Lüften hilft gegen Schadstoffe in Wohnräumen

Heilpraxisnet

Schadstoffbelastung in Wohnräumen durch regelmäßiges Lüften reduzieren

06.01.2015

Die Luft in Wohnräumen ist oftmals mit Schadstoffen belastet, die aus Baumaterialien, Möbeln, Teppichen und anderen Einrichtungsgegenständen ausdünsten. Da wir einen Großteil der Zeit in unseren Wohnungen verbringen, kann dies auf Dauer schlimmstenfalls zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Durch regelmäßiges Lüften lässt sich die Luftqualität in den Wohnräumen jedoch deutlich verbessern, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“.

Vor allem Schimmel ist als Problem bekannt, das maßgeblich durch unzureichendes Lüften der Wohnräume bedingt werden kann. Doch auch Schadstoffe, die aus Baustoffen und der Innenraumeinrichtung ausdünsten, reichern sich mit der Zeit in der Wohnraumluft an. Beispielsweise kann die Konzentration der sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen, (engl. Volatile Organic Compounds; VOC) laut Angaben des Umweltbundesamtes „unmittelbar nach Bau- und umfangreichen Renovierungsmaßnahmen, sowie bei unsachgemäßer Verarbeitung und massivem Einsatz wenig geeigneter Produkte“ derart ansteigen, dass schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen.

Mangelndes Lüften begünstigt Schimmel
Werden die Wohnräume nicht gelüftet, steigt die Luftfeuchtigkeit und es kommt gegebenenfalls zur Bildung von Schimmel. Die verbesserte Dämmtechnik der Fenster führt dabei mitunter zu einer Verschärfung des Problems. Denn „Fenster schließen heute immer dichter“ und „wenn nicht gleichzeitig auch die Dämmung der Wände von außen verbessert wird, bleiben die Wände kühl, und Feuchtigkeit aus der Raumluft kann sich daran niederschlagen“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ die Expertin Prof. Barbara Hoffmann vom Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung. Diese Feuchtigkeit bilde den Nährboden für Schimmelpilze. Generell entsteht Schimmel „immer dann, wenn es in der Wohnung zu kalt und zu feucht ist“, so der Hinweis des Umweltbundesamtes. Wände, die sich ständig ständig feucht anfühlen oder Kondenswasser an der Fensterinnenseite seien hier eindeutige Warnsignale. „Regelmäßiges Lüften und Heizen sowie ein baulich intaktes Gebäude kann das verhindern“, so das Umweltbundesamt weiter.

Stoßlüften zur Verbesserung der Luftqualität
Stoßlüften ist den Angaben der Experten zufolge das Mittel der Wahl, um dem Schimmel entgegenzuwirken. „Auch im Winter sollte die Wohnung morgens und abends für 10 Minuten quergelüftet werden“, erläutert das Umweltbundesamt. Hierfür seien alle Fenster zu öffnen, um den gewünschten Durchzug zu erreichen und die Heizung sollte herunter gedreht werden. Finden sich weiterhin Hinweise auf eine zu hohe Luftfeuchtigkeit, könne „mehrmals täglich durch weites Öffnen der Fenster kurz (stoß)gelüftet werden.“ Sollten sich bereits ein größerer Schimmelbefall gebildet haben, rät das Umweltbundesamt dringend Fachleute hinzuzuziehen, die die Ursache der Feuchtigkeit aufklären und den Schimmel beseitigen. Beispielsweise könne Schimmel auch entstehen, „wenn ein Gebäude nicht dicht ist, warme Luft nach außen entweicht und Kondenswasser an den Austrittsstellen hinterlässt“, wird Volker Zaborowski vom Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau von der „dpa“ zitiert. Da Schimmelwachstum in Innenräumen zu allergischen Reaktionen, Reizerscheinungen im Atemwegsbereich und deutlichen Verschlechterungen bei Asthmaführen kann, sind Gegenmaßnahmen hier dringend erforderlich.

Flüchtige organische Verbindungen
Gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ erläuterte Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt, dass der Schimmel „aus wissenschaftlicher Sicht allerdings nur ein Problem unter vielen“ bilde. Auch die VOC seien ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. Diese finden sich sowohl in der Außenluft als auch in Innenräumen. Sie können auf natürliche Weise entstehen oder aus synthetischen Produkten ausdünsten. Zu den „gas- und dampfförmigen Stoffen organischen Ursprungs in der Luft“ zählen laut Angaben des Umweltbundesamtes „zum Beispiel Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde und organische Säuren.“ Als mögliche Innenraumquellen werden vom Umweltbundesamt in erster Linie „Produkte und Materialien zum Bau von Gebäuden und zur Innenausstattung (zum Beispiel Fußboden-, Wand- und Deckenmaterialien, Farben, Lacke, Klebstoffe, Möbel und Dekormaterialien)“ genannt. Bedeutsam seien zudem Pflege-, Reinigungs- und Hobbyprodukte. Aber auch Tabakrauch, die Nahrungsmittelzubereitung und der menschliche Stoffwechsel seien als Quellen der VOC zu nennen. Die Konzentrationen in den Wohnräumen liegen dabei meist deutlich über den Außenluftkonzentrationen, was besonders kritisch zu bewerten ist, weil sich laut Angaben des Umweltbundesamtes die Menschen in Mitteleuropa überwiegend in Gebäuden aufhalten.

Schadstoffarme Baumaterialien und Inneneinrichtung
Die flüchtigen organischen Verbindungen werden laut Angaben des Umweltbundesamtes unterschieden in sehr flüchtige organische Verbindungen (Very Volatile Organic Compounds, VVOC) und die schwerflüchtigen organischen Verbindungen (Semivolatile Organic Compounds, SVOC). Während die VVOC sich meist innerhalb weniger Wochen bis Monate verflüchtigen, stellen die SVOC ein deutlich langfristigeres Problem dar. „SVOC gasen sehr viel weniger aus, dafür aber über Jahre“; zitiert die „dpa“ Heinz-Jörn Moriske. Als mögliche Gesundheitsfolgen seien Unfruchtbarkeit und vermehrte Frühgeburten in der Diskussion. Eine Untersuchung der Innenraumluft kann hier Aufschluss über die vorliegende Belastung geben. Um mögliche VOC-Belastungen von vornherein zu vermeiden, raten die Experten allerdings schon beim Bau beziehungsweise Einkauf der Materialien und Möbel auf schadstoffarme Produkte zurückzugreifen. Beispielsweise sei der Blaue Engel auf schadstoffarmen Bodenbelägen und Möbeln zu finden. „Experten empfehlen, nur solche Produkte zu kaufen, die ein Prüfzeichen aufweisen“, wird Moriske von der „dpa“ zitiert.

Insgesamt weist die Wohnraumluft oft einen breite „Mixtur von Schadstoffen“ auf, die unterschiedlichste gesundheitliche Folgen haben kann, erläutert Barbara Hoffmann gegenüber der „dpa“. Hier seien zwar vermehrt Geräte zu Luftreinigung auf den Markt gedrängt, doch die beste Methode zur Reinigung der Raumluft bleibe weiterhin das Lüften, so das Fazit der Expertin. (fp)

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