Legionärskrankheit: Lebensgefahr in Hotels

Sebastian

Legionärskrankheit: Gefahr von Legionellen in schlecht besuchten Hotelanlagen

04.03.2012

Sind Hotels nicht gut ausgelastet, können gesundheitliche Folgen drohen, an die Gäste im ersten Moment nicht denken. Werden Wasserleitungen nicht regelmäßig genutzt, siedeln sich in den Warmwasserrohren gefährliche Bakterien wie die Legionellen an. Die folgende Legionärskrankheit kann zum Tode führen. Einfache Vorsichtsmaßnahmen können die Infektionsgefahr reduzieren.

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Gefahr in kaum belegten Hotels
Nach Ansicht von Gesundheitsexperten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Werne könnten Gefahren in schlecht ausgelasteten Hotels drohen. Bei einer geringen Zimmerbelegung werden in Folge die Wasserleitungen kaum benutzt. Das ist aber wichtig, weil sich ansonsten Bakterienstämme der Legionellen in den Leitungen vermehren und ein für den Menschen gefährliches Ausmaß annehmen können. Die selben Gefahren drohen nicht nur in den Wasserleitungen sondern auch in Klimaanlagen und weniger genutzten Whirlpools. Wenn sie nicht kontinuierlich betrieben, tummeln sich auch dort Bakterien, die die Legionellose auslösen. „Betroffen sind vor allem Leitungen mit so genannten Stagnationen – in denen das Wasser oft steht, weil es nicht benutzt wird, so dass sich leicht Biofilme bilden können.“, erläutert Dr. Dieter Köhler von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Legionärskrankheit mit schlimmen Folgen
Die Legionellose kann unterschiedlich auftreten. Die bekannteste und am häufigsten auftretende Infektionskrankheit ist die Legionärskrankheit, die für den Menschen einen schweren und lebensgefährlichen Verlauf nehmen kann. Die meisten Patienten verspüren ähnlich wie bei einer saisonalen Grippe zunächst hohes Fieber mit Schüttelfrost, Muskelschmerzen vor allem Bereich der Brust (Thoraxschmerzen), trockenem Reizhusten mit teilweise späteren Blutauswurf. Dazu gesellen sich in vielen Fällen Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie neurologische Ausfälle. Besonders hoch ist die Sterberate bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. Es kann aber auch das sogenannte Pontiac-Fieber entstehen und in seltenen Fällen folgen Infektionen der Herzinnenhaut oder auch die Nierenbeckenentzündung. Damit die Erkrankung nicht provoziert wird, helfen schon kleine Vorsichtsmaßnahmen.

Maßnahme: Wasser laufen lassen, den Raum verlassen, schließen und lüften
Prof. Dr. Köhler, der auch Ärztlicher Direktor der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft in Schmallenberg ist, rät Hotelbesuchern vor dem Verwenden einer Dusche, Badewanne oder Zähneputzen die Wasserhähne aufzudrehen und das Wasser ein paar Minuten laufen zu lassen. Dadurch werden die Leitungen von den angesammelten Bakterien wieder befreit und durchgespült. Der Hinweis gilt vor allem für Pensionen oder Hotels, die offensichtlich schlecht ausgelastet sind. Weil das aber nicht immer offensichtlich ist, sollte der vorbeugende Hinweis generell gelten. Doch Vorsicht: Bereits beim Laufenlassen der Wasserhähne können sich Hotelbesucher mit den Erregern infizieren. Aus diesem Grund rät Köhler, im Badezimmer die Luft anzuhalten, anschließend den Raum zu verlassen und die Tür zu verschließen. Nach dem Vorgang ist es wichtig, das Badezimmer gut zu durchlüften.

Wie wichtig der Warnhinweis ist, zeigt ein aktueller Fall aus einem Hotel in „Costa Blanca“. Dort haben sich 15 Urlauber mit Legionellen infiziert. Drei Patienten sind bereits an den Folgen der Erkrankung verstorben. Nach Angaben einiger Experten scheint eine „einfache Hyperchlorinierung des Leitungswassers nicht auszureichen“. Diese wurde nämlich erst Anfang Januar diesen Jahres in dem betroffenen Hotel durchgeführt. Einige Tage später wurden die Bakterien wieder nachgewiesen. Das Hotel wurde zunächst geschlossen und soll erst nach einer intensiven Desinfektion wieder öffnen.

Viele Laien aber auch Ärzte gehen davon aus, dass sich das Auftreten der Legionärskrankheit auf warme Urlaubsländer beschränkt ist. Das ist aber nicht richtig, warnt Köhler. Für das „Gedeihen der Bakterien ist nicht die Umgebungstemperatur, sondern die Temperatur in der Wasserleitung verantwortlich.“ Auch in Deutschland gebe es zahlreiche Häuser „mit zeitweise stagnierenden Warmwasserrohren“. Eine große Gefahr besteht darin, dass die Krankheit oft zu spät erkannt wird. Können hingegen schnell antibiotische Medikamente verabreicht werden, steigen auch die Chancen einer schneller Genesung. Trotzdem liegt die Sterberate zwischen 10 bis 15 Prozent. (sb)