Lippenherpes rechtzeitig behandeln

Fabian Peters

Lippenherpes: Ein wiederkehrende Erkrankung

02.04.2014

Lippenherpes (Herpes simplex labialis) ist ein weithin verbreitetes Beschwerdebild, das nach erstmaligem Ausbruch jederzeit erneut auftreten kann. Denn die Viren schlummern ein Leben lang im Körper. Bei einigen Betroffenen befällt der Herpes regelmäßig größere Hautareale. Welche akuten Auslöser dabei das erneute Aufflammen des Herpes bedingen, bleibt bislang weitgehend unklar. Als erwiesen gilt lediglich, dass lokale Schwächungen des Immunsystem, massiver Ekel und Infektionskrankheiten das Auftreten des Herpes begünstigen können. Viele Betroffene kennen ihre persönlichen Auslöser jedoch relativ gut und versuchen diese möglichst zu meiden. Wenn der Herpes dennoch ausbricht, ist allerdings schnelles Handeln geboten, um einen Flächenbrand zu vermeiden.

Der akute Herpesausbruch zeigt sich in der Regel anhand deutlicher Hautbildirritationen, die verschiedenen Stadien durchlaufen. Ein Juckender Hautausschlag mit intensiver Bläschenbildung im Anfangsstadium und Verschorfungen der aufgeplatzten Bläschen im späteren Verlauf bilden hier die allgemein bekannten Symptome des Lippenherpes. Auch intensive Schmerzen können Teil des Beschwerdebildes sein. Mitunter befallen die Herpesviren zudem andere Bereich, wie beispielsweise die Genitalregion und lösen hier entsprechende Beschwerden aus. Um das Krankheitsbild möglichst effizient einzudämmen, sollten Betroffene bei ersten Anzeichen der Erkrankung reagieren und darüber hinaus besonders auf die Hygiene achten. Berührungen der aufgeplatzten Herpes-Bläschen gilt es zu vermeiden, da die austretende Flüssigkeit mit Viren belastet ist, welche leicht auf andere Körperbereiche oder Mitmenschen übertragen werden können. Zur Behandlung des Lippenherpes stehen zahlreiche Mittel zur Verfügung, die jedoch nicht die schlafenden Viren im Körper beseitigen, sondern lediglich die Symptome lindern können.

Erstinfektion meist im Kindesalter
Ursache des Lippenherpes sind in den meisten Fällen Viren der Gattung Herpes Simplex Typ I (HSV-I), seltener des Typ II (HSV-II). Unter Berufung auf die Aussage des Präsident der Gesellschaft für Virologie, Dr. Thomas Mertens von der Universitätsklinik Ulm, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“, dass rund 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland latent mit Herpesviren infiziert seien. Oftmals erfolge eine Erstinfektion bereits in der frühen Kindheit. Bei Kindern rufen die Herpesviren unter Umständen das auffällige Beschwerdebild einer sogenannten Mundfäule (Herpes im Mund) hervor, das durch Veränderungen der Schleimhautstrukturen im Mund und massives Mundbrennen gekennzeichnet ist. Doch nur bei weniger als zehn Prozent der infizierten Kinder äußere sich die Herpes-Infektion in klinischen Symptomen, so die Aussage von Thomas Mertens. Auch bei den übrigen infizierten Kindern bleiben die Viren jedoch im Organismus erhalten und können bei gegeben Anlass wieder aus ihrem Ruhezustand erwachen.

Herpesviren nisten sich in Nervenzellen ein
Die Herpesviren befallen bei Erstinfektion zunächst meist den Bereich zwischen Schleimhaut und normaler Haut – zeigen sich also beispielsweise am Rand der Lippen. Im Zuge der Infektion können sich die Viren in den Epithelzellen vermehren und zerstören diese, was zu der genannten Bläschenbildung und dem anschließende Austritt von Flüssigkeit führt. Im weiteren Verlauf treten die Herpesviren in die lokalen Nervenenden ein und wandern anschließend über die Nervenbahnen in die zugehörigen sensorischen Ganglienzellen, berichtet Dr. Mertens. Sind die Viren hier angekommen, finde „ein Umschaltprozess statt: Die Infektion wird zu einer latenten Infektion.“ Die Viren können jedoch auch den umgekehrten Weg nehmen und über die Nervenbahnen zurückwandern, was mit einem erneuten Herpesausbruch einhergeht.

Ursachen der Reaktivierungen unklar
Welche genauen Ursachen einer Reaktivierung der Herpesviren zu Grunde liegen, ist bislang nicht gänzlich geklärt. Beispielsweise werden intensive Sonneneinstrahlung und hormonelle Faktoren als Ursachen diskutiert. Die Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet unter Berufung auf die Aussage von Ulrich Klein, Experte des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen, dass „Auslöser offensichtlich auch eine lokale Immunschwäche – durch Fieber, andere Erkrankungen oder auch Ekel“ sein kann. Der Ekel „verursacht Stress, sorgt für vermehrte Adrenalinproduktion und damit für eine Schwächung des Immunsystems“, so Klein weiter. Oft würden die Betroffenen schon Stunden bevor die ersten Anzeichen eines erneuten Herpesausbruchs sichtbar werden ein unangenehmes Brennen der Haut und ein Spannungsgefühl feststellen. Anschließend „rötet sich die betroffene Hautstelle, es bilden sich Bläschen“, so der Dermatologe weiter.

Behandlung des Lippenherpes
Zur Behandlung des Lippenherpes stehen unterschiedliche Arzneien zur Verfügung, wobei vor allem äußerliche Anwendungen der Wirkstoffe Aciclovir und Penciclovir häufig eingesetzt werden. Auch andere Virostatika können hier durchaus Linderung verschaffen beziehungsweise eine weitere Vermehrung der Viren eindämmen. Um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen, sollte dabei umgehend nach Auftreten der ersten Herpes-Anzeichen mit der Behandlung begonnen werden. Eine orale Einnahme und eine intravenöse Anwendung der Virostatika ist ebenfalls möglich, allerdings bedarf es hierfür einer entsprechenden Verschreibung. Viele in der Apotheke erhältliche Mittel gegen Lippenherpes sind indes nicht verschreibungspflichtig.

Übertragung durch gründliche Hygiene vermeiden
Um eine Übertragung der Herpesviren zu vermeiden, ist laut Aussage der Experten eine besonders gründliche Hygiene geboten. Die relativ großen Herpesviren reagieren äußerst empfindlich auf Seife und Übertragungen lassen sich daher durch regelmäßiges Händewaschen verhältnismäßig gut vermeiden. Befallene Hautareale sollten am besten nicht berührt werden und beim Eincremen kann ein Einweghandschuh oder auch ein Wattestäbchen benutzt werden. Kratzen gilt es unbedingt zu vermeiden, da durch die hierbei entstehenden Hautverletzungen bakterielle Sekundärinfektionen erleichtert werden und über die offenen Wunden Erreger in tieferliegende Hautschichten oder die Blutbahn eindringen können. (fp)

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