Lehrerin: Brustkrebs als Berufserkrankung?

Fabian Peters

Brustkrebs als Berufserkrankung: Lehrerin verklagt Bundesland Nordrhein-Westfalen

17.01.2011

In Nordrhein-Westfalen klagt einen Lehrerin auf Anerkennung ihres Brustkrebsleidens als Berufserkrankung. Vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf wird heute über die Klage der Berufsschullehrerin gegen das Land NRW entschieden.

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Brustkrebs durch Schadstoffbelastung in der Schule?
Die ehemalige Berufsschullehrerin aus Grevenbroich hat ihren Arbeitgeber – das Land NRW – verklagt, weil sie davon ausgeht, dass ihr Brustkrebsleiden durch die erheblichen Schadstoffbelastungen, denen sie in der Berufsschule ausgesetzt war, verursacht wurde. Die Belastungen durch den PVC-Fußboden und Abgase aus der Schul-Autowerkstatt seien enorm gewesen und hätten letztendlich zu der Krebserkrankung geführt, so die Argumentation der Lehrerin.

Mehrere Klagen wegen Schadstoffbelastung in der Schule
Wegen der Schadstoffbelastung in der Schule hat auch der 17-Jährige Sohn der Lehrerin gegen das Land NRW geklagt. Er geht davon aus, dass seine Diabetes ebenfalls auf die Schadstoffe in den Schulräumen, denen seine Mutter während der Schwangerschaft und der anschließenden Stillzeit ausgesetzt war, zurückzuführen ist. Die Schadstoffe hätten sich von der Mutter auf ihn übertragen, so die Klagebegründung des 17-Jährigen. Darüber hinaus klagt auch ein Witwer gegen das Land NRW, dessen Frau eine Lehrerin war, die ebenfalls an Brustkrebs erkrankte und anschließend verstarb. Der Rhein-Kreis Neuss als Träger der Schule betonte indes, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und möglichen Schadstoffbelastungen in der Schule gebe – dies hätten Gutachten ergeben. Das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf wird heute erwartet.

Gesundheitsrisiko in den Schulen durch Schadstoffe
Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland mindestens 10.000 öffentliche Gebäude und über 5.000 Schulen – die überwiegend in den 1960er und 1970er Jahren gebaut wurden von – mit polychlorierten Biphenylen (PCB) verseucht sind, die das Nervensystem schädigen sowie die Schleimhäute und das Immunsystem beeinträchtigen können und langfristig die Entwicklung von Tumoren begünstigen. Auch die Weichmacher in den PVC-Fußbodenbelägen, welche schwere allergische und toxische Reaktionen auslösen können, sind ein in den Schulen relativ weit verbreitetes Gesundheitsrisiko. Dr. Frank Bartram, Umweltmediziner und Vorstandsmitglied der Interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin (IGUMED) erklärte, dass die Schadstoffe bei Kindern zu Konzentrations- und Lernstörungen führen können: „Plötzliche Leistungsknicke und Aufmerksamkeitsdefizite sind häufige Folgen.“ Dabei seien Kinder besonders betroffen, „da ihr Nervensystem und ihre Entgiftungssysteme noch nicht ausgereift sind“, betonte der Fachmann. „Das ist nicht hinnehmbar“, erläuterte Bartram und forderte den Gesetzgeber auf, hier endlich tätig zu werden, um „einen vorsorgenden Schutz unserer Kinder vor gefährlichen Chemikalien (zu) gewährleisten.“ (fp)