Lebererkrankung mit Stammzellen therapiert

Fabian Peters

Forscher nutzen Stammzellen zur Heilung einer Lebererkrankung

13.07.2011

Neue Erfolge in der Stammzellentherapie. Forschern ist es gelungen mit Hilfe der sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) eine Lebererkrankung bei Mäusen zu heilen. Da die induzierten pluripotenten Stammzellen durch Reprogrammierung normaler Körperzellen gewonnenen werden, sind sie deutlich weniger umstritten als die embryonalen Stammzellen.

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Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster haben bei Mäusen eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung mit Hilfe der induzierten pluripotenten Stammzellen geheilt. Sie nutzten die aus Hautzellen der Tiere gewonnen iPS, behoben einen Gendefekt und konnten anschließend die veränderten iPS zur Heilung der Lebererkrankung verwenden, erklärte der Arbeitsgruppenleiter am Institut für Zell- und Molekularpathologie der MHH und Nachwuchsgruppenleiter des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin, Dr. Tobias Cantz, in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „PLoS Biology“. So sei es erstmals gelungen einen lebendigen Organismus mit gentechnisch reparierten iPS von einer Krankheit zu heilen, betonte der Stammzellenforscher.

Lebererkrankung bei Mäusen mit iPS geheilt
Die Forscher „haben Hautzellen von leberkranken Mäusen in iPS umprogrammiert und anschließend den Gendefekt korrigiert, der Ursache für die Lebererkrankung“ war, schreiben Dr. Cantz und Kollegen. Mit Hilfe des speziellen Verfahrens der tetraploiden Embryo-Komplementierung konnten die gen-korrigierten iPS genutzt werden, um gänzlich gesunde Mäuse zu erzeugen. „Die Tiere sind gesund; auch ihre Lebensspanne ist nicht verkürzt“, betonten die Stammzellenforscher. Damit ist nach Ansicht von Dr. Cantz der Beweis erbracht, dass iPS genetisch so verändert werden können, dass die Ursache von genetisch bedingten Krankheiten behoben wird und die pluripotenten Eigenschaften erhalten bleiben. Diese pluripotenten Eingenschaften, das heißt die Fähigkeit sich in sämtliche Körperzellen zu verwandeln, wurden bisher vor allem den Embryonalen Stammzellen zu geschrieben und bei den iPS des öfteren in Frage gestellt. Doch nun sei es erstmal gelungen, einen Gendefekt bei lebenden Tieren zu beheben und gleichzeitig die pluripotenten Eigenschaften der iPS zu bewahren, erklärte Dr. Cantz.

Ethische Bedenken bei Embryonalen Stammzellen
Die Stammzellenforschung ist insgesamt aus verschiedenen Gründen äußerst umstritten. Bei den embryonale Stammzellen sind vor allem die ethischen Gesichtspunkte häufig Anlass zur Kritik. Denn zur Gewinnung der Zellen ist die Zerstörung von frühen menschlichen Embryonen erforderlich. Außerdem steht im Hintergrund des Konfliktes auch die Frage nach einer mögliche Züchtung von Embryonen im Labor (Klonen) zur Gewinnung der Stammzellen, welche von Verfechtern der embryonalen Stammzellforschung häufig als wünschenswerte Option beschrieben wird. Dabei streiten sich Gegner und Befürworter der Stammzellenforschung in Deutschland auch darüber, ab wann ein Embryo als menschliches Leben unter den Schutz des Art. 1 des Grundgesetzes fällt („Die Würde des Menschen ist unantastbar.“). Bei den iPS sind derartige Diskussionen um mögliche ethische Bedenken hingegen eher von untergeordneter Bedeutung.

Kontroverse um genetische Veränderungen pluripotenter Stammzellen
Allerdings hat sich im Verlauf dieses Jahres die Kontroverse über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die pluripotenten Stammzellen (embryonale und induzierte) verschärft, nachdem US-Wissenschaftler der University of California, der San Diego School of Medicine und des Scripps Research Institute schwere genetische Veränderungen in pluripotenten Stammzelllinien nachgewiesen haben. Obwohl nicht abschließend geklärt ist, welche Wirkung diese Genom-Aberrationen auf die Gesundheit haben können, wurden die Ergebnisse der US-Forscher allgemein als schwerer Rückschlag für die Stammzellenforschung gewertet. So zeigte sich der Stammzellenforscher Prof. Hans Schöler vom Max-Planck-Institut in Münster im Rahmen der aktuellen „PLoS Biology“-Veröffentlichung auch bemüht, den kritischen Diskussionen der vergangenen Monate Rechnung zu tragen und betonte: „Die Zellen sind genauso stabil wie embryonale Stammzellen und eignen sich für eine kombinierte Zell- und Gentherapie.“ Dass die künstlich gewonnen embryonalen Stammzellen jedoch ebenfalls instabil sein könnten, bleibt in dem aktuellen Artikel unberücksichtigt. (fp)