Lehrerin mit offener Tuberkulose in der Schule

Fabian Peters

Mehr als einhundert Schüler im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort mit Tuberkulose infiziert?

13.01.2012

Eine an offener Lungentuberkulose (TBC) erkrankte Lehrerin hat in einer Schule im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort möglicherweise mehr als hundert Schüler mit den gefährlichen Erregern infiziert.

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Die Lehrerin war trotz massivem Husten zur Arbeit gegangen, um den Unterricht nicht ausfallen zu lassen. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Denn der Husten war Begleiterscheinung einer offenen Tuberkulose, die sich über sogenannte Tröpfcheninfektionen relativ leicht überträgt. So müssen sich 120 Schüler und 20 Kollegen der Lehrerin am 31. Januar beim Kreisgesundheitsamt untersuchen lassen, da sie sich möglicherweise mit den Tuberkulose-Erregern infiziert haben.

Über Tage hatte sich die Lehrerin Ende letzten Jahres trotz intensivem Husten zur Schule geschleppt, bevor die schockierende Diagnose einer offenen Tuberkulose gestellt wurde. So hat das vermeintliche Pflichtbewusstsein der Lehrerin zur Folge, dass sich nun möglicherweise 120 Schüler und 20 Lehrkräfte mit den gefährlichen Erregern infiziert haben. Das Kreisgesundheitsamt ist eingeschaltet und hat sämtlichen Personen, die in Kontakt mit der Lehrerin kamen, eine entsprechende Vorsorgeuntersuchung angeordnet. Am 31. Januar müssen die Betroffenen sich im Kreisgesundheitsamt einem sogenannten Tuberkulintest unterziehen, mit dem eine mögliche Infektion überprüft werden soll.

Übertragungsrisiko der Tuberkulose
Zwar ist Tuberkulose weniger ansteckend als Grippe (Influenza) oder Masern, doch im Fall einer offenen Tuberkulose (Bakterien im Auswurf nachweisbar), können die Erreger dennoch recht leicht von Mensch zu Mensch überspringen. Beim Husten bildet sich ein infektiöses Aerosol (winzige Tröpfchen in der Luft), dass über die Raumluft die Mitmenschen erreicht. So besteht bei sämtlichen Schülern und Kollegen der Lehrerin das Risiko einer Tuberkuloseinfektion. Um eine weitere Verbreitung der Erreger und mögliche Gesundheitsgefahren zu vermeiden, sind alle Personen, die Kontakt mit der Lehrerin hatten, nun dazu aufgefordert sich beim Kreisgesundheitsamt auf eine Tuberkuloseinfektion hin untersuchen zu lassen. Zwar heilt Tuberkulose bei adäquater medizinischer Versorgung oftmals ohne weitere Folgeschäden aus, doch sind die Risiken der bakteriellen Infektionskrankheit nicht zu unterschätzen. Weltweit ist Tuberkulose den Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge die Infektionskrankheiten mit den meisten Todesfällen, wobei laut WHO-Schätzungen im Jahr 2009 mehr 1,8 Millionen Menschen an Tuberkulose verstarben.

Weniger als 5.000 Tuberkulose-Erkrankungen pro Jahr
In Deutschland ist die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen seit Jahren rückläufig und liegt heute bei unter 5.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Die im Volksmund auch als Schwindsucht bekannte Tuberkulose hat demnach viel von ihrem ursprünglichen Schrecken verloren. Die Untersuchung sämtlicher Personen, die in Kontakt mit Infizierten gekommen sind, ist dennoch bis heute Standard. Der Lehrerin, deren Erkrankung für den aktuellen Trubel verantwortlich war, geht es nach Auskunft des Kreisgesundheitsamts mittlerweile bereits wieder besser und sie befindet sich derzeit zu Hause, um die Krankheit gänzlich auszukurieren. Die Schüler, Eltern und Kollegen der Lehrerin haben die Aufforderung zur Kontrolle einer möglichen Tuberkulose-Infektion laut Aussage des Bürgermeisters von Kamp-Lintfort, Dr. Christoph Landscheid (SPD), „ruhig und gelassen“ aufgenommen. (fp)

Bild: Hartmut910 / pixelio.de