass für sie die Qualität von Produkten wie Tüten- oder Dosensuppen kaum überprüfbar sei. Vergleichbar schlecht sind die Möglichkeiten zur Eigenkontrolle nach Einschätzung von 82 Prozent der Studienteilnehmer bei Tiefkühlkost. Aber auch die Qualität von Wurst und Käse aus dem Kühlregal stuften 75 Prozent der Befragten als nicht überprüfbar ein. 69 Prozent kommen bei Müsli und Frühstücksflocken zu dem gleichen Ergebnis. Von den 1.671 Befragten gaben insgesamt 58 Prozent an, die Qualität von Lebensmitteln sei für sie generell oft nur schwer zu beurteilen.

Misstrauen gegenüber Lebensmittelherstellern und Kontrolleuren
Das Allensbach-Institut stellte in der aktuellen Umfrage außerdem ein latentes Misstrauen der Verbraucher nicht nur gegenüber den Lebensmittelherstellern, sondern auch gegenüber den Lebensmittelkontrollen fest. Knapp die Hälfte (47 Prozent) äußerten Zweifel an der Effizienz der staatlichen Kontrollen. Lediglich 17 Prozent der Befragten erklärten, den Herstellern in puncto Qualitätssicherung zu vertrauen. In deutlichem Gegensatz zueinander steht die Entwicklung der Qualitätsansprüche bei den Verbrauchern und die Bewertung der tatsächlichen Entwicklung der Lebensmittelqualität. Denn lediglich 20 Prozent der befragten Verbraucher waren davon überzeugt, dass die Lebensmittelqualität sich in den vergangenen Jahren verbessert hat. 40 Prozent sind hingegen der Meinung, dass die Lebensmittel heute insgesamt ungesünder und stärker mit Schadstoffen belastet sind. Die befragten Meinungsführer und Experten kommen hier jedoch zu einer anderen Einschätzung. Sie sind zu 51 Prozent der Überzeugung, dass die Qualität der Lebensmittel heute besser ist als noch vor fünf bis zehn Jahren.

Am Ende entscheidet beim Lebensmitteleinkauf doch der Preis
Obwohl 58 Prozent der Befragten angaben, dass die Qualität für sie beim Lebensmitteleinkauf ein entscheidender Faktor sei, erklärten 51 Prozent, dass sie im Supermarkt letztendlich vor allem auf einen besonders günstigen Preis achten. Die Qualität an sich machen die Verbraucher hauptsächlich an der Frische und dem Geschmack fest. 83 Prozent der Befragten erklärten, hohe Qualität bedeute für sie, dass Lebensmittel „möglichst frisch sind“ und „gut schmecken“. 63 Prozent der Studienteilnehmer waren außerdem der Ansicht, Lebensmittel sollten generell natürlich schmecken und daher wenig künstliche Aromastoffe enthalten. Auch eine artgerechte Tierhaltung war für 58 Prozent ein wesentlicher Punkte in Bezug auf die Lebensmittelqualität. Gleiches gilt für den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel (von 50 Prozent der Befragten genannt) und Gentechnik (53 Prozent). Mehr als die Hälfte der Probanden (52 Prozent) war darüber hinaus der Auffassung, dass qualitative Lebensmittel „möglichst natürlich“ hergestellt werden sollten.

Verantwortungsbewusste Verbraucher mit hohen Qualitätsansprüchen
Die Verantwortung für die Sicherstellung der Qualität sehen die meisten Befragten bei den Lebensmittelherstellern, obwohl sie sich durchaus bewusst sind, dass durch gezielte Kaufentscheidungen auch von den Verbrauchern ein Einfluss auf die Lebensqualität ausgeübt werden kann. Ein in dieser Hinsicht verantwortungsbewusstes Kaufverhalten zeigen bislang jedoch lediglich die sogenannten „Quality Eater“. Sie bilden den aktuellen Studienergebnissen zufolge rund ein Viertel (26 Prozent) der Verbraucher und legen besonders viel Wert auf einen hohe Qualität. Neben dem guten Geschmack und der hohen Lebensmittelsicherheit ist für die „Quality Eater“ eine gesunde Ernährung besonders wichtig. Auch legen sie viel Wert auf eine nachhaltige Herstellung und artgerechte Tierhaltung. Mehr als die Hälfte der „Quality Eater“ sind weiblich, im Alter über 30 Jahren, verfügen über ein relativ hohes Einkommen und sind überdurchschnittlich gebildet. Sie versorgen sich auch deutlich häufiger auf dem Wochenmarkt (60 Prozent) oder in Hofläden (42 Prozent) als der Durchschnitt der Bevölkerung. (fp)