Macht Cannabis-Konsum schizophren?

Fabian Peters

Macht Cannabis-Konsum schizophren? Psychotische Symptome sind laut einer Studie durch Cannabis-Konsum erhöht.

03.03.2011

Jugendliche, die regelmäßig Cannabis konsumieren, unterliegen einem erhöhten Risiko psychotischer Symptome, berichtet das „British Medical Journal“ (BMJ) in seiner aktuellen Ausgabe unter Bezug auf eine umfassende Studie von Forschern der Universität Maastricht. Der Cannabis-Konsum erhöht bei Jugendlichen das Risiko einer Schizophrenie. Aus einer Langzeitstudie von Forschern der Universität Maastricht geht hervor, dass Heranwachsende durch den regelmäßigen Cannabis-Konsum häufiger an psychotischen Symptomen leiden, die als Anzeichen einer Schizophrenie gelten. Bei dauerhaftem Konsum tendieren diese psychotischen Symptome zur Persistenz, berichtet das BMJ.

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Cannabis fördert Auftreten psychotischer Symptome
Das Forscherteam um Rebecca Kuepper und Jim van Os von der niederländischen Universität Maastricht hatten im Rahmen ihrer Studie („Early Developmental Stages of Psychopathology“; EDSP) über einen Zeitraum von zehn Jahren die Auswirkungen das Cannabis-Konsums bei einer repräsentativen Stichprobe von 1.923 Heranwachsenden im Alter zwischen 14 und 24 Jahren untersucht. Die jugendlichen Studienteilnehmer kamen alle aus dem Raum München. Heranwachsende, die bereits vor Studienbeginn Drogen konsumierten oder Anzeichen psychotischer Symptome aufwiesen, waren von der Teilnahme ausgeschlossen. Während des bisherigen Studienzeitraums von zehn Jahren fanden drei ausführliche Untersuchungen der Probanden statt, bei denen nicht nur der Drogenkonsum ermittelt, sondern auch die psychopathologische Charakteristika von klinischen Psychologen untersucht wurden. Dabei sei ein deutlich erhöhtes Auftreten psychotischer Symptome unter den Cannabis-Konsumenten festzustellen gewesen, berichtet das BMJ von den Studienergebnissen der niederländischen Forscher.

Psychotische Symptome durch Cannabis-Konsum verdoppelt
Damit bestätigen die Forscher der Universität Maastricht die Aussagen früherer Studien, bei denen bereits ein Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Cannabis festgestellt wurde. Allerdings war bisher nicht eindeutig geklärt, ob die psychischen Probleme Ursache oder Folge des Cannabis-Konsums waren. Die Wissenschaftler konnten im Rahmen ihrer Langzeitstudie nun belegen, dass der Cannabis-Konsum die Ursache der psychotischen Symptome ist, die auf eine Schizophrenie hinweisen können. Die Forscher um Rebecca Kuepper und Jim van Os stellten bei den jugendlichen Cannabis-Konsumenten fast doppelt so häufig Anzeichen einer beginnenden Psychose fest wie bei den übrigen Studienteilnehmern. Außerdem konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der anhaltende Cannabis-Konsum auch das Risiko einer Persistenz der psychotischen Symptome mehr als verdoppelt. Hingegen hätten sich keine Anzeichen dafür ergeben, dass psychotische Symptome die Neigung zum Cannabis-Konsum erhöhen. Der Ansatz, dass der Cannabis-Konsum eventuell nur Folge und nicht Ursache der psychischen Leiden ist, werde durch die aktuellen Studienergebnisse nicht gestützt, so die Darstellung in der Fachzeitschrift BMJ. Unter Umständen könne der Cannabis-Konsum im Zusammenspiel mit anderen Faktoren sogar eine Schizophrenie auslösen, erläuterten die Experten.

Cannabis als Ursache von Schizophrenie?
Zwar sei es unwahrscheinlich, dass der Cannabis-Konsum die alleinige Ursache einer Schizophrenie bildet, doch bei besonders anfälligen Personen oder bei einer familiären Vorbelastung, begünstige Cannabis eindeutig das Auftreten schizophrener Symptome, so die Aussage im BMJ. Jugendliche die im nahen Familienumfeld bereits schizophrene Angehörige haben, sollten daher besonders vorsichtig sein. Bei ihnen kann bereits der gelegentliche Cannabis-Konsum zu ernsthaften psychischen Problemen führen. Außerdem ist die Persönlichkeit der Jugendlichen noch nicht so gefestigt wie bei Erwachsenen und ihr zentrales Nervensystem ist noch in der Entwicklung, d. h. ihr Stoffwechsel reagiert besonders sensibel auf die chemische Wirkung von Cannabis, wodurch das von den Forschern der Universität Maastricht beschriebene Risiko psychotischer Symptome zusätzlich erhöht wird.

Wirkung des Cannabis deutlich gestiegen
Ein Problem, das in der Untersuchung nicht zur Sprache kommt, sicher aber auch einen Einfluss auf die Häufung der psychotischen Symptome haben dürfte, ist die immer weiter gestiegene Wirksamkeit des Cannabis. Enthielt Marihuana zu Zeiten den 68er noch rund zwei Prozent des Wirkstoff THC, so sind es heute über 10 Prozent. Dementsprechend stärker ist die Wirkung der vermeintlichen Softdroge. Auch tendieren Jugendliche nach Einschätzung von Suchtexperten dazu, ähnlich wie beim sogenannten komatösen Alkoholtrinken die Suchtmittel nicht in Maßen sondern in Massen zu konsumieren, mit entsprechend höhere Wirkung.

Schulische Leistungen leiden unter Cannabis-Konsum
Neben der Psyche leiden oft auch die schulischen Leistungen unter den Folgen des Cannabis-Konsums, berichten die Editorialisten Wayne Hall von der Universität Queensland und Louisa Degenhardt vom Burnet Institute in Melbourne im Artikel des BMJ. So vernachlässigen die jugendlichen Konsumenten häufiger ihre schulischen Verpflichtungen und verbauen sich so ihre beruflichen Zukunftspläne. Ein Risiko, dass ebenfalls nicht unterschätzt werden sollte. Zwar haben schulische Versäumnisse keine vergleichbaren Konsequenzen wie die psychischen Symptome, doch auch sie können die Betroffenen ein Leben lang begleiten. Problematisch wird es nach Einschätzung der Experten, sobald die Jugendlichen sich im regelmäßigen Cannabis-Konsum verlieren und persönliche Ziele in den Hintergrund geraten (bzw. komplett fehlen). Allerdings sei dennoch nichts von einem generellen Cannabis-Verbot zu halten, berichten die Editorialisten im British Medical Journal, da dies keine Wirkung zeige und den betroffenen Jugendlichen durch die Kriminalisierung weiterer Schaden zugefügt werde. Das immer wieder zitierte Schlüsselwort heißt an dieser Stelle Aufklärung. Bereits seit langem kritisieren Drogenexperten, dass erhebliche Summen für die polizeiliche Ahndung der Konsumenten aufgewendet, jedoch zu wenig für die Aufklärung getan werde. (fp)

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Bild: Henning Hraban Ramm / pixelio.de