Leuna: Krebserregende Chemikalie im Grundwasser

Fabian Peters

Ursache der Grundwasserbelastung mit krebserregenden PFT weiter unklar

28.10.2011

Das Grundwasser in Leuna ist mit krebserregenden Chemikalien belastet. Wie eine Sprecherin des Landratsamtes in Merseburg offiziell bestätigte, wurden im Ortsteil Spergau erhöhte Konzentrationen sogenannter Perfluorierter Tenside (PFT) im Grundwasser festgestellt.

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Die toxische Chemikalie ist besonders gefährlich, da sie sich im Laufe der Zeit in der Umwelt und im menschlichen Organismus anreichert. Ein PFT-Belastung im Grundwasser ist daher außerordentlich kritisch und zudem lassen sich die PFT im Prinzip nur mit Kohleaktivfiltern wieder aus dem Wasser entfernen lassen. So werden die rund 1.000 Einwohner des Leunaer Ortsteils Spergau vermutlich noch einige Zeit mit dem verseuchten Grundwasser leben müssen.

Chemieindustrie als Ursache der Grundwasserbelastung?
Die in Sachsen-Anhalt gelegene Stadt Leuna ist einer der bekanntesten Chemiestandorte in Deutschland. Hier waren zu DDR-Zeiten die Leuna-Werke angesiedelt, das damals größte Unternehmen der Chemieindustrie in Ostdeutschland. Heute befinden sich auf dem Standort der ehemaligen Leuna-Werke zahlreiche Betriebe der chemischen Industrie, wobei sich die Liste wie das Who-is-Who der Chemieunternehmen liest: Total, Addinol, die BASF Leuna GmbH, die Linde AG, Dow und viele mehr sind vor Ort. Da liegt der Verdacht nahe, dass die PFT-Belastung des Grundwassers mit der Chemieindustrie im Zusammenhang stehen könnte, doch die zuständigen Behörden wollen hiervon nichts hören und benennen eine Straße in Spergau als möglichen Ursprung des PFT. Der Ortsteil liege zwar in unmittelbarer Nähe zu den ehemaligen Leuna-Werke, angeblich wurden dort jedoch nie PFT-Verbindungen verarbeitet. Zudem liegen derzeit keine Hinweise auf mögliche Altlasten vor, erklärten die Behörden.

Weitere Untersuchungen der Chemikalienbelastung des Grundwassers
Den Grundstücksbesitzern raten die Behörden, das Wasser aus dem eigenen Brunnen vorerst nicht zu verwenden. Wobei „vorerst“ ein dehnbarer Begriff ist, denn die Belastung ist laut Zeitungsberichten bereits seit Februar bekannt. Aufgefallen war die PFT-Belastung des Grundwassers laut Aussage des Zweckverbands Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Bad Dürrenberg, als bei Routinekontrollen im Klärschlamm der Wasserwerke erhöhte PFT-Werte nachgewiesen wurden. Die anschließenden Untersuchungen hätten ergeben, dass die krebserregende Chemikalie vermutlich über den gestiegenen Grundwasserspiegel ins Abwasser gelangt ist. Die Ursache der Verschmutzung konnte jedoch bis heute nicht abschließend geklärt werden. Weitere Untersuchungen der PFT-Verbindungen im Labor sind derzeit noch nicht abgeschlossen, die Ergebnisse werden laut Aussage der Behörden in 14 Tagen erwartet. Diese sollen helfen den Ursprung der krebserregenden Chemikalie zu ermitteln. Außerdem werden auch die Hauswasserbrunnen überwacht, so die Mitteilung der Behörden. Allerdings stellt sich die Verursacherermittlungen zur Herkunft der PFT-Belastung laut Aussage der Experten generell äußerst schwierig dar, so dass bezweifelt werden darf, ob die Behörden am Ende dem Verursacher tatsächlich auf die Spur kommen. (fp)