Lustgewinn: Koschere Dildos für Strenggläubige

Fabian Peters
Jüdischer Rabbi vertreibt koschere Sex-Spielzeuge
Sex-Spielzeuge haben in der modernen Gesellschaft längst das Schmuddel-Image verloren. So sprechen etwa viele Frauen mittlerweile offen darüber, Dildos oder Vibratoren zu nutzen. Religiöse Menschen sind bei dem Thema aber meist verhaltener. Umso verwunderlicher ist daher die Meldung über den Online-Sexshop eines orthodoxen Rabbiners: Er bietet ein großes Sortiment für koschere Sexerlebnisse.

Viele Menschen nutzen Sex-Spielzeuge
In der modernen Gesellschaft haben Sex-Spielzeuge längst das Schmuddel-Image verloren. So wurde erst vor kurzem über eine Studie berichtet, die unter anderem zeigte, dass 38 Prozent der befragten Frauen angaben, einen Dildo oder Vibrator zu benutzen. Die Untersuchung, für die 2.100 Studentinnen befragt wurden, ergab allgemein, dass Frauen heute beim Sex expertimentierfreudiger und selbstbewusster sind. Wenn es um sexuelle Offenheit geht, denken die meisten sicher nicht an religiöse Menschen. Doch auch Gläubige greifen auf Hilfsmittel zurück, um die Lust zu steigern. Die passenden Produkte dafür können sie in einem speziellen Online-Shop erwerben, über den die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Women having bachelorette party with sex toys in night club
Die Verwendung von Sexspielzeug ist heute kein Tabuthema mehr. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Befriedigung ganz ohne Schuldgefühle
Egal ob mit einem Eiffelturm, einer Freiheitsstatue oder dem Kolosseum unter der Decke: Mit seinen Vibratoren, Penisringen und anderem Sex-Spielzeug verhilft Natan Alexander strenggläubigen jüdischen Paaren beim Liebesspiel zu Lustgewinn. Das Angebot des Online-Shops des orthodoxen Rabbiners ist natürlich ganz koscher. Geboren wurde der heute 34-Jährige im australischen Sydney. Nun lebt er in der jüdischen Siedlung Elasar im israelisch besetzten Westjordanland. Er absolvierte sein Talmudstudium und wurde diplomierter Rabbiner. Nun betreibt er seinen koscheren Online-Sexshop von einer Siedlung südlich von Jerusalem aus.

Jüdischer Rechtskodex regelt auch das Sexualleben der Gläubigen
„Es ist ein religiöses Gebot, seiner Frau beim Sex Lust zu bereiten. Strenggläubigen Paaren muss aber manchmal geholfen werden, ihre Sexualität besser auszuleben“, erklärte der Rabbi. Auf seiner Webseite „bebetter2gether.com“ können praktizierende jüdische Paare gemeinsam das Angebot durchstöbern und verschiedenste Sex-Spielzeuge bestellen, ohne gegen Koschergebote zu verstoßen. „ Die jüdischen Religionsgesetze erlauben die Nutzung dieser Hilfsmittel, weil diese es erleichtern, das Gebot des Lustgewinns für die Ehefrau zu erfüllen“, so Alexander. Der jüdische Rechtskodex Halacha regelt nicht nur Ernährung und Kleidung bis ins Kleinste, sondern auch das Sexualleben der Strenggläubigen. Dabei werden die erlaubten Praktiken aufgezählt und auch die Verbote definiert. Zum Beispiel kann eine Frau beim Rabbiner die Scheidung beantragen, wenn sie ihr Mann sexuell nicht befriedigt.

Mangel an Erotik in konservativen Kreisen
„Unser Auftreten ist sittsam, einfühlsam und die Vertraulichkeit wahrend“, heißt es bei dem Onlineshop, in dem in zwei Versionen – Hebräisch und Englisch – Massagestäbe und Dildos, Reizkugeln und Öle angeboten werden. Wie AFP weiter berichtet, wurde der Mangel an Erotik in konservativen jüdischen Kreisen auch schon in der Vergangenheit von Religionsgelehrten offensiv angesprochen. So hatte der US-Rabbiner Shmuley Boteach 1999 das Buch „Koscherer Sex“ und 2009 das Folgewerk „Koscher Sutra“ veröffentlicht, die beide zu Verkaufsschlagern wurden. Das Credo des Autoren: „Heute lieben wir unsere Frauen, aber wir begehren sie nicht. Wir schätzen sie und verlangen nicht nach ihnen. Sie bekommen Komplimente, aber die Ehemänner reißen ihnen nicht die Kleider vom Leib.“ Der neunfache Vater will dies ändern.

Verzicht auf aufreizende Bilder
Der von Alexander betriebene Onlineshop läuft den Angaben zufolge gut. Er hat nicht nur Kunden unter Israelis, sondern auch in englischsprachigen Ländern mit jüdischem Bevölkerungsanteil. Wie der Rabbi berichtete, führen 20.000 Seitenaufrufe im Monat zu fünf Bestellungen pro Tag. Es gehe ihm jedoch nicht um den Profit: „Mein Angebot soll religiösen Paaren ermöglichen, sich Lust zu verschaffen, ohne religiöse Vorschriften zu brechen.“ Die angebotenen Hilfsmittel sind die gleichen, wie in anderen Sexshops, doch sowohl Website als auch Verpackungen verzichten auf aufreizende und gewagte Bilder oder Sprüche, die den Kodex der Orthodoxen verletzen könnten. Auch Beratungen werden dort angeboten. Hier werden Fragen, die viele Paare ihrem Gemeinderabbiner ungern direkt stellen möchten, von Sexualtherapeuten, Paarberatern oder Gynäkologen beantwortet. Und zwar mit einer Wortwahl, „die die Empfindlichkeiten der religiösen Menschen respektiert“, so Alexander. „Das Judentum räumt dem Sexualvergnügen eigentlich einen wichtigen Platz ein, aber zugleich ist es immer noch viel zu oft ein Tabuthema“, erläuterte der junge Rabbiner und fügte hinzu: „Ich bin stolz darauf, in dieser Hinsicht als Pionier zu wirken.“ (ad)