Leukämie: Arsen gegen Blutkrebs

Arsen bei seltener Leukämie-Erkrankung

Arsen als Therapie bei seltener Leukämie

18.01.2013

Seit Jahren testen Forscher den Einsatz von Arsen zur Behandlung von Krebs. Nun haben italienische und deutsche Wissenschaftler erfolgreich eine spezielle Form von Blutkrebs (Leukämie) mit der Kombination aus Arsentrioxid und einem Vitamin-A-Abkömmling therapiert.

Laut Aussage des Direktors der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden, Professor Gerhard Ehninger, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“, hat die Behandlung in nur sechs Monaten den Krebs beseitigt. Der renommierte Krebsexperte und Hämatologe ist Mitinitiator der weltweit größten Krebs-Datenbank „Onkopedia“, welche online frei zugänglich eine Vielzahl an Therapieempfehlungen für Menschen mit Krebserkrankungen bereithält und sich dabei ausschließlich auf wissenschaftlich verifizierte Informationen stützt.

Blutkrebspatienten bleibt die Chemotherapie erspart
Die Behandlung von Krebserkrankungen mit Hilfe von Arsen ist vom Grundsatz her keine neue Idee, doch haben entsprechende Verfahren trotzt mehrerer positiv ausgefallener Studien nur vereinzelt Eingang in die Krebs-Therapie genommen. Eine Ausnahme bildet die Behandlung bestimmter Formen des Blutkrebs auf Basis von Arsen. Mit Arsentrioxid und einem Vitamin-A-Abkömmling lässt sich die Erkrankung laut Aussage der Experten erfolgversprechend und in deutlich kürzerer Zeit als bisher therapieren. Zudem bliebe den Patienten die herkömmliche Chemotherapie mit ihren teils massiven Nebenwirkungen erspart. Die Chemotherapeutika hätten bei der bisherigen Leukämie-Behandlung oft eine langanhaltende Unterdrückung der Blutbildung bedingt und auftretende Infektionen waren nicht selten lebensbedrohlich, erläuterte Prof. Ehninger. Die neue Therapie biete hier deutliche Vorteile.

Beachtliche Heilungserfolge durch die Arsen-Therapie
Das deutsch-italienische Forscherteam hatte den Einsatz von Arsentrioxid bei 160 Patienten mit Promyelozyten-Leukämie getestet. Das Ergebnis war überzeugend. „Alle Patienten wurden krankheitsfrei“, so Prof. Ehninger. Bereits nach sechs Monate habe sich der Behandlungserfolg eingestellt, während eine herkömmliche Chemotherapie rund zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen hätte. Auch drei Jahre nach der Behandlung betrug die Heilungsrate laut Angaben der Forscher noch 95 Prozent. Die Überlebensquote, bei der auch die Rückfälle berücksichtigt wurden, lag bei 98 Prozent. Nebenwirkungen, wie Beispielsweise Vergiftungen durch das Arsen, seien im Rahmen der Behandlung nicht aufgetreten, da die verabreichte Dosis minimal war. Auch kann Arsentrioxid bei höheren Dosierungen unter Umständen zu Nieren- und Leberstörungen führen,was bei den Patienten jedoch nicht beobachtet wurde. Zudem bestehe eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit von Herzrhythmusstörungen, „dafür werden die Patienten aber überwacht“, erläuterte Prof. Ehninger.

Arsen zu Behandlung unterschiedlicher Krebserkrankungen geeignet?
Diese äußerst positive Bilanz der Blutkrebs-Therapie auf Basis von Arsen, hat auch Medizinern wie den Direktor für Innere Medizin an der Uniklinik Köln, Professor Michael Hallek, überzeugt. Dieser hat die Kombi-Therapie bereits zur Behandlung von Patienten mit Promyelozyten-Leukämie in Köln übernommen. „Für uns sind die Ergebnisse Grund genug, unser Verhalten zu ändern“, betonte der Leukämie-Experte gegenüber der „dpa“. Durch den kombinierten Einsatz des Arsentrioxids und des Vitamin-A-Abkömmlings verbessere sich die Prognose bei Promyelozyten-Leukämie sehr deutlich. Allerdings lässt sich das neuartige Verfahren bisher nicht bei anderen Blutkrebsformen einsetzen. Hier seien weitere Studien erforderlich, um die Möglichkeiten des Arsens in der Krebstherapie zu erkunden, erläuterte Prof. Ehninger. Das Einsatzgebiet ist dabei eventuell deutlich größer als bisher angenommen. So haben beispielsweise US-Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) eine Studie veröffentlicht, die auf Möglichkeiten zur Behandlung bestimmter Hirntumore mit Arsenvarianten hinweist. (fp)

 


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Bild: Gerd Altmann, Pixelio