Mädchen erinnern sich häufiger an Träume

Fabian Peters

Träume haben für Mädchen eine Höhere Bedeutung

07.07.2011

Mädchen erinnern sich häufiger an ihre Träume und messen diesen auch im Alltag eine höhere Bedeutung bei als gleichaltrige Jungen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPKBS) im Rahmen einer umfassenden Studie mit rund 5.600 teilnehmenden Mädchen und Jungen.

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Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass Frauen im Erwachsenenalter sich besser an ihre Träume erinnern und sich intensiver mit dem Geträumten auseinandersetzen als erwachsene Männer. Ob diese Unterschiede auch schon im Kindesalter vorliegen, haben die Forscher der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel nun in einer groß angelegten Studie untersucht. Das Ergebnis: Auch unter den Jugendlichen sind bereits deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Erinnerung an Träumen und deren Verarbeitung festzustellen.

5.600 Jugendliche zur ihren Träumen befragt
Im Rahmen ihrer umfassenden Studie haben Serge Brand von der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPKBS) und Kollegen rund 5.600 Mädchen und Jungen per Fragebogen zu ihren Träume, deren Verarbeitung und der Schlafqualität insgesamt befragt. Parallel wurden weitere Faktoren wie zum Beispiel die persönlichen Belastungen, Stress oder die individuelle Kreativität ermittelt, berichteten die Forscher bei Vorstellung ihrer Studienergebnisse am Dienstag. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten wurden Jugendliche aus allen Schulformen und Gesellschaftsschichten mit einbezogen, erklärten Serge Brand und Kollegen. Insgesamt gaben im Rahmen der Studie rund 20 Prozent der befragten Jugendlichen an, sich „oft oder üblicherweise“ an die Inhalte ihrer Träume erinnern zu können, circa 30 Prozent der Jugendlichen erklärten hingegen, dass ihnen ihre Träume beim Aufwachen „nur sehr selten“ oder „praktisch nie“ präsent seien. Bei einer genaueren Analyse der gewonnen Daten stellten Serge Brand und Kollegen anschließend fest, dass eindeutige geschlechtsspezifische Unterschiede bei dem Erinnerungsvermögen an die Träume und deren Verarbeitung bestehen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Träumen
Die Ergebnisse der aktuellen Befragung zeigen, dass bereits vor dem Erwachsenenalter erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Erinnerung an die Träume und der Verarbeitung der Trauminhalte bestehen, erklärten Serge Brand und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Journal of Adolescent Health“. So würden sich die Mädchen nach dem Aufwachen am Morgen öfter an ihre Träume erinnern, als gleichaltrige Jungen. Außerdem beschäftigen sich die Mädchen auch tagsüber noch intensiver mit den Inhalten ihrer Träume und messen diesen eine sehr viel größere Bedeutung zu, berichten die Forscher. Serge Brand zufolge erreichten die Mädchen auf einer eigens entwickelten Skala, welche die Verarbeitung der Träume widerspiegeln soll, einen deutlich höheren Wert als die Jungen. (4,9 gegen über 4,2 auf einer Skala von eins bis sechs). Dieser gehe auch darauf zurück, dass Mädchen allgemein weniger durchgehend schlafen als Buben und daher des Öfteren nachts aufwachen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit einer Erinnerung an die Träume erhöhe, erklärte Serge Brand. Das sich die Mädchen offenbar intensiver mit der Verarbeitung ihrer Träume beschäftigen, ist nach Aussage der Wissenschaftler außerdem darauf zurückzuführen, dass „Mädchen ihrem Innenleben grundsätzlich eine höhere Bedeutung“ beimessen als Jungen. Aber auch Jungen beschäftigen sich oft intensiv mit den Inhalten ihrer Träume.

Besseres Wohlbefinden durch Erinnerung an Träume?
Die Inhalte der Träume drehen sich laut Aussage der Forscher der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel bei den Mädchen und Jungen oft um ähnlich Dinge. Frühere kanadische Studien hätten bereits ergeben, dass viele vom Fallen, Schule, Lehrern, Sex und persönlicher Verfolgung träumen, erklärte Serge Brand. Bei einem Großteil der Träume (63 Prozent) seien die Befragten selbst involviert, in 23 Prozent der Fälle kommen die träumenden Personen jedoch nicht in ihren eigenen Träumen vor, so das Ergebnis der aktuellen Umfrage. In Bezug auf die Auswirkungen der Träume stellten die Forscher fest, dass 39 Prozent der befragten Jugendlichen angaben, die Träume würden ihre Laune tagsüber deutlich beeinflussen. Auf der Gegenseite erklärten 48 Prozent der Befragten, dass die Träume keinen Einfluss auf ihr Gemüt hätten. Auffällig war nach Aussage der Forscher auch, dass Jugendliche, welche sich öfter an ihre Träume erinnern, auf die Fragen nach der eigenen Schlafqualität und dem generellen Wohlbefinden, beides tendenziell eher als gut bezeichneten, als Studienteilnehmer, die keine Erinnerung an ihre Träume haben. Wer sich häufig an seine Träume erinnert, ist anscheinend öfter gut gelaunt, schläft besser, hat ein allgemein höheres Wohlbefinden und eine stabilere Gesundheit, erklärten Serge Brand und Kollegen. (fp)

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Bild: Kurt Bouda / pixelio.de