Legionellen: Wieder ein Todesopfer in Warstein

Fabian Peters

Infektionswelle in Warstein mit 165 Erkrankten und drei Todesfällen

25.09.2013

Nachdem die Quelle der rätselhaften Legionellen-Infektionswelle in Warstein gefunden war, ist die Zahl der Neuinfektionen kontinuierlich zurückgegangen und allmählich eine Normalisierung des Alltagslebens eingetreten. Doch hat sich die Zahl der Todesopfer im Nachgang noch einmal erhöht, da bei einer verstorbenen 62-Jährigen im Zuge der Obduktionen eine Infektion mit den Bakterien festgestellt wurde, berichtetet die Staatsanwaltschaft Arnsberg.

Über Wochen zog sich nach dem ersten Auftreten der rätselhaften Infektionen die Suche nach der Erregerquelle, bevor die Legionellen in der örtlichen Kläranlage und einer Vorkläranlage der Warsteiner Brauerei entdeckt wurden. Umfassende Sicherungsmaßnahmen wurden eingeleitet, die laut Mitteilung des Kreises Soest zum Beispiel bei der Warsteiner Brauerei „eine Abdeckung der Becken ihrer betrieblichen Abwasserbehandlungsanlage“ umfassten und die zusätzliche Einrichtung von UV-Desinfektionsanlagen vorsahen. Auch in der kommunalen Kläranlage erfolgten aufwendige Sicherungsmaßnahmen und eine Reinigung des Kanals zwischen betrieblicher und kommunaler Kläranlage wurde angeordnet. „Vorsorglich sind außerdem durch die Stadt Warstein alle Kanaldeckel dieses Kanals abgedichtet worden, damit keine Aerosole entweichen können“, so der Kreis Soest in einer Mitteilung vergangene Woche.

Umfassende Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung der Legionellen
Angesichts der Umsetzung der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen haben der extra einberufene Krisenstab und das zuständige Gesundheitsamt des Kreises Soest die zunächst ausgegebene Reisewarnung bereits letzte Woche wieder aufgehoben und auch die Empfehlung zum Aufenthalt in geschlossenen Räumen (um das Infektionsrisiko zu minimieren) zurückgezogen. Lediglich „der Appell, bei Symptomen zum Arzt zu gehen, gilt in Zusammenhang mit dem Legionellenausbruch in Warstein weiter“, so die offizielle Mitteilung. Das die Zahl der Todesopfer sich nun auf drei erhöht hat, ist keineswegs im Zusammenhang mit einer neuerlichen Infektion zu sehen, sondern geht auf die nachträgliche Identifizierung der Erreger bei einer 62-jährigen verstorbenen Patientin zurück. Die erheblich vorbelastet Frau war an den Folgen einer schweren Lungenentzündung verstorben, deren Ursache nun auf die Legionellen zurückgeführt werden konnten.

Staatsanwaltschaft sieht keinen Anfangsverdacht
Damit hat sich die Zahl der Todesopfer im Rahmen der Legionellen-Infektionswelle in Warstein auf insgesamt drei erhöht und 165 Menschen wurden laut offiziellen Angaben infolge einer Infektion mit den Erregern schwer krank. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hatte aufgrund der Todesfälle Ermittlungen eingeleitet, um zu überprüfen, ob hier möglicherweise fahrlässiges Handeln zu dem Ausbruch der Infektionen geführt haben könnte. Staatsanwalt Marco Karlin erklärte am Dienstag, es hätten sich bisher allerdings keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, „dass jemand seine Sorgfalts- oder Wartungspflichten vernachlässigt hat.“ Da hier keine klaren gesetzlichen Vorgaben zur Wartung von Rückkühlwerken oder zur Legionellen-Kontrolle in den Kläranlagen bestünden, sei nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Arnsberg derzeit kein Anfangsverdacht gegeben.

Arbeit des Krisenstab noch nicht beendet
Obwohl die Erkrankungswelle in Warstein überstanden scheint, wird der Krisenstab seine Arbeit nach eigenen Angaben weiter fortsetzen, „um alle noch bestehenden Problemfelder abzuarbeiten.“ Beispielsweise werde durch ein entsprechendes Monitoring der Bezirksregierung die Belastung der Gewässer im Blick gehalten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob nicht allgemein strengere Vorgaben bezüglich der Legionellen-Kontrolle in den Klär- und Kühlanlagen erforderlich wären, um künftig frühzeitig auf entsprechende Gefahren aufmerksam zu werden. (fp)

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