Leiharbeiter: Massive Benachteiligung beim Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung

Sebastian
Teilzeitkräfte und Leiharbeiter sind stark benachteiligt
Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung profitieren Leiharbeiter und Teilzeitkräfte wesentlich weniger von sogenannten Gefährdungsbeurteilungen. Bei den Beurteilungen handelt es sich um systematische Verfahren, um die Belastungen der Angestellten am Arbeitsplatz zu ermitteln. Vor allem Leiharbeiter sind benachteiligt.

Rechtlich sind Leiharbeiter, Minijobber oder Werkvertragsbeschäftigte beim Arbeitsschutz zwar den Normalarbeitnehmern weitgehend gleichgestellt, so die Wissenschaftler in ihrer Analyse, die in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen erschienen ist. In der Praxis ergäben sich „aber erhebliche Schwierigkeiten“. So seien atypisch Beschäftigte aufgrund kurzer Einsatzzeiten oft von Arbeitsschutzroutinen wie regelmäßigen Unterweisungen ausgeschlossen. Zudem gebe es Mängel bei der Betreuung durch Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte. Bei der Leiharbeit erweise sich als problematisch, dass Ver- und Entleiher gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit tragen. Das führe dazu, dass sich in vielen Fällen niemand zuständig fühlt.

Jeder zweite (57 Prozent) in unbefristeter Vollzeit arbeitende Angestellte erhält eine Gefährdungsbeurteilung. 43 Prozent der befragten in Teilzeit arbeitenden Angestellten sagten das ebenfalls und 47 Prozent der Leiharbeiter sagten das ebenfalls. Zudem bekommen von den unbefristet und in Vollzeit angestellten Beschäftigten 58 Prozent regelmäßig Angebote zur Förderung der Gesundheit. Teilzeitkräfte kommen nur in 43 Prozent der Fällen in den Genuss der Gesundheitsförderung. Bei Zeitarbeitern sieht es noch schlechter aus. Hier erhalten nur 29 Prozent der Betroffenen das Angebot zur Gesundheitsförderung.

„Mitglieder prekärer Randbelegschaften und andere atypisch Beschäftigte“ sind „von vielen Errungenschaften der Arbeitssicherheit und Gesundheitsprävention ausgeschlossen“, berichten die Wissenschaftler. Dabei spielt auch eine Rolle, dass sie im Vergleich zur Stammbelegschaft weniger oder gar keine Mitbestimmungsrechte haben, so die Forscher. (sb)

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