Legionellen-Verdacht in Therme bei Augsburg

Astrid Goldmayer

Legionellen-Verdacht: Neusäßer Titania-Bad bei Augsburg geschlossen

26.09.2012

In einer Therme in Neusäß im Landkreis Augsburg wurde Bakterien im Badewasser festgestellt. Das Gesundheitsamt zeigte sich besorgt über die hohe Konzentration der Legionellen. Möglicherweise hat sich bereits eine 50-jährige Frau mit den Bakterien infiziert und ist schwer erkrankt. Ärzte rechnen auch mit weiteren Krankheitsfällen, wie es am Dienstag Medienberichten zufolge hieß.

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Legionellen in hoher Konzentration trotz Chlor im Wasser?
Wie das Gesundheitsamt mitteilte, sei am Montag der erste Krankheitsfall gemeldet worden. Nach aktuellen Angaben handele es sich um eine 50-jährige Frau aus dem nördlichen Landkreis Augsburg. Bei einem Besuch der Therme „Titania“ in Neusäß habe die Frau in dem möglicherweise kontaminierten Wasser gebadet und später erste Anzeichen der Legionärskrankheit gezeigt, teilte das zuständige Gesundheitsamt mit. Die Behörde rechnet mit weiteren Krankheitsfällen.

Bei der Untersuchung zeigten sich die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sehr besorgt über die hohe Konzentration der Bakterien im Kinder- und im Thermobecken der Therme. In Chlorwasser treten Legionellen normalerweise nicht auf, da die Bakterien durch die Chemikalie abgetötet werden, wie ein Sprecher des Gesundheitsamtes mitteilte. Nur eine sehr hohe Konzentration könne den Fund erklären. Auch der Leiter der Therme hat bislang keine Erklärung für die Bakterienbelastung des Wassers. Zusätzlich nahm auch ein vom Gesundheitsamt unabhängiges Labor Wasserproben, deren Auswertung Ende dieser Woche erwartet werden.

Legionellen befinden sich in geringen Mengen im Grundwasser. Die Bakterien werden jedoch erst dann zum gesundheitlichen Risiko, wenn sie sich vermehren, beispielsweise in stehendem, 35- 40 Grad warmen Wasser.

Legionellen können Lungenzündung verursachen
Legionellen-Bakterien wurden erstmals im Jahr 1976 bei einem Veteranentreffen der „American Legion“ im Bellevue-Standfort Hotel in Philadelphia diagnostiziert. Von 4.400 Delegierten waren 180 mit den Bakterien infiziert. 29 Männer starben an einer schweren Lungenentzündung, die zu den Folgen einer Infektion mit Legionellen gehört. Die Legionärskrankheit war schon in vollem Gange als die Behörden endlich erkannten, dass es sich um eine Seuche handelt. Inzwischen sind die Bakterien weltweit verbreitet.

Bei der Infektion mit Legionellen werden zwei Formen der Legionellose unterschieden. Zum einen können Betroffene an der Legionärskrankheit erkranken, die durch Tröpfcheninfektion weitergegeben wird und lebensbedrohliche Lungenentzündungen verursacht. Zum anderen kann das das normalerweise milder verlaufende Pontiac-Fieber auftreten. In Deutschland registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) im Jahr 2011 insgesamt 639 Legionellose-Fälle.

Legionellen im Trinkwasser
Im vergangenen Sommer wurde der Grenzwert für Legionellen in München soweit überschritten, dass das Gesundheitsamt ein Duschverbot für 320 Haushalte verhängte. Betroffen waren Bürger des Olympiadorfs. Normalerweise vermehren sich die Bakterien, wenn das Wasser zu lange in den Rohrleitungen steht. Deshalb wurden zunächst die Rohrleitungen gereinigt und zum Teil ausgetauscht. Den Bewohnern des Münchner Olympiadorfs blieb nichts anderes übrig, als zu warten, bis die Konzentration der Legionellen wieder auf einen unbedenklichen Wert zurückging. (ag)