Lebensverlängerung durch leichte Bewegung

Fabian Peters

Schon mäßige körperliche Aktivitäten können laut einer Studie das Leben verlängern

07.11.2012

Bereits leichte körperliche Aktivitäten in der Freizeit erhöhen die Lebenserwartung. Das Forscherteam um Steven Moore vom National Cancer Institute in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) hat in einer umfassenden Untersuchung mögliche Auswirkungen der körperlichen Aktivitäten auf die Lebenserwartung analysiert und die Ergebnis nun im Fachmagazin „PLoS Medicine“ veröffentlicht.

Schon leichte Bewegung kann den Ergebnissen der aktuellen Studie zufolge die Lebenserwartung deutlich erhöhen. Für ihre Analyse nutzten die Forscher die „Daten aus sechs prospektiven Kohortenstudien vom National Cancer Institute Cohort Consortium“, basierend auf 654.827 Einzelpersonen im Alter zwischen 21 bis 90 Jahren. Neben den körperlichen Aktivitäten berücksichtigten die Wissenschaftler auch den Body-Mass-Index (BMI; Relation von Körpergewicht zur Körpergröße) ) der Probanden. Bezüglich der Lebenserwartung stellten sie die größten Abweichungen zwischen schlanken, körperlich aktiven und fettleibigen inaktiven Studienteilnehmern fest. Inaktive Schlanke starben ihrerseits jedoch früher, als aktive Übergewichtige, was den Schluss nahe legt, dass die körperlich Aktivität einen größeren Einfluss auf die Lebenserwartung hat, als das Körpergewicht.

Länger leben durch Spaziergänge
Gemeinsam mit skandinavischen Forschern des Karolinska Instituts in Stockholm (Schweden), des norwegischen Krebsregisters in Oslo, des Instituts für Gemeinschaftsmedizin in Tromso (Norwegen) und der Nichtregierungsorganisation Samfundet Folkhalsan in Helsinki (Finnland) haben die US-Wissenschaftler um Steven Moore die Daten aus den früheren Kohortenstudien ausgewertet. Im Rahmen der zugrundeliegenden Studien wurden die Probanden durchschnittlich über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet. Insgesamt waren im Studienzeitraum 82.465 Todesfälle bei Personen im Alter über 40 Jahren zu beobachten. Wurden die Todesfälle in Zusammenhang mit den körperlichen Aktivitäten gesetzt, so habe sich gezeigt, dass selbst geringe „physische Aktivität von 0,1 bis 3,74 Stunden pro Woche“ die Lebenserwartung signifikant erhöht, berichten Moore und Kollegen. Zügiges Gehen von 75 Minuten je Woche bringt demnach durchschnittlich bereits 1,8 Jahre zusätzliche Lebenszeit.

Aktive Dicke leben länger als inaktive Normalgewichtige
Bei Berücksichtigung des BMI der Probanden stellten die Forscher fest, dass Normalgewichtige (BMI von 18,5 bis 25), die körperlich kaum aktiv waren, durchschnittlich 3,1 Jahre früher starben, als Dicke (BMI 30 bis 34,9), die sich in ihrer Freizeit viel bewegten. Ab einem BMI von 30 gelten Personen nach Einstufung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als fettleibig (adipös). Den deutlichsten Unterschied bezüglich der Lebenserwartung stellten die Forscher mit durchschnittlich 7,2 Jahren zwischen inaktiven, extrem fettleibigen Personen (BMI über 35) und körperlich aktiven (wöchentlich 7,5 Stunden Bewegung), normalgewichtigen Studienteilnehmern (BMI 18,5 bis 25) fest. Berücksichtigt wurden in der Analyse nur Todesfälle von Personen im Alter über 40 Jahren.

Moderate körperliche Aktivitäten mit positivem Effekt für die Gesundheit
Nach Ansicht der Forscher verdeutlichen die aktuellen Ergebnisse, dass bereits „moderate körperliche Aktivität sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann – selbst wenn diese nicht zum Gewichtsverlust führt.“ Steven Moore und Kollegen hoffen mit ihrer Studie auch derzeit inaktive Menschen davon überzeugen zu können, dass "selbst leichte Bewegung, wie regelmäßige Gartenarbeit oder zügiges Spazierengehen, sich im Sinne der eigenen Lebenserwartung lohnt". Erstrebenswert wäre den aktuellen Erkenntnissen zufolge "eine Kombination aus viel Bewegung und Normalgewicht". Dies dürfte den meisten jedoch auch ohne die umfassende Studie des skandinavisch-amerikanischen Forscherteams klar gewesen sein. Für viele neu könnte hingegen die Erkenntnis sein, dass schon leichte Bewegung ausreicht, um einen positiven Effekt zu erzielen. Es muss demnach nicht unbedingt Sport sein.

Bewegungsmangel ein weit verbreiteter Risikofaktor
Der renommierte Sportwissenschaftler, Professor Ingo Froböse, von der Deutschen Sporthochschule in Köln erklärte angesichts der aktuellen Studie gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“, dass die weit verbreitete „sitzende Lebensweise ein echter Risikofaktor“ sei. Weltweit bilde die körperliche Inaktivität mittlerweile ein erhebliches Problem. Damit verbunden sei eine Vielzahl gesundheitlicher Risiken und „laut aktuellen WHO-Zahlen haben wir pro Jahr 3,2 Millionen Tote durch körperliche Inaktivität“, erklärte Prof. Froböse. Zuletzt kam im Juni ein Forscherteam um Dr. I-Min Lee von der Harvard Medical School zu dem Ergebnis, dass „die körperliche Inaktivität sechs Prozent der Krankheitslast durch koronare Herzkrankheit, sieben Prozent der Typ 2 Diabetes, zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen und zehn Prozent der Darmkrebsfälle“ verursacht. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „The Lancet“ betonten, könnten die damit verbundenen Millionen Todesfälle pro Jahr bereits durch relativ geringen Aufwand vermieden werden. Diese Einschätzung wird durch die aktuellen Erkenntnisse von Moore und Kollegen bekräftigt. (fp)

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